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01.10.2019

Stellenabbau: Großbäckerei Lieken vertraut auf Trebeck & von Broich

Die Großbäckerei Lieken stellt im kommenden Jahr ihre Logistik um: Statt ihre Kunden wie bisher mit eigenen Lastwagen zu beliefern, erfolgt die Versorgung künftig über die Zentrallager der Supermärkte. Sieben Depots werden geschlossen, vier weitere bleiben als Umschlagsorte für die Zentrallagerlogistik erhalten, werden jedoch erheblich verkleinert. Insgesamt entfallen rund 350 Arbeitsplätze.

Stefan von Broich

Stefan von Broich

Die Restrukturierung der Logistikaktivitäten soll die Wettbewerbsfähigkeit der Gruppe sichern. Neben Kosten spart Lieken damit auch Emissionen ein. Der Vorstand der Großbäckerei, Andreas Utasch, spricht von mehr als 50 Millionen Lkw-Diesel-Kilometern pro Jahr, die künftig weniger zurückgelegt werden müssen. Was gut für die Umwelt ist, ist für die Mitarbeiter weniger erfreulich: Knapp 350 Fahrer, Kommissionierer und weitere Arbeitnehmer sind vom Stellenabbau betroffen. Für viele von ihnen besteht jedoch die Möglichkeit, im Produktionsbereich auf bislang von Leiharbeitern besetzte Stellen zu wechseln. 

Die zum tschechischen Agrofert-Konzen gehörende Lieken mit Hauptsitz in Wittenberg beschäftigt aktuell rund 2.400 Mitarbeiter. Sie unterhält bundesweit sieben Produktionsstätten für Backwaren und eine eigene Logistikgesellschaft Logi-K. Angesichts eines stetig steigenden Konkurrenz- und Kostendrucks unter den Großbäckereien hatte Lieken schon im Jahr 2015 entschieden, ihre internen Logistikprozesse mittelfristig umzugestalten und sich von der direkten Belieferung der Supermärkte im sogenannten Frischdienst zu verabschieden. Nachdem dieser Prozess Ende 2018 für die Logistikstandorte in Süddeutschland abgeschlossen wurde, folgen bis Ende März 2020 die übrigen Depots im nördlichen Bundesgebiet. Auch mehrere Produktionsstandorte, unter anderem in Rendsburg, Neunkirchen, Weißenfels, Freiburg und Fulda, wurden seit 2015 geschlossen.

Dass der Wettbewerbsdruck in der Bäckereibranche deutlich zugenommen hat, bekam zuletzt auch Kronenbrot zu spüren: Im Juni dieses Jahres war die Bäckerei-Gruppe mit Standorten in Köln, Witten und Würselen in Insolvenz gegangen. Der Wittener Produktionsstandort wird von Wettbewerberin Harry-Brot übernommen, die neben Lieken Marktführer bei abgepacktem Brot ist.

Berater Lieken
Trebeck & von Broich (Köln): Stefan von Broich (Federführung), Dr. Joachim Trebeck

Berater Gesamtbetriebsrat
Pahde & Partner (Herford): Klaus Pahde, Mario Struß

Hintergrund: Für die Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat unter Einbeziehung der Gewerkschaft NGG setzte der Lieken-Vorstand auf die Restrukturierungserfahrung von Stefan von Broich. Lieken-CFO Christian Hörger kannte den Partner der Kölner Arbeitsrechtsboutique Trebeck & von Broich von der Restrukturierung der Feinkostsparte Homann, die Hörger 2017 als Vorstand der Lebensmittelgruppe Theo Müller begleitet hatte. Von Broich war damals ebenfalls noch unter anderer Flagge unterwegs: Bis er sich Mitte 2018 gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen Dr. Joachim Trebeck selbstständig machte, war er Partner bei der Kölner Kanzlei Seitz. Zu Beginn der Restrukturierung hatte sich Lieken noch von der Stuttgarter Kanzlei SHP Schmitt, Hartmann, Protte & Partner beraten lassen.

Der Gesamtbetriebsrat ließ sich von der Herforder Arbeitsrechtskanzlei Pahde & Partner vertreten. Pahde arbeitete in der Vergangenheit bereits mehrfach für Betriebsräte von Lieken und ihrer Logistiktochter, nun wurde er erstmals auch für den Gesamtbetriebsrat tätig. Dieser hatte sich zuvor von der Hamburger Arbeitsrechtskanzlei Müller-Knapp Hjort Wulff vertreten lassen. Neben Pahde begleitete Unternehmensberater Dr. Peter Wilke von Wilke Maak und Partner die Arbeitnehmervertreter. (Annette Kamps)

Der Artikel wurde am 2.Oktober 2019 ergänzt.

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