Es gibt nicht nur Geld

Ashurst prescht mit globaler Elternzeitrichtlinie vor

Autor/en
  • Aled Griffiths

Kanzleien reagieren nicht nur mit Gehaltserhöhungen auf die Zeit nach der Pandemie. Ashurst hat eine vergleichsweise radikale neue Elternzeitpolitik angekündigt, die andere Kanzleien unter Druck setzen wird. Angebote für flexibleres Arbeiten und der Versuch, die Work-Life-Balance zu verbessern, stehen jetzt ebenfalls fest auf der Tagesordnung.

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Die neue Elternzeitregelung soll weltweit gelten. Und selbst für deutsche Anwälte – die global mit die großzügigsten gesetzlichen Elternzeitregelungen genießen – sind einige Aspekte der Ashurst-Politik ein radikaler Schritt nach vorn.

Alle Mitarbeiter dürfen seit Mai dieses Jahres 26 Wochen vollständig bezahlten Urlaub nehmen, und das geschlechtsunabhängig. Dieser Anspruch gilt bis zu zwei Jahren nach Geburt des Kindes und kann auch auf eine Teilzeitbeschäftigung umgerechnet werden. Kehren die Anwältinnen und Anwälte nach der Elternzeit zurück an ihren Arbeitsplatz, können sie für drei Monate beantragen, die von der Kanzlei geforderten abzurechnenden Stunden zu reduzieren. Ein Sprecher der Sozietät wies darauf hin, dass es für Anwälte ein Drittel bis die Hälfte weniger Billables bedeutet.

Neu sind zudem die Regeln für den Verlust des ungeborenen Kindes: Hier sieht die Richtlinie zwei Wochen bezahlten Urlaub vor, auch wenn ein Schwangerschaftsverlust von der Partnerin oder einer Leihmutter erlitten wurde. Nach der zwanzigsten Schwangerschaftswoche gewährt Ashurst in einem solchen Fall gar 26 Wochen bezahlten Urlaub, also ebenso lange wie nach einer Geburt.

Auch für das Thema Kinderwunschbehandlung zeigt sich Ashurst sensibel: Fünf Tage bezahlten Urlaub pro Jahr erhält jeder, der eine Kinderwunschbehandlung benötigt.

Die Kanzlei ist zudem bestrebt, die Gleichstellung von erwerbstätigen Müttern und Vätern auch über einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch innerhalb der Kanzlei zum Ausdruck zu bringen, um der Diversität im Familienleben ihrer Mitarbeiter Rechnung zu tragen. Gerade dieser letzte Punkt könnte in Deutschland mehr Wirkung zeigen als in anderen Ländern, in denen die Rolle der Hauptbetreuungsperson gleichmäßiger zwischen den Geschlechtern verteilt ist. Ashurst ist die erste internationale Kanzlei in Deutschland, die versucht, Väter dazu zu bewegen, nach der Geburt ihres Kindes Elternzeit zu nehmen. Es scheint direkt Wirkung gezeigt zu haben: in den kommenden Monaten werden unter den Associates mindestens drei Männer das Angebot in Anspruch nehmen.

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