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22.01.2020

Outsourcing: Bayer setzt bei Neuausrichtung der IT auf Noerr

Bayer hat zum Jahreswechsel ein umfassendes IT-Outsourcing-Projekt auf den Weg gebracht. Künftig sind vier Dienstleister für die IT verantwortlich. Sie übernehmen rund 950 Bayer-Mitarbeiter. Besonders interessant an dem Deal ist die Multi-Provider-Ausschreibung.

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Johannes Rabus

Mit der neuen Ausrichtung der IT-Strukturen und -Serviceleistungen setzt Bayer einen Teil der Ende 2018 angekündigten Effizienz- und Strukturmaßnahmen um. Die Auslagerung betrifft nun unter anderem die Bereitstellung von digitalen Arbeitsplätzen und den Betrieb der weltweiten IT-Infrastruktur. Den Zuschlag in der Multi-Provider-Ausschreibung bekamen die IT-Dienstleister Atos, Capgemini, Cognizant und Tata Consultancy Services. 

Nicht nur die knapp 950 Mitarbeiter, die damit von einem Betriebsübergang betroffen sind, machen das Outsourcing zu einem der größten der vergangenen Jahre. Das Volumen wird wohl im Milliardenbereich liegen.

Alle Dienstleister hatten sich parallel in einer Ausschreibung auf alle IT-Dienstleistungen beworben. Auch der parallele Ansatz, in dem die vier Provider ihre Dienstleistungen künftig erbringen werden, ist eine Besonderheit. Nicht zuletzt deswegen stehen auch kartellrechtliche Fragen im Mittelpunkt.

Die betroffenen Mitarbeiter bekommen den gleichen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 2025, wie er Bayer-Beschäftigten zusteht. Der Vertrag ist auf sechs Jahre angelegt und hat bereits jetzt eine Verlängerungsoption um ein weiteres Jahr.

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Thomas Thalhofer

Berater Bayer
Inhouse Recht (Leverkusen): Dr. Johannes Rabus (Federführung), Adrian Franz (beide IT), Ingo Nebel, Dr. Benjamin Müller (beide Arbeitsrecht), Diana Stoll, Dr. Philip Laue (beide Datenschutz), Dr. Paul Fort (Kartellrecht)
Inhouse Steuern (Leverkusen): Jana Brors, Alexandra Tschense
Noerr (München): Prof. Dr. Peter Bräutigam, Dr. Thomas Thalhofer (beide Federführung), Dr. Torsten Kraul (alle IT), Meike von Levetzow (Arbitration; Berlin); Associates: Dr. David Bomhard, Henrike von dem Berge (Berlin), Ekaterina Filikhina, Dr. Korbinian Hartl, Hilke Klingenfuß, Marieke Merkle (alle IT), Sebastian Dienst (Datenschutz), Sarah Blazek (Kartellrecht), Manuela Kreuzeder (Arbitration; Berlin)

Berater Atos
Inhouse Recht (München): Tobias Hohloch (Federführung; Global Senior Legal Counsel, Head of Legal Operations)
DLA Piper (Frankfurt): Semin O (Kartellrecht), Gerald Schumann (Corporate; München), Dr. Bernd Borgmann (Arbeitsrecht; Köln)

Berater Tata Consultancy Services
Inhouse Recht: Christiane Grundler (Federführung; Corporate Counsel), Dorothea Kettrukat, Florian Hecht
Kliemt (Frankfurt): Dr. Till Hoffmann-Remy, Ferdinand Groß; Associate: Frederik Möller (alle Arbeitsrecht)
Commeo (Frankfurt) Dr. Johanna Kübler (Kartellrecht)

Berater Capgemini
Inhouse Recht (München): Dr. Antje Zimmerlich (Associate General Counsel), Alexandra Schramm (Leiterin Business Legal Deutschland/Vice President) – aus dem Markt bekannt
Baker & McKenzie (München): Dr. Alexander Wolff (Arbeitsrecht), Dr. Christian Burholt (Kartellrecht)

Berater Cognizant
Inhouse Recht (Frankfurt): Miriam-Elisabeth Bosse (Federführung; Director Legal, Corporate Counsel), Henning von der Blumensaat, Naomi Branston (Arbeitsrecht)
GvW Graf von Westphalen (Frankfurt): Christian Kusulis (Kartellrecht)

Hintergrund: Die Federführung bei den IT-Vertragsverhandlungen lag bei Bayer-Inhouse-Counsel Rabus, dessen Team von den Noerr-IT-Rechtlern Bräutigam und Thalhofer beraten wurde. Sie sind nicht zum ersten Mal für große IT-Projekte von Bayer mandatiert: Ein Team um IT-Praxisgruppenleiter Thalhofer hatte schon im Vorjahr zur Veräußerung der Digital-Farming-Sparte an BASF beraten. Bei dem aktuellen Outsourcing bekamm Noerr nach einer Ausschreibung den Zuschlag für das Mandat. Die umfangreichen arbeitsrechtlichen Fragen lösten die Inhouse-Arbeitsrechtler von Bayer ohne externe Berater.

Ob eine kartellrechtliche Anmeldung notwendig ist, prüften die Parteien zum Redaktionsschluss noch. Insbesondere deswegen schaltete dem Vernehmen nach jeder der vier Dienstleister auch externen kartellrechtlichen Rat hinzu. 

DLA ist auf dem Panel von Atos gelistet, die Mandatsbeziehung besteht seit mehreren Jahren insbesondere über den Münchner IT-Partner Dr. Jan Meents. Tata Consultancy setzte insbesondere im Vorfeld in Fragen zum Betriebsübergang und auch bei einzelnen Verhandlungsterminen auf das Kliemt-Team um Hoffmann-Remy. Im Arbeitsrecht pflegen sie eine langjährige Mandatsbeziehung, seit sich Kliemt vor einigen Jahren in einem Pitch präsentierte. Seitdem beriet die Kanzlei auch zu Arbeitnehmerdatenschutz und regelmäßig in Projekten, vor allem auch bei IT-Outsourcings.
Cognizant griff lediglich in kartellrechtlichen Fragen auf GvW Graf von Westphalen zurück, hier besteht eine Mandatsbeziehung über den Frankfurter IT-Partner Stephan Menzemer. 

Doch vor allem die Inhouse-Anwälte dominierten in den Vertragsverhandlungen – das ist insbesondere bei IT-Outsourcings, die zum Tagesgeschäft der Anbieter gehören, üblich. (Anika Verfürth) 

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