Der Kanzleimarkt im Osten Deutschlands blieb lange von größeren Umwälzungen unberührt. Das änderte sich bereits langsam mit den letzten Wahlergebnissen, und als Private-Equity-Investoren im Steuermarkt visibler wurden, deutlich schneller. Spätestens, als Dirk Rose im November 2025 sein Amt als Vizepräsident der Bundessteuerberaterkammer niederlegte. Der Vorsitzende der Steuerberaterkammer Sachsen hatte seine Leipziger MDP-Kanzlei an die von Partners Group gestützte Afileon-Gruppe verkauft – und damit eine grundsätzliche Diskussion in den Kammern ausgelöst: Ist die Unabhängigkeit der Beratung in von Investoren getragenen Strukturen noch gewährleistet?
Dabei sehen manche gerade in der Bündelung ihrer Kräfte Chancen, Fachkräftemangel und Digitalisierungsrückstände zu überwinden. Die in Dresden und Leipzig ansässige Kanzlei Mulansky + Kollegen, deren Berufsträger derzeit stark in Kliniksanierungen gefragt und allesamt älter als 40 Jahre sind, schloss ihre vollständige Integration in die Schneider + Partner Beratergruppe ab. Durch die engere Verzahnung mit Steuer- und Unternehmensberatung sollen Synergien für Kanzlei und Mandanten entstehen. In manchen Berliner Kanzleien, wo Venture-Capital- und Private-Equity-Manager seit Langem Prozesse bei Mandanten optimieren, wird laut Branchenbeobachtern bereits über den Verkauf von Kanzleianteilen nachgedacht. Einen großen Schritt ging auch Petersen Hardrath Pruggmayer: Die Kanzlei firmiert nun als Petersenpartners und wird von einem Unternehmensberater gemanagt. Mit diesem Konzept gehört die Mittelstandsberaterin zu den Vorreitern in der Region.
Rückschritt und Neuanfang im Osten
Dass aber Beharrungskräfte im Rechtsmarkt weiterhin wirken, zeigte sich beim neu eröffneten Commercial Court am Oberlandesgericht Dresden. Zwar können dort – wie in anderen Bundesländern – hochvolumige wirtschaftsrechtliche Streitigkeiten verhandelt werden. Doch anders als an vergleichbaren Gerichten nur unter zwei Voraussetzungen: Es wird ausschließlich auf Deutsch verhandelt und nur deutsches Recht angewendet.
Damit sollen die Streitfälle möglichst keinen Auslandsbezug haben – was angesichts von Neuansiedlungen, etwa aus der internationalen Halbleiterindustrie, widersprüchlich erscheint. Ziel des Justizstandortstärkungsgesetzes dürfte ein solches sächsisches Sondermodell kaum gewesen sein. Entsprechend hört man in den Sozietäten: „Ich empfehle meinen Mandanten wieder ausschließlich Schiedsklauseln.“
Ein Anstieg von Konfliktfällen – sei es rund um Unternehmensnachfolgen, aufgrund wirtschaftlicher Not oder infolge geopolitischer Spannungen – ist in vielen Kanzleien spürbar. Das führt zunächst zu mehr Arbeit für Corporate‑ und Commercial‑Litigator zum Beispiel bei Lindenpartners, die klassische Gesellschafterkonflikte, Krisensituationen und komplexe Haftungsfragen begleiten. Parallel dazu gewinnt ein zweites Feld an Bedeutung: die Beratung in stark regulierten Branchen. Hier bauen spezialisierte Kanzleien wie Ypog gezielt ihre Regulierungs- und Defense-Kompetenzen aus, um etwa Defense‑Start-ups und deren Investoren durch die komplexen Regularien der Rüstungsindustrie zu navigieren. Darüber hinaus besetzen die großen multidisziplinären Einheiten wie Forvis Mazars und die Rechtsarme der Big Four von KPMG Law oder PwC Legal seit geraumer Zeit konsequent die Schnittstellen zur öffentlichen Hand – etwa in Vergabeverfahren, Compliance‑Strukturen oder öffentlichen Förderprogrammen – und sind daher bei Mandaten mit Behördenbezug besonders sichtbar.
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