JUVE: Herr Finkel, Sie haben zuletzt 2012 ein Büro eröffnet, damals in Karlsruhe. Nun kommen mit Dortmund, Hamburg und Leipzig in kurzer Zeit drei weitere hinzu. Was ist los bei BLD?
Bastian Finkel: Büroeröffnungen sind heute einfacher umzusetzen als früher, denn wir müssen z. B. nicht an jedem Standort eine IT-Abteilung und Buchhaltung einrichten. Aus Sicht der BLD-Partnerschaft ergibt sich daraus die Möglichkeit, unser Geschäftsmodell noch besser umsetzen zu können: Unser Markenzeichen ist die bundesweite Prozessführung für Versicherer. In Deutschland gibt es mehr als 750 erstinstanzliche Gerichte für Zivilverfahren, in einigen wichtigen Regionen war BLD bisher nicht selbst vertreten. Dazu gehörte das Ruhrgebiet, 2022 haben wir daher in Dortmund mit drei Partnern eröffnet. Im zweiten Halbjahr 2023 folgt nun Hamburg – ebenfalls mit Kollegen vor Ort, die bislang in Köln tätig waren, aber in oder um Hamburg wohnen – und 2024 wird ein Büro im Osten Deutschlands, voraussichtlich in Leipzig, dazukommen.
Warum gerade diese Städte? Gibt es besondere Schwerpunkte?
In Hamburg wollen wir tatsächlich auch einen neuen Geschäftszweig aufbauen und maritimes Geschäft entwickeln. Wir machen das international in Verbindung mit unserem Kooperationspartner DAC Beachcroft, auch die haben Büros in wichtigen Hafenstädten eröffnet bzw. erweitert, beispielsweise in Singapur. Für alle neuen BLD-Standorte gilt: Wir wollen in den Metropolregionen aktiv sein, sowohl für die Mandanten als auch fürs Recruiting – und wir wollen unser Regionalgeschäft ausbauen. Wir möchten zudem dort präsent sein, wo juristische Absolventen ihr Leben aufbauen wollen. Unserer Meinung nach ist daher auch Leipzig ideal, um sich für das Geschäft im Osten besser aufzustellen. Mit nur einem Standort in Berlin waren wir hier bisher unterrepräsentiert. Bei der Menge an Arbeit auch in anderen ostdeutschen Metropolregionen ist es nicht mehr sinnvoll, alles aus der Hauptstadt heraus zu betreiben.
Andere große Kanzleien zogen sich zuletzt aus dem Osten zurück.
Wir agieren als Branchenkanzlei für unsere Mandanten deutschlandweit. Mit jeder Neueröffnung möchten wir unser Geschäft vor Ort noch besser anbieten und auch neue Akteure im Regionalgeschäft auf uns aufmerksam machen. Das ist uns in Dortmund bereits sehr gut gelungen.
Parallel dazu denken Sie über neue Karrierestufen nach. Was tut sich da?
Hier wird sich ab 2024 viel Neues ergeben. Derzeit nur so viel: BLD wird den Status des Salary-Partners als Vorstufe zur Partnerschaft wieder einführen. Das ist eine Konsequenz aus dem Wachstum der letzten 10 bis 15 Jahre. Denn wir sind mittlerweile eine sehr große Kanzlei und der Wunsch nach transparenten Karrierewegen ist beim Nachwuchs deutlich spürbar. Die Salary-Partnerschaft bietet, wie die weiteren Karrierestufen, die wir kommendes Jahr einführen werden, die Möglichkeit der frühzeitigen Heranführung an unternehmerische Verantwortung und Teilhabe, soll aber niemanden unter Druck setzen. Ein ‚up or out‘ wird es bei uns auch weiterhin nicht geben.
Ist das mit einem erweiterten Ausbildungsprogramm verknüpft?
Ja. Wir werden den Nachwuchs auf jeder Karrierestufe dabei unterstützen, bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln, die über das Fachliche hinausgehen. Die BLD-Akademie bietet seit vielen Jahren intensive Schulungen an. Dieses Schulungsangebot werden wir künftig noch um mehr nichtfachliche Themen, wie etwa Personalführung, erweitern.
Mit redaktioneller Unterstützung von Julia Ossen. Der Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe 08/2023 des JUVE Rechtsmarkt.