Artikel drucken
27.04.2010

Weiter auf Einkaufstour: Triton greift mit Heymann nach Karstadt

Das deutsch-skandinavische Private-Equity-Haus Triton will die 120 Standorte des insolventen Kaufhauskonzerns Karstadt übernehmen und bietet dafür Medienberichten zufolge 30 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen Euro will Triton in die Warenhauskette investieren. Der Finanzinvestor ist bislang der einzige Bieter, der die Karstadt-Warenhäuser in ihrer bisherigen Form als Ganzes weiterführen will.

Heymann_Thomas

Thomas Heymann

Allerdings verlangt Triton den Abbau von 4.000 der bisher 26.000 Stellen und die Flexibilisierung von Lohntarifen und Mieten. Über die Annahme des Gebots soll der Gläubigerausschuss entscheiden, dem außer Vertretern der Arbeitnehmer auch die Eigentümer der Kaufhausimmobilien angehören. Anderenfalls droht die Abwicklung des Konzerns.

Karstadt hatte den Großteil seiner Warenhäuser 2007 für 4,3 Milliarden Euro an das Konsortium Highstreet verkauft, an dem etwa zur Hälfte der Goldman Sachs-Fonds Whitehall sowie zu geringeren Anteilen Generali, Deutsche Bank/RREEF, Pirelli Real Estate und der italienische Kaufhausbetreiber Borletti beteiligt sind. Die seitdem anfallenden Mieten hatten nach Meinung von Beobachtern maßgeblich zur Karstadt-Pleite beigetragen. In den Verhandlungen mit Insolvenzverwalter Görg hatte sich Highstreet aber bereit erklärt, auf einen Teil ihrer Mietforderungen zu verzichten.

Auch die Belegschaft war Karstadt entgegengekommen: Der Sanierungstarifvertrag bedeutete für die Angestellten über drei Jahre hinweg Einbußen von insgesamt 150 Millionen Euro. Neuesten Medienberichten zufolge will Verdi einer Übernahme nicht zustimmen, wenn Triton auf Arbeitsplatzabbau im genannten Umfang beharrt.

Käme das PE-Haus nun zum Zug, stünde auch eine Neuverhandlung der Mietverträge an. Alternativ erwägen die Mitglieder des Highstreet-Konsortiums daher, den Kaufhauskonzern selbst zu übernehmen. In dieser Richtung hatte sich Goldman Sachs bereits vor Ablauf der Angebotsfrist geäußert. In welchem Umfang Highstreet das operative Geschäft weiterbetreiben würde, ist bislang unklar. Dem Insolvenzplan zufolge müssen sämtliche Karstadt-Warenhäuser bis Herbst 2011 geöffnet bleiben. (Norbert Parzinger)

Berater Triton
Heymann & Partner
(Frankfurt): Thomas Heymann, Titus Walek (beide M&A/Gesellschaftsrecht), Dr. Sabine Pitroff, Dr. Henning Bloß (beide Immobilien-/Insolvenzrecht), Dr. Katharina Scheja (IP/IT) – aus dem Markt bekannt
Linklaters (Frankfurt): Dr. Jens Blumenberg, Dr. Michael Ehret (beide Steuerrecht) – aus dem Markt bekannt
Luther (Köln): Michael Rinke (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Insolvenzverwalter
Görg (Köln): Dr. Michael Dolfen (M&A), Dr. Roland Hoffmann-Theinert (Gesellschaftsrecht; Berlin) – aus dem Markt bekannt

Berater Highstreet-Konsortium
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Daniel Kress, Dr. Ulrich Blech (beide Restrukturierung/M&A; Berlin), Dr. Christian Hoefs (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Ver.di
Apitzsch
(Frankfurt): Wolfgang Apitzsch (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Heymann trat bei Triton-Akquisitionen in der Vergangenheit kaum in Erscheinung, berät das Private-Equity-Haus dem Vernehmen nach aber regelmäßig zu einigen Aspekten derartiger Deals. In der Vergangenheit hatte Triton bei Transaktionen häufig auf Freshfields Bruckhaus Deringer vertraut, zuletzt beim Kauf des Elektrotechnikherstellers Dunkermotoren.

Daneben mandatierte die Beteiligungsgesellschaft immer wieder auch Baker & McKenzie, etwa beim Verkauf des Regeltechnikherstellers RMG (mehr…). Als das PE-Haus vor kurzem den Autozulieferer Stabilus übernahm (mehr…), stand erstmals auch ein deutsches Ashurst-Team an Tritons Seite. Heymann hatte in dieser Transaktion das Stabilus-Management beraten.

Im Arbeitsrecht setzt die Bieter auf Ex-Karstadt-Personalchef Michael Rinke, der 2005 zunächst als of Counsel zu Luther wechselte (mehr…) und seitdem in die Partnerriege der Kanzlei aufgerückt ist.

Davon abgesehen enthält die Beraterliste kaum Überraschungen. Goldman Sachs-Beraterin Hengeler Mueller vertritt das Highstreet-Konsortium seit der Insolvenz des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor nach außen (mehr…), zuletzt bei der Restrukturierung von Kreditverpflichtungen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro im Februar 2010.

Auch die Dienstleistungsgesellschaft Ver.di setzt in diesem schlagzeilenträchtigen Fall durchgehend auf den Frankfurter Arbeitnehmervertreter Apitzsch, der schon bei den Übernahmeverhandlungen um Opel als Berater des Gesamtbetriebsrats im Rampenlicht stand (mehr…) und anschließend die Gründung einer Mitarbeiter-AG betreute (mehr…).

  • Teilen