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15.09.2017

Stadionkauf: Red Bull und RB Leipzig sichern sich Arena mit Baker Tilly-Hilfe

Der österreichische Getränkekonzern Red Bull und der von ihm massiv geförderte Fußball-Bundesligist RB Leipzig haben das Stadion des sächsischen Vereins erworben. Verkäuferin war eine Beteiligungsgesellschaft des Film- und Medienunternehmers Michael Kölmel.

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Oliver Hubertus

Dem Vernehmen nach soll der Kaufpreis bei rund 70 Millionen Euro liegen, weitere 40 Millionen Euro sollen noch in den Ausbau des Stadions fließen. Die Stadt Leipzig, die über diverse Rückfallrechte für das Stadion verfügt, muss dem Vorhaben zwar noch zustimmen, dies gilt aber inzwischen nur noch als Formsache.

RB Leipzig und der frühere Stadioneigentümer Michael Kölmel hatten sich schon kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr grundsätzlich über den Verkauf geeinigt, zuletzt hatte sich die Transaktion aber doch noch länger hingezogen. Unter anderem musste die Stadt Leipzig noch einer Bauvoranfrage zustimmen. Kernthema blieb die erweiterte und verbesserte Infrastruktur für einen Ausbau von 43.000 auf 57.000 Plätze. Die Gespräche kamen ins Stocken und die Vereinsführung von RB Leipzig machte ihrem Unmut über die Stadt im Frühjahr öffentlich Luft.

Die Stadt spielt in den komplexen rechtlichen Verhältnissen eine bedeutende Rolle. So war sie schon an den Baukosten für das an alter Stelle neu errichtete und 2004 eröffnete Stadion beteiligt. Sie dürfte wenig Interesse gehabt haben, nach einem Verkauf frühere Fördergelder zurückzahlen zu müssen. Zudem ist sie bis heute laufend in Entscheidungen rund um die Infrastruktur des Stadions vielfältig mit eingebunden.

Auch in Zukunft bleibt die Stadt in das Schicksal der Red Bull Arena eingebunden: Für den Fall, dass die neuen Besitzer ab 2040 die Nutzung als Fußballstadion beenden möchten, wird der Stadt ein befristetes Sonderwiederkaufsrecht eingeräumt – ohne Anrechnung von Grund- und Bodenwert. Ebenso darf sie das Stadion und dessen Festwiese weiterhin nutzen.

Berater Red Bull/RasenBallsport Leipzig
Baker Tilly (München): Oliver Hubertus (Federführung; Steuern), Sven Vollstädt (Corporate/M&A; Leipzig), Marion Fetzer (Steuern), Dr. Christian Teuber (Öffentliches Recht; Dortmund), Uwe Roth (Steuern), Dr. Jens Füller (Kartellrecht)
Inhouse Recht (Red Bull; Fuschl am See): Dr. Oliver Geisler (Leiter Recht)
Inhouse Recht (RB Leipzig; Leipzig): Johann Plenge (Leiter Recht)

Berater Kölmel
Inhouse Recht (MK Medien; Feldafing): Bianca Krippendorf – aus dem Markt bekannt

Berater Stadt Leipzig
Von Berg Bandekow Zorn (Leipzig): Dr. Karsten Zorn (Immobilienrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die bisherige Eigentümerstruktur ließ Raum für steuerliche Gestaltung. Über das rein Monetäre hinaus spielten deshalb auch Zusatzleistungen eine bedeutende Rolle. So war die Transaktion letztlich substanziell steuergetrieben, vor allem Fragen zur Grunderwerbsteuer und zur Umsatzsteuer kamen zum Tragen. Red Bull vertraute dabei einmal mehr auf Baker Tilly, die dem Getränkekonzern schon seit knapp einem Jahrzehnt regelmäßig und umfangreich zur Seite steht.  

Auch auf der Gegenseite sind die Beziehungen zwischen Berater und Mandantin eng: Die Unternehmensjuristin Bianca Krippendorf gilt als langjährige Vertraute Kölmels. Sie fungiert in dessen Firmengruppe teils auch als Geschäftsführerin. Als Justiziarin seiner früheren, in die Insolvenz gerutschten Beteiligungsfirma Sportwelt ist sie dabei auch erfahren in der Begleitung von Investments im Sportsektor.

Der auf Immobilienrecht spezialisierte und auch immer wieder für öffentlich-rechtliche Körperschaften tätige Zorn war bereits vor weit mehr als einem Jahrzehnt an der Seite der Stadt Leipzig mit dabei, als die Kölmel-Gruppe das Stadion erwarb. (René Bender)

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