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18.06.2009

Hilfe aus Katar: Shearman begleitet Staatsfonds bei möglichem Porsche-Einstieg

Das Emirat Katar will sich am Stuttgarter Automobilhersteller Porsche beteiligen. Im Wege einer möglichen Kapitalerhöhung ist der Erwerb von mindestens 25 Prozent plus einer Aktie an der Porsche SE geplant. Dafür soll das Emirat über seinen Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) über zwei Milliarden Euro in Porsche investieren.Nach Medienberichten war die Due Diligence am vergangenen Wochenende abgeschlossen worden und die Verhandlungen zwischen QIA und Porsche, deren Stammaktien sich zu 100 Prozent in den Händen der Porsche- und Piëch-Familien befinden, in die entscheidende Phase getreten. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking war bereits seit längerem auf der Suche nach einem neuen Ankerinvestor für den hoch verschuldeten Autobauer. Nach der Unternehmensstrategie ist eine Kapitalerhöhung zwischen 4,5 bis 5 Milliarden Euro geplant. Neben der Investition des Emirats sollen die Familien den Rest beisteuern. Diese notwendige Kapitalerhöhung muss jedoch erst vom Aufsichtsrat von Porsche genehmigt werden.

Mit dem angestrebten Anteilserwerb würde sich QIA die Sperrminorität und damit erhebliche Mitspracherechte bei Porsche sichern. Obgleich es zunächst nach einer schnellen Einigung aussah, tobt nun laut Presseberichten ein Machtkampf innerhalb des Familienclans. So wird dem VW-Aufsichtsratchef Ferdinand Piëch nachgesagt, sich massiv gegen die drohende fremde Mitsprache zu stemmen und andere Anteilseigner auf seine Seite ziehen zu wollen. Ihm verbleiben dafür knapp zwei Wochen Zeit. So lange will das Emirat laut einer Aussage von Katars Ministerpräsident Hamad bin Dschassem al-Thani auf eine Entscheidung von Porsche warten.

Der Sportwagenhersteller steckt derzeit in seiner tiefsten Unternehmenskrise. Ursprünglich hatte er den Aufbau eines neuen europäischen Großkonzerns einschließlich der Übernahme des Wettbewerbers VW geplant, an dem Porsche seit Anfang dieses Jahres mit über 50 Prozent Mehrheitseigner ist. Auf weitere 20 Prozent bestehen Zugriffsoptionen. Jedoch musste Porsche die Übernahme aufgrund von Finanzierungsproblemen bei Bankkrediten aufgeben. So haben die Stuttgarter über 9 Milliarden Euro Schulden angehäuft, zeitgleich sollen die weltweiten Verkaufszahlen ihrer Sportwagen um bis zu 30 Prozent zurückgegangen sein. Unabhängig davon hat das Unternehmen bei der staatseigenen KfW-Bank unlängst einen Kredit über 1,75 Milliarden Euro beantragt. (Marcus Jung)

Berater Qatar Investment Authority
SHEARMAN & STERLING (Frankfurt): Dr. Roger Kiem – aus dem Markt bekannt

Berater Porsche
FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER (Frankfurt): Dr. Christoph von Bülow, Dr. Thomas Bücker – aus dem Markt bekannt

Shearman begleitet erneut den Einstieg eines arabischen Investors bei einem deutschen Autobauer: Erst in diesem Frühjahr steuerte der Düsseldorfer Partner Georg Thoma eine Zwei-Milliarden-Investition bei Daimler für den Staatsfonds von Abu Dhabi International Petroleum Investment Company (IPIC), dessen Global Counsel die US-Kanzlei ist. Shearman ist bereits seit 1975 mit einem eigenem Büro in Abu Dhabi und damit wesentlich länger als viele internationale Kanzleien in dem Wachstumsmarkt am Golf präsent ist. Ihre Anwälte konnten diese Zeit nutzen, um nachhaltige Beziehungen zu den Herrscherdynastien und zu Staatsfonds zu entwickeln. So betreut sie etwa die staatseigene Qatar Petroleum von Abu Dhabi aus. QIA wurde dagegen in der Vergangenheit oft von Latham & Watkins beraten.

Freshfields auf der Seite der Porsche SE zu sehen, ist wenig überraschend. Die Kanzlei begleitet eng die jüngere Unternehmengeschichte des Automobilherstellers. Seit 2005 arbeitet sie für Porsche, wobei ihre Finanzrechtler Pionierarbeit für die Ausweitung des Mandats leisteten. Denn erst mit der Mandatierung, als Porsche seinen Anteil bei VW über die Sperrminorität hinaus aufstockte, kam der Durchbruch in der gesellschaftsrechtlichen Beratung. Auch damals kam dem Frankfurter Partner Bücker eine maßgebliche Rolle zu. Zusammen mit von Bülow beriet er später auch bei der Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft Societas Europaea (SE). Als letztes Glied dieser Kette von Mandatierungen folgte schließlich die Mehrheitsübernahme von VW-Anteilen auf über 50 Prozent und das Pflichtangebot für die schwedische Scania in Höhe von 2,8 Milliarden Euro.

Bis zum Redaktionschluss war nicht klar, ob sich die einzelnen Familienstämme neben der Porsche SE noch durch weitere Kanzleien separat beraten ließen. So war es im vergangenem Jahr bespielweise Hengeler Mueller gelungen, neben Freshfields bei der Aufstockung der VW-Anteile tätig zu werden.

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