Artikel drucken
22.10.2010

Fusionsgespräche: WestLB und BayernLB setzen auf Hengeler und Freshfields

Das Bieterverfahren um die WestLB kommt auf die Zielgerade: Noch bis zum 28. Oktober können Interessenten ihr Angebot abgeben. Parallel dazu wird derzeit eine Fusion von WestLB und BayernLB besonders heiß diskutiert.

Benedikt Wolfers
Benedikt Wolfers

Sollte es zu dem Zusammenschluss mit der BayernLB kommen, könnte daraus das nach Bilanzsumme drittgrößte deutsche Bankinstitut entstehen. Daneben gilt ein Zusammenlegen der WestLB mit Helaba, Dekabank und der Landesbank Berlin als mögliche Alternative.

Die BayernLB führt aktuell rund 340 Milliarden Euro in ihrer Bilanz, die WestLB 250 Milliarden. Ein 77 Milliarden Euro schweres Portfolio aus toxischen Wertpapieren hatte die WestLB bereits im Frühjahr auf die eigens dafür eingerichtete Erste Abwicklungsanstalt (EAA) übertragen (mehr…). Gemeinsam beschäftigen die Institute über 15.000 Mitarbeiter.

Nach einem Zusammenschluss, so heißt es in Finanzkreisen, könnte möglicherweise auch die BayernLB, die ebenfalls massiv unter den Folgen der Finanzkrise gelitten hat, bilanziellen Ballast in die sogenannte Bad Bank der WestLB auslagern. Es gibt jedoch auch viele skeptische Stimmen. Marktbeobachter bemängeln unter anderem, dass die WestLB nach einer Fusion wieder in zwei Bereichen aktiv würde, aus denen sie sich gerade erst auf Druck der EU-Kommission zurückzieht. Die BayernLB ist nach wie vor stark im Immobilienfinanzierungs- und Privatkundengeschäft aktiv. Die WestLB muss sich dagegen aufgrund der EU-Auflagen von ihren Töchtern in diesen Sparten, Westimmo und Readybank, trennen.

Die Zukunftsfähigkeit einer fusionierten Landesbank hatte nach Bekanntwerden der Pläne auch die EU-Kommission in Zweifel gezogen. Außerdem waren Vorwürfe laut geworden, die WestLB habe bei der Bewertung ihrer Risikopositionen mit bilanziellen Tricks gearbeitet. Die Kommission prüft derzeit erneut die Rechtmäßigkeit der Beihilfen, die Ende 2009 geflossen waren, sowie einer stillen Einlage in Höhe von drei Milliarden Euro, mit der der Bund sich bei Einrichtung der EAA über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) an der Kernbank beteiligt hatte.

Als Auflage für diese Hilfen hatte die EU-Kommission festgelegt, dass die WestLB bis Ende 2011 in einem transparenten und diskriminierungsfreien Bieterverfahren veräußert werden muss. (Norbert Parzinger, Parissa Kerkhoff)

Berater Eigentümer der WestLB
Mayer Brown (Berlin): Friedrich Merz (als Veräußerungsbevollmächtigter), Stephan Gittermann (Transaktionen; Frankfurt)

Berater WestLB
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Dirk Bliesener, Dr. Johannes Adolff, John Flüh (Berlin) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Düsseldorf): Klaus Poggemann (Leiter Recht) – aus dem Markt bekannt

Berater BayernLB
Freshfields Bruckhaus Deringer (München): Dr. Matthias-Gabriel Kremer (Unternehmensrecht), Dr. Benedikt Wolfers (Öffentliches Recht; Berlin) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (München): Franz Köglmeier (Leiter Recht) – aus dem Markt bekannt

Berater FMSA/SoFFin
Linklaters (Frankfurt): Dr. Thomas Nießen (Corporate), Andreas Steck (Bank- u. Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Sebastian Benz (Steuerrecht), Dr. Jan Endler (Öffentliches Recht; Berlin), Dr. Carsten Grave (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Frankfurt): Eva Bauer (Projektleitung), Bernd Giersberg (Leiter Recht), Sigrun Fuchs – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Auf den ersten Blick überraschend wirkt die Beteiligung von Freshfields: Bislang saß die Kanzlei in Sachen WestLB für das Land Nordrhein-Westfalen als Miteigentümer am Verhandlungstisch. Darin, dass die Sozietät nun für den potenziellen Fusionspartner BayernLB auftritt, wollen einige Wettbewerber einen Interessenskonflikt erkennen. Allerdings hatte sich das Land NRW von einem Team um den Düsseldorfer Gesellschaftsrechtspartner Dr. Axel Epe und den Frankfurter Bankrechtler Bernhard Kaiser beraten lassen (mehr…). Aktuell sind dem Vernehmen nach der Berliner Partner Wolfers im Öffentlichen Recht und der Münchner Unternehmensrechtler Kremer im Mandat. Beide hatten der BayernLB bereits Ende 2009 beim Verkauf ihrer Mehrheitsanteile an der Saarländischen Landesbank zur Seite gestanden (mehr…). Auf ein Freshfields-Team unter Leitung des Wiener Partners Dr. Willibald Plesser hatte die BayernLB auch kurz zuvor bei der Verstaatlichung ihrer österreichischen Tochter Hypo Group Alpe Adria gesetzt (mehr…).

Als gemeinsamer Veräußerungsbevollmächtigter der WestLB-Eigentümer tritt Mayer Brown-Partner Friedrich Merz auf (mehr…); ob sich das Land NRW und die beteiligten Sparkassen- und Landschaftsverbände im Hintergrund separat beraten lassen, wurde bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Daneben sind dem Vernehmen nach für die WestLB die Hengeler-Partner Bliesener und Adolff tätig, die bereits im vergangenen Frühjahr die Landesbank beim Start der Bad Bank EAA begleitet hatten (mehr…). Wie aus dem Markt zu hören war, gewann die Kanzlei das aktuelle Mandat im Pitch gegen White & Case.

Auch Linklaters an der Seite des SoFFin-Inhouse-Teams soll sich in einer Ausschreibung gegen verschiedene Wettbewerber durchgesetzt haben.

  • Teilen