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22.04.2021

Nächster Auto-IPO: MeinAuto fährt sich mit Latham und Sullivan warm

Die MeinAuto Group bereitet sich auf einen Börsengang noch im Mai vor. Mit einem erwarteten Bruttoemissionserlös von mindestens 150 Millionen Euro will der Online-Neuwagenhändler aus Oberhaching bei München vorwiegend den Markenauftritt stärken und den Fahrzeugbestand ausbauen. Laut Presseberichten wird das Unternehmen schon auf rund 2 Milliarden Euro bewertet.

Oliver Seiler

Oliver Seiler

Beim Börsengang sollen neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung angeboten werden, hinzu kommen Anteile von Altaktionären und eine mögliche Mehrzuteilungsoption. Über das geplante Gesamtvolumen des Angebots machte das Unternehmen zunächst keine Angaben. Größter Anteilseigner ist der britische Finanzinvestor Hg Capital.

Dieser wolle auch nach dem Börsengang an Bord bleiben, sagte MeinAuto-CEO Rudolf Rizzolli. Hg Capital wolle mit dem Verkauf von eigenen Anteilen ausreichende Liquidität für die Aktie bereitstellen. Der Großteil des auf das Unternehmen entfallenden Emissionserlöses soll ins Wachstum gesteckt werden, ein kleinerer Teil soll in den Schuldenabbau fließen.

Expansion auf den europäischen Markt

MeinAuto setzt darauf, dass der Online-Anteil am 70 Milliarden Euro schweren Neuwagenmarkt in Deutschland von derzeit rund 2 Prozent bis 2025 auf rund 15 Prozent zulegen wird. Die gute Entwicklung in Deutschland könne auch eine Blaupause sein für andere europäische Märkte.

Die MeinAuto Group ist eigenen Angaben zufolge in den vergangenen drei Jahren stark gewachsen und dabei mit Blick auf das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen profitabel. Eine Dividende sollten die Anleger in den kommenden Jahren aber wohl eher nicht erwarten. „Wir wollen auch auf absehbare Zeit weiter wachsen – was wir verdienen, wollen wir also auch in Wachstum reinvestieren“, sagte der CEO.

MeinAuto bietet auf seinen Plattformen im Netz mehr als 500 Neuwagenmodelle von 40 Marken. Der Schwerpunkt liegt auf Abo-Modellen für Neuwagen mit Serviceleistungen. 2020 erhöhte das Unternehmen die Zahl der aktiven Abonnenten auf 44.000 und wickelte über 39.000 Neuwagenbestellungen ab. Der um Sonderposten bereinigte Umsatz wuchs um 11 Prozent auf 212 Millionen Euro, das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um ein Viertel auf 38 Millionen Euro.

Berater Hg Capital/Meinauto
Latham & Watkins (Frankfurt): Oliver Felsenstein (Private Equity), Dr. Oliver Seiler, David Rath (beide Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt

Carsten Berrar

Carsten Berrar

Berater Banken
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Krystian Czerniecki (gemeinsame Federführung); Associates: Dr. Johannes Hieronymi, Moritz Reichenbach (alle Kapitalmarktrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Hg Capital ist eine langjährige Mandantin von Latham-Partner Felsenstein. Die Kanzlei hat den Private-Equity-Investor bereits beim Erwerb der Konzerngesellschaften von Mobility Holding (jetzt MeinAuto Group) beraten und wurde nun auch für den IPO zu Rate gezogen. Ein Team um Kapitalmarktrechtler Seiler ist aktuell auch beim IPO von Synlab bankenseitig mandatiert. 

Der renommierten Kapitalmarktpraxis von Sullivan & Cromwell dürfte bei der aktuellen Mandatierung geholfen haben, dass der CEO von MeinAuto, Rudolf Rizzolli, früher Vorstandsvorsitzender von Sixt Leasing war und ein Team um Partner Berrar dort schon den Börsengang begleitet hatte. Damals war Sullivan auf Seite der Emittentin. (Claudia Otto, mit Material von dpa)

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