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29.10.2008

Rettungspaket für Hypo Real Estate

Die Bundesregierung und diverse Banken haben Anfang Oktober für den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ein Rettungspaket in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Euro geschnürt und das Unternehmen damit vor einem möglichen Zusammenbruch bewahrt. Ein erstes Paket in Höhe von 35 Milliarden Euro war wenige Tage zuvor kurzfristig geplatzt, nachdem sich die Liquiditätsprobleme des Unternehmens ausgeweitet hatten. Die Kreditwirtschaft erklärte sich daraufhin bereit, der wankenden Immobilienbank einen weiteren, besicherten Kredit über 15 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Ansonsten ähnelt das neue Paket dem zuvor gescheiterten Plan in wesentlichen Zügen. Der Bund stellt kurzfristig einen Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro zur Verfügung.

Das Risiko wird dabei in einem Stufenplan zwischen Bund und privaten Geldgebern aufgeteilt. Dieser hängt davon ab, wie hoch die von dem Dax-Unternehmen in Anspruch genommenen Garantien sind. Bei bis zu einer Gesamthöhe von 14 Milliarden Euro tragen die im Bundesverband deutscher Banken (BdB) organisierten privaten Instituten 60 Prozent und der Bund 40 Prozent der möglichen finanziellen Belastungen. Darüber hinaus trägt der Bund alleine das Risiko. An dem Bürgschaftsrahmen beteiligt sind aus dem Finanzsektor private Banken und Versicherer unter Führung der Deutschen Bank. Daneben gewähren auch Sparkassen, Landesbanken, genossenschaftliche Institute sowie Förderbanken, etwa die staatliche KfW, finanzielle Hilfe.

Für die Sonderliquiditätshilfe erhalten die Kreditgeber Sicherheiten von der HRE Holding. Diese stammen aus einer eigens für die HRE gegründeten Zweckgesellschaft. In dieser Zweckgesellschaft werden Vermögensteile der HRE und der ins Schlingern geratenen Tochter Deutsche Pfandbriefbank (Depfa) gebündelt. Weil die Europäische Zentralbank dies akzeptiert, konnten die Banken ihren Kreditrahmen erweitern.
Mit der HRE ist erstmals ein Dax-Konzern tief in den Strudel der Finanzkrise gezogen worden.

Das Unternehmen war in Geldnöte geraten, weil ihr Tochterunternehmen Depfa einen milliardenschweren Refinanzierungsbedarf nicht mehr decken konnte. Georg Funke, Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate, trat ebenso wie das Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen zurück. Insbesondere an Funke war harsche Kritik geübt worden. So warf etwa Bundeswirtschaftsminister Peer Steinbrück dem HRE-Chef vor, dass er nicht ausreichend über die tatsächliche finanzielle Sitiuation des Unternehmens informiert hätte. Der Aufsichtsrat des Unternehmens leitete rechtliche Untersuchungen ein, die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellte Strafanzeige.

Im Zuge der ins Schlingern geratenen Hypo Real Estate verschärfte sich auch die Krise der gesamten deutschen Finanzbranche. Um diese zu entschärfen, brachte der Staat ein rund 500 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für die gesamte deutsche Bankenwirtschaft auf den Weg. Das Gesamtvolumen des Rettungspaketes entspricht nahezu den gesamten deutschen Steuereinnahmen eines Jahres. (Lars Hering)

Berater Hypo Real Estate
Shearman & Sterling (Düsseldorf): Georg Thoma, Dr. Alfred Kossmann, Dr. Hans Diekmann (alle M&A), Winfried Carli (Bank-/Finanzrecht; München)
Linklaters (Frankfurt): Dr. Eva Reudelhuber (Federführung; Bankrecht), Dr. Laurenz Uhl (Kapitalmarktrecht), Andreas Steck (Bankaufsichtsrecht), Dr. Wolfgang Krauel, Dr. Stephan Morsch (beide Corporate/M&A; München); Associates: Dr. Thomas Prüm, Jens Plonka (beide Kapitalmarktrecht), Steffen Schellschmidt (Bankrecht)
Sernetz Schäfer : Dr. Wolf-Dieter von Gronau (Gesellschaftsrecht), Dr. Helge Großerichter (Bankrecht; beide München), Prof. Dr. Frank Schäfer (Bank- und Kapitalmarktrecht/Bankaufsichtsrecht; Düsseldorf); Associate: Dr. Andreas Höder (Gesellschaftsrecht; München)
Inhouse (München): Dr. Heiner Bendfeld (Leiter Recht HRE Holding), Dr. Peter Schad (Leiter Recht HRE Bank), Harald Pospischil (HRE Holding)

Berater Aufsichtsrat Hypo Real Estate
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Peter Nussbaum (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Ulrike Friese-Dormann (Gesellschaftsrecht)

Berater Bankenkonsortium
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Burkhardt Meister (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Stefan Krauss (Strukturierte Finanzierung; Frankfurt)
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Marc Benzler (Federführung), Dr. Michael Weller, Alexandra Hagelüken
Inhouse (Deutsche Bank; Frankfurt): Arne Wittig, Claudia Lange
Norton Rose : Tomas Gärdfors (Federführung; Banking; Frankfurt), Dr. Ralf Springer (Banking; München), Richard Calnan (Banking; London), Frank Herring (Regulierung; Frankfurt), Dr. Alexander von Bergwelt (Corporate Finance; München), Dr. Rüdiger Litten (Kapitalmarkt, Frankfurt), Dr. Nico Abel (Corporate Restructuring; Frankfurt), Laurence Garside (International Securities; London), Michael Jürgen Werner (EU/Beihilferecht; Brüssel); Associates: Carl Werner, Philipp Vorbeck, Joana Loureiro (Frankfurt), Christian Bauer, Timo Noftz (München; alle Banking), Maren Stölting (Corporate Finance; München), Matthias Bell (Kapitalmarkt; Frankfurt), Lars Jessen, Marlene Martin (beide Corporate Restructuring; beide Frankfurt), Rita Papadopoulou (International Securitie; London), Dr. Caspar Ebrecht, Marian Raluca (beide EU/Beihilferecht, beide Brüssel) – für eine der Banken

Berater Bundesverband deutscher Banken
@Latham & Watkins (Frankfurt): Rudolf Haas, Dr. Hans-Jürgen Lütt, (beide Gesellschafts-/Kapitalmarktrecht), Dr. Uwe Eyles (Bank-/Bankaufsichtsrecht; alle Federführung), Volker Schäfer (Bank-/Bankaufsichtsrecht), Dr. Christina Ungeheuer, Dr. Philipp von Randow (beide Finanzrecht), Dr. Andreas Weitbrecht (Kartellrecht; Brüssel); Associates: Dr. Georg Weidenbach (Kartellrecht), Dr. Markus Krüger, Thomas Kunze (beide Gesellschaftsrecht), Daniel Ehret, Torsten Wehrhahn (beide Finanzrecht), Andreas Tanzhaus, Stefan Wirsch (beide Bank-/Bankaufsichtsrecht)
Inhouse (Berlin): Dr. Ahrend Weber

Berater Bundesfinanzministerium
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Gunnar Schuster – aus dem Markt bekannt

Shearman ist ein gewohnter Begleiter der Hypo Real Estate. Die US-Kanzlei begleitete den Immobilienfinanzierer unter anderem bereits bei der Milliarden-Finanzierung des Erwerbs der Deutsche Grundbesitz AG durch Pirelli. Und auch bei der Neuordnung ihres Immobilienfinanzierungsgeschäfts vor zwei Jahren griff die Rechtsabteilung der Bank auf Shearman zurück.

Die 5,7 Milliarden Euro schwere Übernahme der Depfa hatte im vergangenen Jahr neben Shearman auch Freshfields begleitet. Freshfields zeichnete für M&A-Beratung verantwortlich, während Shearman – parallel zur M&A-Beratung auf Seiten von Depfa – hinter Chinese Walls ebenfalls für die HRE arbeitete. Die US-Kanzlei beriet zu den Finanzierungsmaßnahmen sowie schließlich auch kartellrechtlich.

Freshfields hatte HRE zudem bereits 2006 bei der 3,5 Milliarden Euro schweren Übernahme des europäischen Immobilienfinanzierungsgeschäfts der AHBR zur Seite gestanden. Aber auch Hengeler Mueller war schon für die HRE tätig, zuletzt etwa Mitte 2007 beim Verkauf eines Kreditportfolios im Volumen von 4,3 Milliarden Euro an die ING Diba.

Bei der aktuellen Rettungsaktion berät Shearman die Holding-Ebene der HRE, Sernetz Schäfer betreut die operativ tätigen Gesellschaften Hypo Real Estate Bank AG und Hypo Real Estate International AG. Linklaters strukturiert die Transaktion. Sernetz Schäfer vertritt die HRE-Gruppe schon seit längerem vor allem in Prozessen und betreute die Bank auch wiederholt bei Finanzierungstransaktionen.

Clifford war schon häufig für die KfW tätig. Die Sozietät begleitet die Förderbank schon seit langem, so unter anderem im Hinblick auf ihr Verbriefungsvehikel Rhineland. Aber auch beim kürzlichen Verkauf der IKB, bei der die KfW größter Anteilseigner war, begleitete Clifford die Bank. Latham-Partner Eyles betreut den Bundesverband deutscher Banken schon seit Jahren umfangreich. Die Zuspitzung der Lage brachte auch Milbank an der Seite des Aufsichtsrats ins Mandat. Bislang war die Kanzlei nicht für die Bank in Erscheinung getreten.

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