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14.08.2009

Finanzspritze: Hapag-Lloyd-Konsorten einigen sich mit Hilfe von Freshfields und Rittstieg

Die Gesellschafter der Hamburger Hapag Lloyd AG haben sich Mitte August über die finanzielle Stützung der fünfgrößten Reederei der Welt geeinigt. Vorausgegangen war ein wochenlanges Tauziehen innerhalb des sogenannten Hamburger Konsortiums Albert Ballin, dem mit insgesamt 57 Prozent größten Anteilseigner der Reederei (vor Tui). Vor allem der mit 15 Prozent an Hapag Lloyd beteiligte Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne sperrte sich offenbar lange gegen seine Beteiligung an einer Kapitalerhöhung. Auf diese haben sich die Gesellschafter, darunter neben Kühne die Beteiligungsgesellschaft der Stadt Hamburg (HGV) mit 23 Prozent, die Bank M.M. Warburg, die HSH Nordbank sowie die Versicherer Signal Iduna und HanseMerkur, letztlich doch geeinigt.

Vorgesehen ist eine Barkapitalerhöhung proportional zu den Anteilsverhältnissen sowie eine Wandlung von bereits bestehenden Kreditlinien in Eigenkapital beziehungsweise Hybrid-Strukturen, teilte TUI mit. An diesem Punkt hat sich offenbar Kühne durchgesetzt, der zuvor in der Presse TUI aufgefordert hatte, „auf einen Teil seiner Darlehen zu verzichten oder sie in nicht vollwertiges Hapag-Lloyd-Eigenkapital umzuwandeln.“

Das Kapital der Reederei wird nun um rund 750 Millionen Euro erhöht werden. Dies galt als Voraussetzung für den Erhalt von Staatsbürgschaften in Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Die Kredite sollen von einer Gruppe von zehn bis zwölf Banken bereitgestellt werden, angeführt von der HSH Nordbank, der HypoVereinsbank, der staatliche KfW-Bank und der Commerzbank.

Die Einigung steht unter Vorbehalt der Zustimmung der jeweiligen Aufsichtsgremien. (Jörn Poppelbaum, Christine Albert)

Berater Konsortium Albert Ballin bzw. die Mehrheit der Gesellschafter
FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER (Hamburg): Dr. Marius Berenbrok (Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Lars Westpfahl (Restrukturierung), Jochen Ellrott (Gesellschaftsrecht), Dr. Christian Ruoff (Steuerrecht); Associates: Nis Carstens, Rachid Wiersch, Riaz Janjuah (alle Gesellschaftsrecht), Alexander Schwahn (Steuerrecht)

Berater TUI
HENGELER MUELLER (München): Dr. Daniel Wiegand (Gesellschaftsrecht), Dr. Hans-Jörg Ziegenhain (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Daniel Kress (Restrukturierung/Finanzierung; Frankfurt); Associates: Markus Böhler (Frankfurt), Daniel Halmer

Berater Klaus-Michael Kühne
RITTSTIEG (Hamburg): Dr. Andreas Rittstieg – aus dem Markt bekannt

Berater M.M. Warburg
INHOUSE (Hamburg): Dr. Christoph Greiner (Rechtsabteilung; zugleich Geschäftsführer von Albert Ballin), Dr. Bernd Eckardt (Leiter Rechtsabteilung)

Berater Hapag Lloyd
INHOUSE (Hamburg): Thomas Mansfeld (Leiter Rechtsabteilung)

Berater finanzierende Banken
Nicht bekannt

Den Mehrheitserwerb von Hapag Lloyd durch das Hamburger Konsortium hatte vor einigen Monaten noch Latham & Watkins begleitet (mehr…). Dass Latham nun von Freshfields als Hauptberaterin des Konsortiums abgelöst wurde, erklären Beteiligte unter anderem mit der größeren Einflussnahme durch die Stadt Hamburg. Diese hatte als Anteilseignerin bereits 556 Millionen Euro investiert. Im Rahmen der Staatsbürgschaft kann nun nochmals eine Haftungssumme von bis zu 460 Millionen Euro auf die Hansestadt zukommen. Die Beteiligungsgesellschaft der Stadt HGV vertraut schon seit langem auf Freshfields.

Mit Andreas Rittstieg hat Kühne für die Auseinandersetzung innerhalb des Konsortiums einen der renommiertesten Anwälte der Hansestadt beauftragt. Als eine von Rittstiegs Spezialitäten gilt die Vertretung vermögender Einzelinvestoren.

Die anderen Berater in der jetzigen Transaktion sind dieselben wie beim Einstieg von Albert Ballin bei Hapag Lloyd.

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