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22.04.2020

Nächster Corona-Kredit: Adidas mandatiert Hengeler, Clifford und Linklaters beraten KfW

Auch Adidas setzt in der Corona-Krise auf staatliche Hilfen. Über das Corona-Sonderprogramm der KfW erhält der Sportartikelhersteller eine Konsortialfinanzierung in Höhe von rund drei Milliarden Euro. Die Förderbank stellt Adidas direkt 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung, ein Konsortium von sieben weiteren Geschäftsbanken übernimmt die weiteren 600 Millionen Euro.

Johannes Tieves

Johannes Tieves

Das Bankenkonsortium setzt sich – soweit bekannt – aus UniCredit, Bank of America, Citibank, Deutsche Bank, der japanischen Mizuho Bank sowie den Londoner Banken HSBC und Standard Chartered Bank zusammen. Ob Adidas die Zusagen in voller Höhe in Anspruch nimmt, sei noch nicht geklärt, sagte eine Unternehmenssprecherin. In jedem Fall gehe man nach derzeitigen Annahmen davon aus, dass die Kredite zur Überwindung der Krise ausreichen werden und keine weiteren in Anspruch genommen werden müssten.

Keine Dividenden, keine Boni

Adidas hatte schon vor zwei Wochen erklärt, die Corona-Krise nur durchstehen zu können, wenn frisches Geld fließe. In Anspruch genommene Kredite sollen so schnell wie möglich inklusive Zinsen und Gebühren zurückgezahlt werden. Es werde kein Steuerzahlergeld in Anspruch genommen.

Zu den Konditionen des Kredits gehört, dass Adidas während der Laufzeit keine Dividende an seine Aktionäre zahlen darf. Adidas hatte bereits zuvor entschieden, den Rückkauf eigener Aktien zu stoppen sowie auf die kurz- und langfristigen Boni des Vorstandes, die insgesamt 65 Prozent der Jahresbezüge ausmachen, für das Jahr 2020 zu verzichten. Auch andere Führungskräfte erhalten im laufenden Geschäftsjahr keine ‚langfristige Bonuskomponente‘. Ein Teil der Mitarbeiter wird sogar in Kurzarbeit geschickt.

Nachgefragtes Krisenprogramm

Das KfW-Programm ‚Direktbeteiligung für Konsortialfinanzierungen‘ wird von zahlreichen Unternehmen nachgefragt. Zuerst hatte der Reisekonzern Tui sich Mittel über 1,8 Milliarden Euro gesichert. Laut Reuters hat die KfW bislang eine Summe von 8,5 Milliarden Euro bewilligt, was rund 98 Prozent der eingegangenen Anträge entspreche. Die gesamte Antragssumme belaufe sich auf 26 Milliarden Euro, was darauf hindeute, dass über viele wirklich großvolumige Konsortialfinanzierungen noch zu entscheiden sei. Bekannt ist, dass sowohl die Lufthansa als auch Condor auf Staatshilfen setzt.

Tobias Schulten

Tobias Schulten

Berater Adidas
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Johannes Tieves (Federführung; Finanzierung)  – aus dem Markt bekannt

Berater KfW
Clifford Chance (Frankfurt): Tobias Schulten, Dr. Beda Wortmann, Riko Vanezis, Dr. Bettina Steinhauer; Associate: Dr. Melanie Schmitz (alle Finanzierung)
Linklaters (Berlin): Dr. Jan Endler (Beihilferecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Bankenkonsortium
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Frank Laudenklos – aus dem Markt bekannt

Frank Laudenklos

Frank Laudenklos

Hintergrund: Hengeler stand Adidas die vergangenen Jahre immer wieder bei Finanzierungen zur Seite, beispielsweise bei der Begebung von Wandelanleihen 2012 und 2018. Allerdings lag die Federführung damals bei den Kapitalmarktrechtlern Dr. Torsten Busch und Dr. Ralph Defren, die die Sozietät mittlerweile verlassen haben. Hier war nun nach JUVE-Recherchen der Kreditfinanzierungsspezialist Tieves mit seinem Team in Verhandlungen mit den Banken eingebunden.

Neben Clifford Chance hat auch Linklaters die KfW zum Corona-Sonderprogramm beraten. Linklaters-Partner Endler steht der KfW regelmäßig in beihilferechtlichen Fragen zur Seite. Zuletzt half Endler der KfW rund um den Überbrückungskredit von Condor. Bereits bei der Finanzkrise 2008 begleitete er die KfW zu deren Sonderprogramm. Auch Clifford wird von der KfW seit vielen Jahren mandatiert.

Hier liegt der Schwerpunkt der Beratung von Clifford bei der Strukturierung der Finanzierungen mit Großunternehmen. Clifford hilft der Förderbank dabei, ihre Interessen gegenüber den Kreditnehmern zu wahren, etwa indem sie die einheitliche Umsetzung der Programmbedingungen in den jeweiligen Konsortialkreditverträgen sicherstellt. Neben dem Kernteam um Schulten, Wortmann und Vanezis sind insgesamt weitere 13 Partner und sieben Counsel aus dem Finanzierungsteam der Kanzlei für die Staatsbank tätig. Sie unterstützen jeweils zu einzelnen Anträgen. Daneben wird das Team vom Düsseldorfer Legal Project Manager Pascal Weber unterstützt. Die Förderbank selbst ist dem Vernehmen nach mit über zehn Inhouse-Leuten in diesem Corona-Aufgabenbereich involviert.

Das Bankenkonsortium, das einen Anteil von 20 Prozent zu den Kreditzusagen aus dem KfW-Programm beisteuert, lässt sich von Freshfields-Partner Laudenklos beraten. Laudenklos verhandelte zuletzt die KfW-Kreditlinie für Tui und beriet die Rewe Group, den genossenschaftlichen Kölner Einzelhandelskonzern, beim Abschluss einer syndizierten Kreditlinie über eine Milliarde Euro, die von der Commerzbank, DZ Bank, ING und SEB bereit gestellt wurden. (Martin Ströder, Ludger Steckelbach, Sonja Behrens, mit Material von dpa)

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