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25.03.2010

Osteuropa: Springer kooperiert mit Ringier und setzt auf Milbank

Deutschlands größter Zeitungsverlag, Axel Springer, und der Schweizer Medienkonzern Ringier bündeln ihre Geschäfte in fünf osteuropäischen Ländern in einem gemeinsamen neuen Unternehmen. Mit einem Umsatz von rund 414 Millionen Euro und 4.200 Mitarbeitern entsteht das größte in Osteuropa tätige Medienunternehmen.

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Norbert Rieger

Beide Partner halten daran je 50 Prozent. Sitz der Gesellschaft, die mittelfristig an die Börse gebracht werden soll, ist Zürich.

Die Axel Springer AG mit Sitz in Berlin bringt das Geschäft ihrer Töchter in Polen, Tschechien und Ungarn in das Joint Venture ein, die Züricher Ringier AG ihr Geschäft in Serbien, der Slowakei, in Tschechien und Ungarn. Künftig werden unter dem Dach des neuen Unternehmens mehr als 100 Printtitel und über 70 Onlinedienste produziert.

Axel Springer bringt eine Bareinlage in Höhe von 50 Millionen Euro in das Joint Venture ein, das die Rechtsform einer Schweizer Aktiengesellschaft hat, und leistet eine Ausgleichszahlung in Höhe von 125 Millionen Euro an Ringier. Im Gegenzug darf Axel Springer das Joint Venture vollständig in die eigene Bilanz aufnehmen. Damit steigt der Auslandsanteil am Gesamtumsatz von 21 auf 27 Prozent. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

Axel Springer ist mit über 170 Zeitungen und Zeitschriften, über 80 Online-Angeboten sowie Beteiligungen an TV- und Radiosendern in insgesamt 36 Ländern aktiv. Die über 10.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2009 einen Gesamtumsatz von mehr als 2,6 Milliarden Euro.

Ringier beschäftigt 8.000 Mitarbeiter in zehn Ländern und produziert Zeitungen, Zeitschriften, Web- und Mobile-Plattformen, TV- und Radioprogramme. In der Schweiz erreichte Ringier in 2008 mit rund 3.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 939 Millionen Schweizer Franken.

Willibald Plesser

Willibald Plesser

Berater Axel Springer
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Norbert Rieger, Dr. Martin Ehrhardt – aus dem Markt bekannt
Homburger (Zürich) – aus dem Markt bekannt

Berater Ringier
Freshfields Bruckhaus Deringer
(Wien): Dr. Willibald Plesser (Federführung; Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Axel Reidlinger, Dr. Frank Röhling (beide Kartellrecht; Berlin); Associates: Dr. Martina Antal-Barnert, Marie Lafite (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Karl Frewein (Kartellrecht; Berlin), Dr. Stefan Pachinger (Bank- und Finanz-/Kapitalmarktrecht)
Nobel & Hug
(Zürich): Dr. Christoph Peter (Corporate)
Wardyński i Wspólnicy
(Posen): Izabela Zielinska (polnisches Recht)
Vejmelka & Wünsch
(Prag): Martin Peckl (tschechisches Recht)
Oppenheim (Budapest): Ivan Bartal (ungarisches Recht)

Hintergrund: Dass Milbank an der Seite von Axel Springer auftaucht, ist eine Überraschung. Die internationale Sozietät ist, soweit bekannt, bei Transaktionen noch nicht für das Medienunternehmen aufgetreten. Milbank-Partner Rieger war jedoch unter anderem auf der Gegenseite, als Milbank ihre langjährige Mandantin ProSiebenSat.1 bei der versuchten Übernahme durch die Axel Springer-Gruppe in 2005 begleitete.

Damals hatte der Axel Springer-Konzern Shearman & Sterling mandatiert (mehr…). Insbesondere Shearman-Partner Rainer Wilke zählte bislang zu den Stammberatern des Zeitungshauses. Er beriet Springer zuletzt im Frühjahr 2010 beim Verkauf des Geschäftsbereichs „Solutions“ der Stepstone ASA Oslo, einer Tochter der verlagseigenen Online-Jobbörse Stepstone, sowie Ende 2009 bei einem Zukauf in der Türkei. Und auch bei der 25-prozentigen Beteiligung an Dogan TV war Wilke 2007 für das Medienhaus tätig (mehr…). Zudem beriet die Kanzlei 2007 bei der Übernahme der Mehrheit am Postdienstleister PIN (mehr…).

Interessant ist auch die Rolle von Freshfields: Obwohl die Transaktion keinen österreichischen Bezug hat, steuerte Partner Plesser den Deal. Die Anwälte des Wiener Büros fungieren insbesondere bei Projekten mit Osteuropa-Bezug regelmäßig als Deal-Counsel. Ringier zählt dabei zu den langjährigen Mandanten von Freshfields, die Kanzlei hat den Schweizer Verlag bereits beim Erwerb der Verlage in Osteuropa beraten und begleitet regelmäßig die internationalen Aktivitäten des Unternehmens. (Geertje Oldermann)

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