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04.10.2012

Gerettet: Semper und Goldsmith engagieren sich mit Weil Gotshal und K&L Gates bei Praktiker

Die Baumarktkette Praktiker und ihre 20.000 Arbeitsplätze sind gerettet. Gestern einigte sich das Unternehmen mit Investoren und Banken auf ein Finanzierungspaket, das ihm das benötigte Geld für sein Sanierungskonzept sichert. Laut Marktinformationen engagieren sich eine vom Aktionär Semper Constantia beratene Investorengruppe, Praktikers Hausbanken, Finanzinvestor Clemens Vedder und ein nicht benanntes Kreditinstitut.

Michael Kohl

Michael Kohl

Die Einigung war dringend notwendig geworden, um die Insolvenz der Baumarktkette abzuwenden. Ende September war ein Brückenkredit ausgelaufen, den drei Banken zur Verfügung gestellt hatten. Dabei handelt es sich laut Marktinformationen um ein Konsortium um die Commerzbank. Jetzt konnte der Brückenkredit zurückgeführt und mit zwei der Banken ein neues Darlehen ausgehandelt werden, heißt es weiter. Die Hausbanken stellten nun weiterhin den Betriebsmittelbedarf zur Verfügung, andere Banken und Investoren sollen endfällige Darlehen in Höhe von 75 Millionen Euro zugesagt haben.

Bekannt ist, dass Sempers Investorengruppe ein besichertes Darlehen von 40 Millionen Euro gewährt, zudem stellt ein bislang nicht genanntes Kreditinstitut ein Darlehen von 20 Millionen Euro. Als Sicherheitenagent für die Darlehen fungiert Wilmington Trust SP Services. Das zweite Darlehen erhält Praktiker, wenn das Unternehmen seine angekündigte Kapitalerhöhung erfolgreich durchführt hat. Die Berenberg Bank arrangiert diese Kapitalerhöhung, die Praktiker weitere 60 Millionen Euro einbringen soll. 

Laut der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ hat der Finanzinvestor Clemens Vedder garantiert, die Kapitalerhöhung zu einem großen Teil zu zeichnen. Mehr als 25 Millionen Euro dürften demnach von ihm kommen. Vedder engagiert sich über Whitesmith Private Equity, die zu seiner Investmentgesellschaft Goldsmith gehört.

 Eigentlich war ein anderes Finanzierungskonzept vorgesehen, das unter anderem einen Kredit des US-Investors Anchorage von 85 Millionen Euro beinhaltete. Im Sommer wurde dann bekannt, dass Semper ein alternatives Finanzierungskonzept durchsetzen will und maßgeblicher Teil des Plans ein Engagement von Goldsmith ist. Mittlerweile wurden die Verhandlungen mit Anchorage abgebrochen.

Berater Semper Constantia
Weil Gotshal & Manges: Michael Kohl (Finance; Frankfurt), Prof. Dr. Gerhard Schmidt (Corporate; München; beide Federführung), Stephan Grauke, Dr. Heiner Drüke (alle Frankfurt), Dr. Arnold Büssemaker (alle Corporate), Tobias Geerling; Associates: Sven Ceranowski (beide Steuern), Thomas Zimmermann, Dr. Alexander Wandt (beide Finance), Dr. Konstantin Hoppe, Philipp Schlawien, Fabian Camek (alle München), Dr. Anna-Karina Bonacker, Dr. Christopher Peinemann (beide Frankfurt; alle Corporate)

Berater darlehensausreichende Bank in Deutschland für Semper
Watson Farley & William
(Hamburg): Dr. Stefan Kilgus – aus dem Markt bekannt

Berater Goldsmith
K&L Gates (Frankfurt): Andreas Füchsel (Gesellschafts-/Transaktionsrecht), Dr. Bastian Bongertz (Bank-/Finanzrecht)

Berater Etris Bank
Glade Michel Wirtz (Düsseldorf); Dr. Arndt Michel, Dr. Jochen Markgraf, Dr. Andreas Merkner; Associate: Dr. Martin Rücker – aus dem Markt bekannt

Kolja von Bismarck

Kolja von Bismarck

Berater unbenanntes Kreditinstitut
White & Case (Frankfurt): Dr. Tom Schorling, Dr. Thomas Flatten – aus dem Markt bekannt

Berater Brückenkredit-Banken
Linklaters (Frankfurt): Kolja von Bismarck (Federführung; Restrukturierungsrecht), Julian Zaich (Finanzierungsrecht); Associates: Verena Etzel, Tobias Klupsch, Andreas Steiger (alle Restrukturierungsrecht), Jennifer Khanna (Finanzierungsrecht), Wulf Kring (Steuern) – aus dem Markt bekannt

Berater Praktiker
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Lars Westpfahl (Restrukturierungs-/Finanzrecht), Prof. Dr. Christoph Seibt (Gesellschafts-/Kapitalmarktrecht), Thomas Jörgens (Finanzrecht; New York), Dr. Niko Schultz-Süchting (Immobilienrecht), Dr. Jochen Dieselhorst (IP/IT), Dr. Christian Ruoff; Associates: Ulrike Sommer (beide Steuern), Dr. Annette Heinz (Immobilienrecht), Simone Schönen, Dr. Hauke Sattler, Riaz-Karim Janjuah (alle Restrukturierungs-/Finanzrecht), Dr. Stephan Schulz, Dr. Gunnar Isenberg (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Mark Böhmer, Dr. Alexia Manaigo-Vekil (beide Finanzrecht; beide New York), Dr. Heiko Bertelmann, Dr. Natascha Doll, Stefan Heilmann (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Robert Auer (IP/IT)
Görg
(Essen): Dr. Helmut Balthasar (Federführung), Dr. Carsten Müller-Seils (Köln); Associates: Adrienne Tillmann, Arne Engels (alle Gesellschafts-/Insolvenzrecht)
Inhouse (Kirkel): Oliver Heeb (Chefsyndikus), Gerald Höbler, Annegret Sudbrock, Caroline Brazel, Fabian Moritz
Schönherr (Wien): Michael Lagler, Leopold Höher; Associate: Ayla Ilicali (alle Federführung)

Berater Aufsichtsrat
Schultze & Braun (Bremen): Edgar Grönda – aus dem Markt bekannt

Berater Wilmington Trust
Latham & Watkins: Daniel Ehret (Frankfurt), Dr. Torsten Volkholz (Hamburg)

Berater Berenberg Bank
Linklaters (Frankfurt): Dr. Herbert Harrer (Federführung), Dr. Marco Carbonare (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Michael Ehret (Steuern); Associates: Dr. Claus Mößle, Dr. Alexander Fritzsche (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Ulrich Johann (Steuern)
Inhouse (Hamburg): Marc Gei, Moritz Musinowski – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Freshfields ist seit Langem im Komplex rund um die Sanierung von Praktiker eingebunden. Die Sozietät begleitete etwa die Brückenfinanzierung für die Baumarktkette. Linklaters war dabei auf Bankenseite bereits tätig und nun laut Marktinformationen neben Görg sowie Freshfields an den Neuverhandlungen mit den Banken wesentlich beteiligt.

Freshfields beriet auch kürzlich zur Hauptversammlung, in der um die Kapitalerhöhung gestritten wurde (mehr…), sowie zum Engagement von Anchorage (mehr…). Der Investor selbst vertraute damals Kirkland & Ellis. Der Aufsichtsrat setzte auf Dr. Thorsten Bieg von Brinkmann & Partner. 

Bei der umstrittenen Hauptversammlung wurden Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlastet. Der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ zufolge wollen Semper und der zweite große Aktionär Maseltov einen Teil der Aufsichtsratsmitglieder abwählen, darunter dürfte demnach auch der Aufsichtsratsvorsitzende Kersten von Schenck sein. Der langjährige Clifford Chance-Partner hat sich erst zum September in Frankfurt selbstständig gemacht (mehr…).

Semper und Goldsmith lassen sich von Weil Gotshal beziehungsweise K&L Gates beraten, seitdem die Investoren an dem alternativen Finanzierungskonzept arbeiten. (Parissa Kerkhoff)

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