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14.01.2021

Milliarden-IPO: Auto1 bringt sich mit Sullivan, Milbank und Freshfields in Stellung

Mit einem Schwergewicht könnte das IPO-Jahr 2021 starten: Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 plant seine Erstnotiz an der Frankfurter Börse noch im ersten Quartal. Durch die Ausgabe neuer Aktien für den Börsengang rechnet das Unternehmen mit einem Bruttoemissionserlös von rund einer Milliarde Euro. Zudem wollen sich bestehende Anteilseigner von eigenen Papieren trennen.

Carsten Berrar

Carsten Berrar

Vom übrigbleibenden Nettobetrag sollen circa 750 Millionen Euro in das Wachstum gesteckt werden, der Rest soll voraussichtlich zur Rückzahlung einer bestehenden Wandelanleihe verwendet werden.

Der Börsengang von Auto1 wurde schon länger erwartet. Dabei war zuletzt von einer Bewertung von bis zu fünf Milliarden Euro für das Unternehmen die Rede. Auto1 wollte diese Spekulationen nicht kommentieren. Details zum Börsengang, wie etwa der angestrebte Preis je Aktie, bleiben damit vorerst offen.

Die 2012 vom jetzigen Chef Christian Bertermann und Aufsichtsratsmitglied Hakan Koc gegründete Auto1 Group war in den vergangenen Jahren zügig gewachsen und ist mittlerweile in mehr als 30 Ländern tätig. 2019 verkaufte Auto1 nach eigenen Angaben mehr als 615.000 Fahrzeuge und erzielte einen Umsatz von rund 3,5 Milliarden Euro. Dabei konnte die Firma ihre Erlöse zwischen 2014 und 2019 im Schnitt jährlich nahezu verdoppeln.

Erlös soll vor allem in Autohero fließen

Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben unter der Marke Auto1 inzwischen die größte Großhandelsplattform für Gebrauchtwagen in Europa. Dabei werden die Fahrzeuge europaweit über Online-Auktionen an mehr als 60.000 gewerbliche Händler verkauft. Unter der Marke Autohero bietet die Gruppe zudem in neun europäischen Ländern Gebrauchtwagen direkt den Verbrauchern zu Festpreisen an. Autokäufern hierzulande dürfte die Firma über das stark beworbene Online-Portal wirkaufendeinauto bekannt sein.

Norbert Rieger

Norbert Rieger

2018 hatte sich das Technologieunternehmen Softbank mit knapp einer halben Milliarde an Auto1 beteiligt, ein Vertreter der Japaner sitzt aktuell im Aufsichtsrat. Bereist 2015 beteiligten sich Piton Capital und DN Capital an dem Unternehmen. Im Zuge des Börsengangs veräussern sie Anteile im Gesamtvolumen von 200 Millionen Euro an die neuen Ankerinvestoren Sequoia und Lone Pine sowie an Softbank.

Berater Auto1
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar (Federführung), Krystian Czerniecki; Associates: Dr. Felix Ganzer, Maximilian Heufelder, Frederick Eggert (alle Kapitalmarktrecht)
Milbank (München): Dr. Norbert Rieger (Federführung), Dr. Christoph Rothenfusser, Dr. Sebastian Heim (alle Corporate), Dr. Matthias Schell (Steuern); Associate: Dr. Sebastian Reiner-Pechtl (Corporate)
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Timo Wilke (General Counsel), Jesco von Aufsess (Head of Legal Commercial), Johannes Schneider (Senior Legal Counsel Corporate)
Inhouse Steuern (Berlin): Christian Schröder (Head of Tax) 

Christoph Gleske

Christoph Gleske

Berater Banken
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Christoph Gleske (Federführung), Simone Bono (London), Kyle Miller; Associates: Daniel von Bülow, Laura Frühauf, Florian Liedl (beide Berlin), Claire Bradford Di Caro, John Haviland (alle Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (Deutsche Bank; Frankfurt): Joachim Schelm
Inhouse Recht (BNP Paribas; Frankfurt): Charles Eypper

Berater Softbank
Morrison & Foerster (Berlin): Dr. Dirk Besse (Federführung); Dr. Sebastian Schwalme; Associates: Patrick Barrett (London), Dr. Jasper Schedensack, Julian Gebauer(alle Corporate/M&A)

Berater Piton Capital und DN Capital 
Poellath (München): Dr. Eva Nase (Corporate- und Kapitalmarktrecht), Christian Tönies (beide Federführung), Dr. Sebastian Gerlinger (beide Private Equity/Venture Capital; München/Berlin); Associates: Dr. Sebastian Seier, Stefanie Jahn (beide Corporate- und Kapitalmarktrecht)

Berater DST Global (Investor)
Vogel Heerma Waitz (Berlin): Sabine Röth (Finanzierung), Dr. Linus Korherr, Dr. Frank Vogel (beide Corporate)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Sullivan und Milbank arbeiten regelmäßig bei Kapitalmarkttransaktionen zusammen, so etwa bei den Börsengängen von PharmaSGP 2020, Dermapharm 2018 oder schon Sixt Leasing 2015. Milbank übernimmt dabei gesellschafts- und steuerrechtliche Fragen, während sich Sullivan auf das Kapitalmarktrecht konzentriert. Milbank berät Auto1 bereits seit knapp drei Jahren in gesellschaftsrechtlichen Belangen. Aufsichtsratsmitglied und Gründer Hakan Koc und der bekannte Milbank-Partner Rieger kennen sich seit einigen Jahren.

Sullivan kam für Auto1 erstmals ins Mandat. Den Auto1-CFO Markus Boser kennt der hochrenommierte Sullivan-Partner Berrar allerdings noch aus dessen Zeit bei J.P. Morgan. Er war Lead Banker des Instituts beim Rocket Internet-IPO 2014, bei dem ein Team um Berrar der Emittentin zur Seite stand. Sullivan berät die Großinvestorin Softbank vor allem auf internationaler Ebene regelmäßig. In Deutschland setzte Softbank 2019 auf Sullivan, als sie bei Wirecard investierte. Der Deal kam später allerdings nicht wie geplant zustande.

Freshfields ist wie Sullivan eine der Marktführerinnen im Eigenkapitalmarktrecht. Das Team um Partner Gleske wird sowohl auf Banken- als auch Emittentenseite regelmäßig bei hochkarätigen Börsengängen mandatiert. Auch für Auto1 ist die Kanzlei regelmäßig tätig, vor allem im Gesellschaftsrecht und bei Finanzierungsfragen. Ein Team um die Berliner Corporate-Partnerin Dr. Stephanie Hundertmark beriet den Onlinehändler etwa im Jahr 2018 beim Einstieg der Softbank, die auch damals auf Morrison & Foerster vertraute. (Claudia Otto, mit Material von dpa)

Wir haben die Meldung am 28. Januar ergänzt.

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