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28.01.2010

Beteiligung mit Aroma: Clifford begleitet KKR bei Wild-Investment

Der US-Finanzinvestor KKR ist beim süddeutschen Getränke- und Aromenhersteller Rudolf Wild GmbH & Co. KG eingestiegen. Rückwirkend zum Jahresbeginn erwarben die Amerikaner eine Minderheit von 35 Prozent an dem Familienunternehmen.

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Christopher Kellett

Allerdings beteiligte sich KKR nicht an den deutschen SiSi-Werken mit dem dazugehörigen bekannten Markenartikel ‚Capri-Sonne‘, sondern ausschließlich am Geschäftsbereich Aromen und Grundstoffe einschließlich Tochtergesellschaften in elf europäischen Ländern. Komplett in den Händen von Wild bleiben damit ebenfalls die Tochter Indag, die Sirupmaschinen herstellt, sowie das Fruchtzubereitungsgeschäft in Deutschland, Frankreich und Polen. Auch die Geschäftsführung bleibt unverändert in Familienhand.

Unternehmenschef Hans-Peter Wild will seinem Konzern mit 2.500 Mitarbeitern durch den Einstieg von KKR einen besseren Zugang zu den Kapitalmärkten verschaffen und den Ausbau des internationalen Geschäfts beschleunigen. In den kommenden Jahren soll ihm KKR auch dabei helfen, den Aroma-Geschäftsbereich fit für den Börsengang zu machen.

Von der Größe her könnte die Wild-Aromasparte schon heute ein Kandidat für den MDax sein. Wild veröffentlicht zwar keine Zahlen zu Umsatz oder Gewinn, allerdings ist nach Angaben des Unternehmenchefs alleine das Aromen- und Grundstoffgeschäft mit dem des Konkurrenten Symrise vergleichbar. Dessen Jahresumsatz dürfte sich demnach in der Größenordnung von 650 Millionen Euro bewegen. Nach Einschätzung von Beobachtern soll KKR nun mehr als 300 MIllionen Euro gezahlt haben.

KKR bringt das Geld für den Wild-Einstieg vollständig aus Eigenmitteln auf. Auch sind keine spätere Umfinanzierung, Neuverschuldung oder Kapitalerhöhung bei Wild geplant. Die US-Beteiligungsgesellschaft hat lediglich in Fragen zum Börsengang und Kapital ein Mitspracherecht.

Neben dem Einstieg bei Wild hat KKR auch in Großbritannien investiert. Die US-Amerikaner übernahmen den größten dortigen Zoohändler Pets-at-home und zahlten an die britische Beteiligungsgesellschaft Bridgepoint 955 Millionen Pfund. (René Bender)

Berater KKR
Clifford Chance (Frankfurt): Christopher Kellett (Federführung), Markus Muhs, Rose Brounts; Associates: Frederik Mühl (alle Private Equity), Richard Blewitt (Competition; London)

Berater Wild
Freshfields Bruckhaus Deringer
(Köln): Dr. Ludwig Leyendecker, Dr. Hartmut Nitschke (beide Federführung; beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Stephan Eilers (Steuerrecht), Dr. Jan-Holger Arndt (Bank- und Finanzrecht; Düsseldorf); Associates: Dr. Thomas Keß, Franziska Bühring (beide Steuerrecht), Dr. Thomas Derlin, Julia Kominek, Dr. Frederic Mirza Khanian (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Jan-Patrick Bost (Bank- und Finanzrecht; Düsseldorf)
Wagner (Mannheim): Dr. Achim Wagner (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Eppelheim): Jan-Michael Clauss (Rechtsabteilung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: An der Seite von KKR standen bei Großtransaktionen in den vergangenen Jahren verschiedene Kanzleien. Zunächst betreuten insbesondere Clifford und Hengeler Mueller die deutschen Transaktionen des US-Investors. Christopher Kellett unterhält dabei schon langjährige Beziehungen zu dem Investor und betreute ihn schon 2004 beim Kauf der Autowerkstattkette Auto-Teile-Unger (mehr…). Im gleichen Jahr beriet ein Team der Kanzlei um die Partner Dr. Arndt Stengel und Mario Schmidt (heute Willkie Farr & Gallagher) auch den Kauf des Triebwerksherstellers MTU (mehr…), wenig später zudem die milliardenschwere Übernahme des Chemieunternehmens Dynamit Nobel.

Hengeler begleitete KKR beispielsweise beim Kauf verschiedener Siemens-Tochtergesellschaften in 2002 oder dem Erwerb des Entsorgers Duales System in 2004 (mehr…).

In der jüngeren Vergangenheit trat dann aber immer häufiger Freshfields als KKR-Beraterin in Erscheinung. Die Kanzlei begleitete den Investor insbesondere bei Investitionen im Mediensektor, etwa 2007 bei der Übernahme der ProSiebenSat.1-Gruppe (mehr…) und zuletzt bei einem Musikrechte-Joint-Venture mit dem Bertelsmann-Konzern (mehr…). Doch auch in anderen Segmenten griff KKR häufiger auf Freshfields zurück, etwa 2006 bei der Übernahme der Linde-Gabelstaplersparte Kion gemeinsam mit Goldman Sachs (mehr…). Nachdem die Wahl der Wild-Gruppe nun für die jetzige Transaktion auf Freshfields fiel, schied die Kanzlei allerdings als mögliche KKR-Beraterin aus. Für Wild war Freshfields dem Vernehmen nach erstmalig tätig. Interessant wird insbesondere, wer die Federführung bei dem anvisierten Börsengang der Aromasparte übernehmen wird, Clifford oder Freshfields.

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