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29.05.2008

Machtspiele in Hannover: Erfolgreiche Premiere für Gleiss Lutz als Tui-Berater gegen Fredriksen mit Wollburg

„John Fredriksen ist nicht angetreten, um eine juristische Auseinandersetzung zu führen, sondern um gute Corporate Governance und wertorientierte Unternehmensführung durchzusetzen“. So sieht es jedenfalls Dr. Ralph Wollburg. Und er sollte es wissen, denn schließlich berät der Düsseldorfer Linklaters-Partner den größten Aktionär der Tui. Zusammen mit zwei Associates ist er Anfang Mai auf der Hauptversammlung (HV) des Reise- und Schifffahrtskonzerns im Hannover Congress Centrum. Hier trug das Linklaters-Team maßgeblich dazu bei, dass ihr Mandant der Tui die spannendste HV bereitete, die das Unternehmen je erlebt hat. Die Formulierungen der Linklaters-Anwälte waren es, die den offenen Machtkampf auf der HV offiziell entfachten. In ihren Punkten elf und zwölf der Tagesordnung ging es um den Sturz des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Jürgen Krumnow. Fredriksen und eine größere Gruppe von Aktionären werfen ihm Versagen bei der Kontrolle des für seine Geschäftsstrategie heftig kritisierten Tui-Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel vor.

Zum größten Tui-Anteilseigner noch vor dem russischen Investor und Frenzel-Unterstützer Alexej Mordaschow war Fredriksen wenige Wochen vor der HV aufgestiegen, hatte er doch seinen Anteil von rund fünf Prozent auf über elf Prozent erhöht. Mordaschow, größter Aktionär des Stahlriesen Severstal hatte – mit Frenzel abgestimmt -selbst erst kurz zuvor über seine Investmentgesellschaft S-Group seinen Tui-Anteil von fünf auf rund zehn Prozent verdoppelt.

Kein Wunder also, dass sich auch die Tui für die erwartet scharfen Angriffe entsprechend gewappnet hatte. Erstmals sah sich das Unternehmen veranlasst, externe Rechtsberater für die HV einzuschalten. Wer das Unternehmen bei der Vorbereitung und Durchführung der HV aber beriet, daraus machte der Konzern allerdings ein gut gehütetes Geheimnis. Entsprechende Fragen etwa von Dr. Ulrich Brauer wurden von der Tui an diesem Mittwoch nicht beantwortet. Brauer, Partner von Simmons & Simmons – die die Tui bei der Übernahme von CP Ships beriet – war diesmal für Kleinaktionäre zugegen.

Das Backoffice sei ausschließlich mit konzerninternen Mitarbeitern besetzt, so Krumnow. Brauers Frage war dem Unternehmen offenbar nicht weit genug gestellt – auch wenn es hieß: „Welche Berater hat die Tui im Hinblick auf die Presse- und Aktionärskommunikation seit Januar 2008 eingeschaltet? Welche weiteren Rechtsberater beraten die Tui im Hinblick auf die HV und die Auseinandersetzung mit dem Großaktionär Fredriksen?“ Brauer sieht das Ganze dennoch gelassen: „Es ist ein Spiel: Das Unternehmen versucht, so wenig Informationen wie nötig rauszugeben, die Aktionäre, so viel wie möglich zu erfahren.“ Die Tui jedenfalls teilte nicht mit, dass Dr. Roland Steinmeyer, Partner bei Wilmer Hale in Berlin, in der ersten Reihe vor der Bühne saß. Er beriet im Zusammenhang mit der Einberufung der HV.

Dies galt insbesondere hinsichtlich der Ergänzung der Tagesordnung, die Linklaters verlangt hatte. Wilmer Hale war dabei für die Tui eine vergleichsweise logische Wahl: Die Kanzlei berät das Unternehmen regelmäßig: Steinmeyer war bei der Fusion der Tui-Touristiksparte mit First Choice dabei, kartellrechtlich war die Kanzlei etwa beim Gebot für die kanadische Reederei CP Ships beteiligt. Überraschender war da auf den ersten Blick schon die juristische Besetzung auf der Bühne: Die Tui griff für die Leitung der HV auf den Frankfurter Gleiss Lutz-Partner Dr. Detlef Bauer zurück. Weder er noch die Kanzlei hatten das Unternehmen bisher beraten, Bauer ist aber persönlich mit Krumnow bekannt.

Das ist auch Bauers Banknachbar bei der HV: Als taktischen, nicht juristischen Berater, zog Tui noch Volker Butzke aus der Rechtsabteilung der Deutschen Bank hinzu. Der Jurist kennt Krumnow schon aus dessen Zeiten als Vorstand der Deutschen Bank. Zu den Kosten der HV in Höhe von 1,4 Millionen Euro trug er allerdings nicht bei: Butzke bekommt für diesen speziellen Service keine Vergütung. Die Deutsche Bank wiederum ist bei einer anderen Maßnahme involviert, die Fredriksen gegen Frenzels Widerstand schon durchgesetzt hat: Den Verkauf der Hapag Lloyd. Gemeinsam mit der Citigroup und Greenhill ist Deutschlands größte Bank als Berater beauftragt. Externe Juristische Berater allerdings gibt es für die anstehende Transaktion noch nicht. Fest steht nur, dass sich Tui-Rechtsabteilungsleiters Göhmann mit dem Hapag Lloyd-Verkauf in den kommenden Wochen auseinander setzen muss.

Das Gleiche gilt für die Nachbereitung der HV. Denn auch wenn Fredriksen mit seinem Versuch, Krumnow zu stürzen, gegen eine Aktionärsmehrheit von 57,2 Prozent letztlich knapp scheiterte, bleibt für Göhmann viel zu tun. Diverse Widersprüche und offene Fragen aus der HV wurden zu Protokoll des Hannoveraner Notars Dr. Ulrich Haupt gegeben. Haupt ist Partner von Göhmann Rechtsanwälte – Namensgeber der Kanzlei ist übrigens der Bruder des Tui-Inhouse-Juristen. Zumindest für seine bisherige Arbeit lobte ein beteiligter Anwälte das Inhouse-Team: „Göhmann und Beger bieten eine gute Mischung aus juristischer Qualität und kommerziellem Gespür“. Zur Abwehr von Fredriksen jedenfalls hat es gereicht. (Tanja Podolski)

Berater Tui
Inhouse (Hannover) : Andreas Göhmann, Marcus Beger
Deutsche Bank (Frankfurt) : Volker Butzke – taktischer HV-Berater
Gleiss Lutz (Frankfurt) : Dr. Detlef Bauer; Dr. Hoimar von Ditfurth; Associate: Dr. Thomas Richter (Vorbereitung
und Durchführung HV)
Wilmer Hale (Berlin) : Dr. Roland Steinmeyer (Einberufung der HV)
Allen & Overy (Frankfurt) : Dr. Oliver Seiler (Kapitalmaßnahmen)

Notar
Göhmann Rechtsanwälte (Hannover) : Dr. Ulrich Haupt (Notar), Assistenz: Axel Müller-Eising

Berater Fredriksen
Linklaters (Düsseldorf) : Dr. Ralph Wollburg; Associates: Dr. Tim Johannsen-Roth, Dr. Lars-Gerrit Lüssmann

Berater Aktionär Richard Meyer
Meilicke Hoffmann (Bonn) : Dr. Thomas Heidel

Berater Aktionär Severstal/S-Gruppe
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf) : Dr. Christoph Nawroth, Dr. Eberhard Seydel; Associate: Dr. Markus
Spephanblome

Berater weitere Aktionäre
@Simmons & Simmons (Düsseldorf): Dr. Ulrich Brauer

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