Steiermark

(Stand: 11. Januar 2021)

Glossar

  • Weggänge prägen das Bild
  • Scherbaum sortiert sich neu
  • Immobilienboom statt Pleiten

 

Der Anwaltsmarkt in der Steiermark ist trotz Corona-Krise voll personeller Bewegungen. Zudem rückt der Generationswechsel in vielen Einheiten in den Vordergrund. Das sonst so dominante Insolvenzgeschäft war wegen der coronabedingt ausgesetzten Insolvenzantragspflicht und den staatlich garantierten Corona-Hilfen deutlich schwächer ausgeprägt.

Namhafte Partner verlassen Spitzeneinheiten

Für viele in der Region hatte es sich bereits abgezeichnet, dennoch ist es für manche ein „Kuriosum“, wie es ein Wettbewerber formuliert: Der bekannte Öffentlichrechtler Prof. Dr. Georg Eisenberger, Sohn des Gründers der namhaften Grazer Kanzlei, verlässt Eisenberger & Herzog samt Team und ist nun unter eigener Flagge tätig. Der Einheit geht damit zwar ein Gutteil ihrer Praxis für Öffentliches Recht verloren, allerdings hat sie auch weiterhin auf diesem Gebiet kompetente Anwälte in ihren Reihen.

Eine weitere Zäsur im steirischen Markt war bei Scherbaum Seebacher zu verzeichnen: Der überraschende Weggang eines Teams um den von Wettbewerbern als „Kronprinz“ bezeichneten Dr. Clemens Jaufer warf die Kanzlei mit Blick auf den anstehenden Generationswechsel jäh zurück. Denn den renommierten Insolvenzrechtler handelten steirische Anwälte als „designierten Nachfolger“ des Namenspartners Dr. Norbert Scherbaum. Als Reaktion auf die Abgänge holte die Kanzlei sogleich Juristen von angesehenen Einheiten wie Böhm Reckenzaun & Partner und Görg, um den Verlust abzufedern. Auch Jaufers Position besetzte sie neu, wobei sein Nachfolger noch ein großes Stück des Weges wird gehen müssen, um in seine Fußstapfen treten zu können. In ruhigeren Bahnen verläuft derweil wieder das Geschäft bei Piaty Müller-Mezin Schoeller ?ine der Anwältinnen, die die Kanzlei zuvor verlassen hatte, eröffnete ein Büro für Schiefer in Graz. Sollte der Standort wie geplant vor Ort noch weiter wachsen, könnte er eine ernst zu nehmende Konkurrenz für bestehende Einheiten werden.

Immobiliengeschäft tritt in den Vordergrund

Das in der Steiermark traditionell starke Insolvenzgeschäft war zuletzt weniger gefragt. Es gab zwar auch einige herausragende Causen, wie etwa die Herbitschek-Insolvenz. Coronabedingt wurde die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen jedoch ausgesetzt, und je nachdem wie die weiteren Maßnahmen der Politik ausfallen, wird eine Pleitewelle erst im weiteren Verlauf des Jahres oder noch später erwartet. An Relevanz gewonnen hat dagegen für Berater das Immobiliengeschäft, denn der Bauboom in Graz hält an und es werden insbesondere viele Wohnimmobilien errichtet. So wendeten sich einige Einheiten verstärkt diesem Geschäft zu, etwa Recht am Kai und Likar.

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