Stuttgart

Gute Geschäfte vergrößern die Nachwuchssorgen

Die deutsche Wirtschaft brummt. In kaum einer anderen Region ist dies so deutlich zu spüren wie in der Region Stuttgart, wo zahlreiche gehobene Mittelständler und weltweit agierende Konzerne zu Hause sind.

Von der guten Konjunktur profitieren auch die Kanzleien: Kräftige Mandatszuwächse gehen einher mit beachtlichen Umsatzsteigerungen. Doch die stetigen Geschäftszuwächse haben auch eine Kehrseite, schließlich verschärfen sie die Nachwuchssorgen, die bei den Stuttgarter Kanzleien traditionell besonders groß sind. Wer keine persönliche Verbindung zu ihr hat, sucht sich die Schwabenmetropole nur selten als Startpunkt für seine Karriere aus.

Stuttgart zieht Interesse auf sich

Die personellen Schwierigkeiten – gepaart mit der bisher eher schwach ausgeprägten Wechselbereitschaft Stuttgarter Partner – dürften auch der Grund dafür sein, dass die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bislang noch nicht zu einer Welle an Kanzleineueröffnungen vor Ort geführt haben, wie sie etwa an anderen starken Wirtschaftsstandorten wie München und Hamburg zu beobachten sind. Bekannt ist, dass mehrere deutsche Kanzleien geneigt sind, in Stuttgart ein Büro zu eröffnen.

Den Schritt getan haben zuletzt Gowling WLG und Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan. Mit ihnen kamen erstmals internationale Kanzleien in die Stadt. Während Gowling WLG mit dem ehemaligen Menold Bezler-Partner Dr. Andreas Wölfle eröffnete und damit auf Gesellschafts- und Handelsrecht fokussiert ist, steht Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan für Prozesse. Sie geht mit einem erfahrenen Hamburger Kartellrechtler von Latham & Watkins und einem Patentrechtler aus dem kanzleieigenen Mannheimer Büro an den Start.

Die Festung bröckelt

Als Vorbild kann Heuking Kühn Lüer Wojtek dienen: Ihr gelang es 2015, ein schwäbisches Team von GSK Stockmann abzuwerben. Inzwischen ist die große deutsche Mittelstandsberaterin zu einem festen Bestandteil des Stuttgarter Marktes geworden, der ansonsten vor allem von Kanzleien mit lokaler Tradition geprägt ist. Der Ruf, dass die Stadt eine Festung sei, in die Eindringlinge von außen keinen Zugang hätten, beginnt zu bröckeln.

Auch die Rechtsberatungsarme der WP-Gesellschaften wie PricewaterhouseCoopers Legal und EY Law gewinnen hier immer mehr Präsenz. Der Abgang eines Teams um Dr. Christian Hensel von PricewaterhouseCoopers Legal zu KPMG Law in Nürnberg ist in diesem Zusammenhang allerdings ein Dämpfer, den die Kanzlei rasch mit dem Zugang der erfahrenen Gesellschaftsrechtlerin und Transaktionsexpertin Dr. Petra Beyer von Gowling WLG ausgleichen konnte.

Generell sind Kanzleiwechsel nun keine Rarität mehr: Für Aufsehen sorgte der Weggang von Dr. Friedrich Bozenhardt von Haver & Mailänder zu BRP Renaud & Partner.

Das Auseinanderfallen von Diem & Partner löste ebenfalls einige personelle Verschiebungen aus: Heussen nahm zwei Baurechtler auf, zu Haver & Mailänder kam eine IT/IP-Expertin, eine Arbeitsrechtlerin wechselte zu Bartsch.

Zu wenige Kanzleien für den Compliance-Boom gerüstet

Auch die Veränderungen im Beratungsgeschäft stellen die Kanzleien vor Herausforderungen: Das Thema Compliance wird inzwischen auch von mittelständischen Unternehmen immer mehr nachgefragt, doch nur wenige Einheiten wie BRP Renaud & Partner haben sich hierfür rechtzeitig gerüstet und können diesen Vorteil nun gewinnbringend ausspielen, wie der Einsatz der Kanzlei in der Schmiergeldaffäre des Klinikums Stuttgart zeigt.

Mit dem gestiegenen Compliance-Bewusstsein einher geht der Datenschutz, der jüngst auch bei kleineren Einheiten wie Kasper Knacke und Haver & Mailänder auf die Agenda kam.

Ein Thema scheinen die meisten Stuttgarter Kanzleien jedoch zu verschlafen: die Venture-Capital-Beratung. Hier können einige Wettbewerber aus dem Umland schon mehr Erfahrung mit der Start-up-Szene und der Investorenbegleitung vorweisen.

 Stuttgart ist sta?rkster Wirtschaftsstandort


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die nach der Recherche der JUVE-Redaktion in ihrer Region eine besondere Bedeutung und Reputation genießen. Diese Kanzleien bieten typischerweise Beratung und Vertretung in vielen Sparten des Wirtschaftsrechts. Bitte beachten Sie aber ggf. Verweise auf weitere Besprechungen in einem Rechtsgebietskapitel. Dort finden Sie auch jeweils weitere Referenzmandate.