Artikel drucken
15.12.2009

Österreich: BayernLB stößt HGAA mit Freshfields-Hilfe ab

Die österreichische Tochter der BayernLB, die Hypo Group Alpe Adria (HGAA), wird verstaatlicht. Darauf einigten sich die bisherigen Eigner mit dem Finanzministerium in Wien.

Plesser_Willibald
Willibald Plesser

Die kurz vor der Insolvenz stehende sechstgrößte Bank Österreichs gehört bislang zu 67 Prozent der Bayerischen Landesbank (BayernLB) sowie zu 13 Prozent dem Land Kärnten und 20 Prozent dem Versicherer Grazer Wechselseitige (Grawe). Die Alteigentümer geben ihre Anteile jeweils für einen symbolischen Preis von einem Euro an die Bundesrepublik Österreich ab. Zugleich beteiligen sie sich an der Rettung der Bank. So schießt die Grawe 30 Millionen Euro zu, die BayernLB verzichtet auf Forderungen in Höhe von 825 Millionen Euro. Vom Land Kärnten kommen 200 Millionen Euro.

Für die ohnehin finanziell angeschlagene BayernLB ist das Investment in die HGAA ein zusätzliches finanzielles Fiasko. Sie hatte für ihre Anteile einst rund 2,4 Milliarden Euro gezahlt, die sie nun abschreiben muss. Die Landesbank hätte sich wahrscheinlich auch ohne die aktuelle Schieflage der HGAA von dem Institut trennen müssen, um die benötigten milliardenschweren EU-Beihilfen zu erhalten. Mit der jetzigen Einigung kauft sich die BayernLB von weiteren Verpflichtungen für die HGAA frei.

Für den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Michael Kemmer gab es allerdings kein Freikaufen mehr: Er trat zurück. (Ulrike Barth, Astrid Jatzkowski)

Berater Finanzministerium Österreich
Inhouse (Finanzprokuratur; Wien): Nicht bekannt

Berater BayernLB
Freshfields Bruckhaus Deringer
(Wien): Dr. Willibald Plesser, Friedrich Jergitsch, Dr. Andreas von Bonin (Beihilferecht; Brüssel); Associates: Dr. Farid Sigari-Majd, Dr. Katharina Zechner (beide Unternehmensrecht), Dr. Stephan Pachinger, Dr. Florian Klimscha, Christine Siegl, Florian Knotzer (alle Bank- und Finanzrecht), Fabian Kaisen (Beihilferecht; Brüssel), Dr. Boris Kasolowsky, Dr. Daniel Schnabl (beide Konfliktlösung; Frankfurt), Silke Beiter (Unternehmensrecht; München)

Inhouse (München): Nicht bekannt

Berater Land Kärnten
Nicht bekannt

Berater Grawe
Inhouse (Graz): Wolfgang Goschnik (Leiter Recht) – aus dem Markt bekannt

Berater HGAA
Wolf Theiss (Wien): Markus Heidinger (Kapitalmarktrecht), Judith Szabo; Associates: Astrid Hartmann, Felix Prechtl
Kosch & Partner (Wien): Dr. Gerhard Schlicher, Dr. Michael Lentsch – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Freshfields stand der angeschlagenen bayrischen Landesbank auch schon zur Seite, als das Unternehmen mit einem dreiteiligen Rettungspaket finanziell gestützt wurde (mehr…). Seinerzeit beriet Linklaters den Freistaat.

Beim Erwerb der HGAA im Jahr 2007 hatte die Rechtsabteilung der Bank, die inzwischen nach Marktinformationen mit Dr. Franz Köglmeier auch dauerhaft einen neuen Leiter hat, mit der österreichischen Kanzlei Dorda Brugger Jordis zusammengearbeitet (mehr…). Kärnten wurde seinerzeit von BKQ Quendler Klaus & Partner aus Klagenfurt beraten. Die Kanzlei ist inzwischen zerfallen. Soweit bekannt, wurde Kärnten nun nicht extern beraten.

Die Finanzprokuratur ist eine österreichische Besonderheit: Als Organ des Bundes ist sie Anwalt und Berater der Republik Österreich. Organisatorisch gehört sie zum Finanzministerium.

Wolf Theiss gehört zu den führenden Kanzleien Österreichs, wohingegen Kosch & Partner vor allem im Sanierungsbereich ein Begriff ist.

  • Teilen