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15.07.2010

IPO-Hoffnungsschimmer: Freshfields und Allen & Overy verhelfen Ströer an die Börse

Mit dem Kölner Außenwerbespezialisten Ströer ist heute nach monatelanger Flaute wieder ein Unternehmen am Prime Standard der Frankfurter Börse gestartet. Der Emissionserlös lag einschließlich Mehrzuteilungsoption bei knapp 394 Millionen Euro, damit ist es der bislang drittgrößte Börsenstart im laufenden Jahr.

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Ludwig Leyendecker

Mehr hatten nur Kabel Deutschland und Brenntag mit jeweils rund 700 Millionen Euro kurz vor Ostern erlöst.

Mit Hilfe der beiden Emissionsbanken Morgan Stanley und J.P. Morgan platzierte Ströer 19,8 Millionen Aktien, davon 13,75 Millionen aus einer Kapitalerhöhung, über die das Werbeunternehmen 275 Millionen Euro erlöste. 35,8 Millionen Euro stammen aus der Mehrzuteilungsoption, weitere 83,2 Millionen Euro kommen aus einer Umplatzierung von Aktien zugunsten des Finanzinvestors Cerberus, der sich von gut 4,1 Millionen Papieren trennte.

Cerberus hatte Ströer 2004 beim Kauf der Deutschen Eisenbahn-Reklame finanziell unterstützt und hielt daraus eine Option auf 15 Prozent der Anteile. Die beiden Ströer-Hauptgesellschafter, der Mitgründer Udo Müller und Aufsichtsratsmitglied Dirk Ströer, verkauften dagegen keine Aktien.

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Oliver Seiler

Einen Teil des Emissionserlöses verwendet Ströer für die Übernahme des polnischen Außenwerbers News Outdoor Poland und die Aufstockung ihrer Anteile von 50 auf 90 Prozent am türkischen Joint Venture Ströer Kentvizyon.

Im Zuge des Börsengangs passte Ströer auch die laufende Unternehmensfinanzierung an. Ströer Out-of-Home Media, so der vollständige Name des Unternehmens, gehört europaweit zu den führenden Anbietern für Außenwerbung. Die Kölner stellen an Plakatwänden, Bushaltestellen oder Litfassäulen rund 280.000 Werbeflächen zur Verfügung und erwirtschaften damit rund 470 Millionen Euro Umsatz. In den vergangenen Jahren kam die heute 1.400 Mitarbeiter starke Gesellschaft nicht zuletzt durch große Zukäufe an die Marktspitze. Neben der Übernahme der Deutsche Eisenbahn-Reklame GmbH übernahm Ströer bereits 2004 die damals doppelt so große Deutsche Städte Medien GmbH.

Am IPO-Markt gilt der Börsengang von Ströer als Hoffnungszeichen für das zweite Halbjahr. Seit den Starts von Kabel Deutschland, Brenntag und Tom Tailor im Frühjahr hatten eine Reihe von Unternehmen ihre Börsenpläne aufgrund eines schlechteren Marktumfelds vorerst wieder gestoppt, darunter auch der Druckzulieferer Flint und die Berliner Immobilienfirma GSW. (René Bender)

Berater Ströer
Inhouse
(Köln): Anne Ossenberg (Leiterin Recht), Esterelle Gebhardt, Dr. Uta Schipull
Jones Day (München) : Sandra Kamper
Freshfields Bruckhaus Deringer
: Dr. Andreas König (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Dr. Ludwig Leyendecker (Gesellschaftsrecht/M&A; Köln), Mark Strauch (Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Dr. Torsten Schreier (Geistiges Eigentum/IT; beide Frankfurt), Dr. Kai Hasselbach (Gesellschaftsrecht/M&A), Andreas Röhling (Kartellrecht); Associates: Andre Klüsener (Gesellschaftsrecht/M&A; alle Köln), Ulrich Weidemann, Julian Schulze de la Cruz, Timothy Knauff, James Thayer (alle Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht), Dr. Michael Leicht (Geistiges Eigentum/ IT; alle Frankfurt), Dr. Georg Roderburg (Steuerrecht), Donata Lasson (Arbeitsrecht; beide Köln), Dr. Mario Hüther, Dr. Oliver Lieth, Dr. Wolfgang Kotzur (alle Bank- und Finanzrecht; alle Frankfurt), Dr. Nicolai Seitz, Johanna Linke (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Stephan Nagel (Kartellrecht; alle Köln)

Berater Morgan Stanley/J.P. Morgan
Inhouse (J.P. Morgan; London): David Yao – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Morgan Stanley; London): Christoph Wolf – aus dem Markt bekannt
Allen & Overy
(Frankfurt): Dr. Oliver Seiler, Gernot Wagner; Associates: Dr. Martin Kniehase, Camilla Kehler, Carmen Candia (alle Kapitalmarktrecht)

Bertaer Cerberus
Weil Gotshal & Manges (Frankfurt): Dr. Heiner Drüke (Corporate/Kapitalmarktrecht), Tobias Geerling (München; Tax); Associates Dr. Jan Harmjanz, Hendrik Schmiady (beide Corporate), Dr. Kian Tauser (Tax)

Berater Banken (Anpassung der Ströer-Finanzierung)
White & Case
: Dr. Tom Schorling (Federführung); Associates: Michaela Huber, Isabel Schlitt (alle Finance)

Hintergrund: Dass Freshfields bei dem Börsendebüt an Ströers Seite steht, überrascht nicht im geringsten. Zum einen nahm das Kapitalmarktteam der Sozietät zuletzt eine besonders dominante Marktstellung ein und war beispielsweise an allen wichigen Börsengängen des Jahres beteiligt, wie den IPOs von Kabel Deutschland (mehr…) und dem Chemikalienhändler Brenntag (mehr…).

Zum anderen verbindet Freshfields und Ströer eine langjährige Mandatsbeziehung. Insbesondere das Kölner Büro war häufig für das rheinische Unternehmen tätig. So beriet ein Team unter Führung von Partner Leyendecker schon 2004 beim Kauf der DSM Deutsche Städte-Medien (mehr…) und auch ein Jahr später bei der Übernahme der Deutschen Eisenbahn-Reklame GmbH (mehr…).

Aus dem Frankfurter Büro heraus beriet Freshfields dann 2006 die Refinanzierung von Ströer durch Cerberus (mehr…) und 2007 war wieder das Kölner Büro an der Reihe, als Ströer mit dem Investor Oaktree eine gemeinsame Gesellschaft für außereuropäisches Werbegeschäft gründete (mehr…).

Auch Allen & Overy auf der Bankenseite ist keine große Überraschung, denn die Sozietät verfügt sowohl zu Morgan Stanley als auch J.P. Morgan über etablierte Beziehungen. Erst kürzlich begleitete sie J.P. Morgan, als der Investor Nordic Capital das Technologieunternehmen Sic Processing übernahm.

Vor zwei Jahren stand sie den beiden Häusern zur Seite, als diese gemeinsam mit der Credit Suisse eine Kapitalerhöhunng der Commerzbank im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank begleiteten. Auch dass Associate Kniehase zuletzt auf Secondment bei Morgan Stanley war, verdeutlicht die guten Beziehungen.

Die Ströer-Rechtsabteilung hat sich zur befristeten Unterstützung die Münchner Jones Day-Partnerin Sandra Kamper hinzugeholt. Seit rund zwei Monaten arbeitet die Corporate- und Kapitalmarktspezialistin für die Gesellschaft und beschäftigte sich als Interims-Leitung der Rechtsabteilung insbesondere mit Fragen um den Börsengang herum. Sie wird die Kölner Gesellschaft nun auch im Nachgang zum IPO noch weiter vor Ort unterstützen, in voraussichtlich zwei Monaten wird Kamper ins Münchner Jones Day-Büro zurückkehren.


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