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22.03.2010

Eisbrecher-IPO: Freshfields und Hengeler ebnen Kabel Deutschland Weg an die Börse

Der größte Börsengang seit mehr als zwei Jahren ist perfekt. Mit einem Emissionsvolumen von rund 760 Millionen Euro startete Kabel Deutschland (KDG) am 22. März an der Frankfurter Börse.

Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber hatte rund 34,5 Millionen Aktien angeboten, der Ausgabepreis lag mit 22 Euro am unteren Ende der Preisspanne von 21,50 bis 25,50 Euro. Ein Konsortium aus der Deutschen Bank, Morgan Stanley sowie J.P. Morgan und der UBS begleitete die Emission. Der Erlös fließt vollständig dem Investor Providence zu, dem 88 Prozent der Anteile an Kabel Deutschland gehören.

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Rick van Aerssen


Die Münchner KDG versorgt neun Millionen Haushalte in 13 Bundesländern mit Fernsehen, Telefon und Internetdiensten und peilt im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von etwa 650 Millionen Euro an. Kabel Deutschland könnte den Weg ebnen für eine ganze Reihe weiterer Unternehmen, die an die Börse streben. In den Startlöchern stehen auch das Modeunternehmen Tom Tailor der Chemiedistributeur Brenntag und der chinesische Armaturenhersteller Joyou.

Seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 lag der IPO-Markt praktisch brach. Im vergangenen Jahr schaffte einzig der chinesische Mobilfunkzulieferer Vtion den Sprung an den streng regulierten Prime Standard in Frankfurt und erhielt aus dem IPO knapp 60 Millionen Euro. Mehr als Kabel Deutschland hatte zuletzt der Hamburger Hafenbetreiber HHLA im November 2007 mit einem Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Euro erlöst.

Über den Börsengang von KDG gab es bis zuletzt Zweifel, unabhängig von der noch immer schwierigen Gesamtkonjunktur. Lange stand auch ein Verkauf des Unternehmens im Raum. Mehrere Finanzinvestoren hatten Interesse, darunter die US-Häuser Bain Capital, Carlyle und Advent sowie die britische BC Partners, die zusammen mit CVC geboten hatte. Allerdings scheiterte ein Verkauf schließlich an den Preisvorstellungen von Providence. (René Bender)

Berater Kabel Deutschland
Freshfields Bruckhaus Deringer: Rick van Aerssen (Frankfurt/München), Dr. Ferdinand Fromholzer (München, beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Adalbert Rödding (Steuerrecht), Klaus Beucher (Geistiges Eigentum/IT; beide Köln), Dr. Thomas Müller-Bonanni (Arbeitsrecht; Düsseldorf), Mark Strauch; Associates: René Peres (beide Frankfurt), Dr. Moritz Voges, Silke Beiter, Christiane Fabel, Dr. Heiner Feldhaus (alle München; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Franziska Bühring (Steuerrecht), Florian Kockentiedt (Geistiges Eigentum/IT; beide Köln), Dr. Alice Nieroba (Arbeitsrecht; Düsseldorf)
Inhouse (Unterföhring): Dr. Christoph Clément (General Counsel) – aus dem Markt bekannt

Berater Providence
Debevoise & Plimpton: Geoffrey Burgess (London), Peter Schuur (New York)

Berater Banken
Hengeler Mueller: Dr. Torsten Busch (Federführung; Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Prof. Dr. Wolfgang Spoerr (Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Achim Herfs (Gesellschaftsrecht; München); Associates Dr. Simon Link (Frankfurt), Fabian Seip, Dr. Nicole Hasselmann (beide Berlin)
Cravath Svaine & Moore: Philip Boeckman (New York ) – aus dem Markt bekannt
Inhouse
(Deutsche Bank; Frankfurt): Dr. Andreas Meyer, Frank Peter – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Morgan Stanley; Frankfurt): Dr. Christoph Wolf – aus dem Markt bekannt
Inhouse (J.P. Morgan; London): Stephanie Wells – aus dem Markt bekannt
Inhouse (UBS; Frankfurt): Michael Leppert, Eyke Grüning

Hintergrund: Die Beraterkanzleien bei der ersten großen Prestigetransaktion am IPO-Markt nach langer Durststrecke überraschen nicht. Freshfields verfügt seit Jahren über eine hervorragende Mandatsbeziehung zur KDG-Hauptgesellschafterin Providence und war für den Investor auch schon vor knapp sieben Jahren bei der Übernahme des Münchner Unternehmens von der Deutschen Telekom tätig (mehr…).

Auch die Banken wählten mit Hengeler eine Sozietät, die das Unternehmen aus dem Effeff kennt. Denn Kabel Deutschland selbst ist seit Jahren Dauermandantin von Hengeler. So beriet die Kanzlei das Unternehmen beispielsweise Ende 2007 bei der Übernahme von Netzen der Orion-Töchter Ewt und Tele Columbus (mehr…)

Für die Beratung hinsichtlich eines möglichen Verkaufs von Kabel Deutschland soll dem Vernehmen nach Weil Gotshal & Manges mandatiert gewesen sein. Über die Berater der Bieter ist bislang nichts Näheres bekannt.


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