JUVE: Was sind Ihre Pläne und Prioritäten für Eversheds als Managing-Partner in Deutschland?
Alexander Niethammer: In den fünf Jahren seit der Fusion mit Eversheds haben wir unseren Umsatz verdoppelt, mit Düsseldorf unseren vierten deutschen Standort eröffnet und uns mit neuen erfahrenen Partner verstärkt. Trotzdem bleibt noch Luft nach oben. Wir wollen etablierte Wettbewerber angreifen, wie Baker & McKenzie, DLA Piper, Dentons oder Hogan Lovells. Dabei steht die Qualität im Vordergrund, die wir in Verbindung mit attraktiven Service- und Honorar-modellen anbieten können. Darin sehen wir unseren Vorteil gegenüber etablierten Großkanzleien. Denn in der derzeitigen Krise hinterfragen Unternehmen ihre
Beraterlandschaft zunehmend.
Das klingt nach einer Gratwanderung zwischen Qualität und niedrigen Preisen…
Qualität zu attraktiven Konditionen kann durch eine stärkere Spezialisierung gelingen. Ein Beispiel dafür ist die Beratung des Energiesektors. Hier haben wir zuletzt zwei neue Partner von Clifford Chance gewonnen. Damit können wir auf dem Markt qualitativ hochwertige Beratung in Konkurrenz zu langjährig gesetzten Beratern anbieten. Zudem wollen wir unsere Corporate/M&A-Beratung weiter ausbauen. Darin sehen wir großes Potenzial, vor allem, wenn wir uns auf Branchen konzentrieren, in denen wir auch in Zusammenarbeit mit unseren internationalen Büros stark sind, wie Energie oder Technologie. Auch Private Equity und Compliance haben wir im Fokus.
Wie weit wollen Sie Düsseldorf, Berlin und Hamburg ausbauen? Gibt es Pläne, auch in Frankfurt zu eröffnen?
In Düsseldorf stehen derzeit die Energie-, Corporate- und Immobilienpraxen im Vordergrund und der Standort soll zu einem Full-Service-Angebot erweitert werden. Das bedeutet insbesondere Ausbau im Arbeitsrecht, Commercial und IP. Auch in Hamburg wollen wir uns weiter verstärken, vor allem in Corporate und M&A. Frankfurt schauen wir uns regelmäßig an, wir fokussieren uns derzeit jedoch auf den Ausbau in Düsseldorf und Hamburg. Die für uns zentralen Industrie-Mandate können wir gut von unseren bestehenden Standorten aus abdecken. In Berlin werden wir unser Notariat sowie unsere Re-strukturierungspraxis weiter stärken.
Der internationale Managing-Partner Keith Froud hat vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie kürzlich angekündigt, künftig stärker in die IT-Infrastruktur und weniger in Büroflächen zu investieren. Gibt es hierzulande ähnliche Pläne?
Wir haben durch die Krise gelernt, wie gut mobil-flexibles Arbeiten funktionieren kann. Aufgrund dieser Erfahrungen wollen wir unseren Mitarbeitern auch in Zukunft flexiblere Strukturen bieten, was natürlich Investitionen in IT erfordert. Einen Trend weg vom physischen Arbeitsplatz in der Kanzlei sehe ich aber erst einmal nicht. Das Büro wird ein wichtiger Ankerpunkt bleiben, nicht zuletzt als Ort der Ausbildung und der Teamarbeit, die vom sozialen Kontakt lebt.
In ihrer Tochter Konexo bündelt Eversheds in UK und den USA unter anderem Corporate-Standardaufgaben und nicht-juristische Beratungsangebote. Inwiefern planen Sie dies auch in Deutschland?
Konexo ist auch für den deutschen Markt ein attraktives Modell, und wir prüfen derzeit, wie wir das Geschäftsmodell eines alternativen Rechtsdienstleisters in Deutschland strukturell ausrollen werden. In Großbritannien und Asien wird das Consulting-Angebot, das bereits seit etlichen Jahren existiert und im letzten Jahr als eigenständige Marke positioniert wurde, sehr gut angenommen. Erst kürzlich folgte der Start in den USA. Auch hierzulande sehen wir Potenzial für ein verbreitertes Beratungsspektrum als Ergänzung zur klassischen Kanzlei.
Das Gespräch führte Johanna Heidrich.