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22.04.1999

Zweigleisig: Hasche und Sigle zusammen in europäischem Kanzleienverbund

Zum 1. Juli 1999 werden die Sozietäten Sigle Loose Schmidt-Diemitz und Hasche Eschenlohr Peltzer Riesenkampff Fischötter fusionieren. Hasche Sigle Eschenlohr Peltzer verbindet sich zugleich zu einer pan-europäischen Anwaltskanzlei, der unter der Bezeichnung CMS zukünftig sechs Sozietäten angehören werden. Daß Sigle Loose Schmidt-Diemitz ehrgeizige Wachstumspläne verfolgte, galt seit längerem als ausgemacht. Vor dem Hintergrund der langjährigen Verbindung der Stuttgarter Sozietät zur britischen Top-Ten-Kanzlei Cameron McKenna wartete die Branche nur darauf, hier von einer strategischen Allianz oder Fusion zu hören. Um so mehr überraschte es, als Ende April in Berlin zeitgleich sowohl die Bildung eines Kanzleienverbundes auf europäischer Ebene als auch eine Verschmelzung von Sigle mit Hasche Eschenlohr Peltzer Riesenkampff Fischötter bekanntgegeben wurde. Mit diesem Doppelschlag wird Hasche Sigle mit nun insgesamt 220 Anwälten in neun Büros zur wohl viertgrößten deutschen Sozietät aufsteigen. Zentrale und Steuersitz der Kanzlei wird Berlin sein, wo – wie auch an den Standorten Leipzig und Frankfurt – beide Fusionspartner Büros bereits unterhielten, die nun zusammengelegt werden sollen.
Auf europäischer Ebene gehören neben Cameron McKenna auch Derks Star Busmann Hanotiau (Niederlande/Belgien), Schlüter & Hald (Dänemark) Strommer Reich-Rohrwig Karasek Hainz (Österreich) und Tisell & Co (Schweden) zum neuen Verbund, dessen Mitglieder wie Hasche Sigle ihrem bisherigen Namen das Kürzel CMS voranstellen werden. Mit 1400 Anwätten und über 3000 Mitarbeitern an 31 Standorten will CMS nach eigenen Angaben künftig über DM 500 Mio. im Jahr erwirtschaften und damit in eine Position unter den weltweit größten Vereinigungen juristischer Dienstleister aufrücken.
Die CMS-Kanzleien streben dabei nach den Worten des Hamburger Partners Cornelius Brandi (Hasche) eine wirtschaftlich, organisatorisch und fachlich voll integrierte Sozietät an. Wie auch seitens der Sozietät freimütig eingeräumt wird, wird dazu noch ein schweres Stück Arbeit zu leisten sein. Nicht nur hat Hasche an seinem Stammsitz München die erst kürzlich aufgenommenen immerhin 21 Anwälte von Fiedler (dem ehemaligen Münchner Teil der zerbrochenen überörtlichen Sozietät Fiedler & Forster) zu integrieren. Auch die parallele Harmonisierung der nationalen Fusion und des internationalen Verbundes bedeutet eine doppelte Herausforderung. Zum Teil erheblich voneinander abweichende Gewinnverteilungssysteme müssen, wie es heißt, angeglichen werden. Als mögliches Problem sehen Beobachter außerdem die zu erwartende Gratwanderung zwischen Eigenständigkeit und Bündnistreue der einzelnen CMS-Mitglieder angesichts stark voneinander abweichender Sozietätsgrößen und einem entsprechend unterschiedlichen Gewicht innerhalb der Gruppe.
Gleichwohl bestreiten die neuen Partner, mit der Doppelfusion zuviel auf einmal zu wollen. „Wir sind seit langem im Gespräch gewesen“, unterstreicht mit Blick auf die deutschen Fusionspartner Dr. Rolf Schmidt-Diemitz, einer der Sprecher der neuen Sozietät. Durch die langjährigen Kontakte von Sigle zu Cameron McKenna und die große Erfahrung von Hasche Eschenlohr Peltzer Riesenkampff Fischötter im Umgang mit Fusionen (1990, 1995 und 1997) wisse man zudem sehr genau, vor welchen Aufgaben man stehe. „Es handelt sich keineswegs um einen Schnellschuß, unsere Fusion verläuft eher in einem gleitenden Übergang“, erklärt Schmidt-Diemitz weiter. So soll nach dem offiziellen Zusammengehen von Hasche und Sigle im Juli die wirtschaftliche Einheit der neuen Sozietät zeitversetzt erst zum l. Januar 2000 vollzogen werden. Diese Strategie eines schrittweisen Vorgehens gilt auch für den europäischen CMS-Verbund, dessen volle ökonomische Integration nicht überstürzt werden soll und wohl längere Zeit beanspruchen wird. Die nach belgischem Recht konstruierte „Partnerschaft von Partnerschaften“ sei zudem mit einer klaren Organisationstruktur versehen, die ihren Teil zum Zusammenwachsen beitragen soll. Als Garanten einer auf enge Konnmmikation gestützten Vernetzungsarbeit gelten eine Gesellschafterversammlung, ein Executive Committee und der vollzeit tätige Executive Partner Peter Lönnquist (Schweden), dem ein festes Budget von derzeit Euro 2 Mio. für Gemeinschaftsaufgaben zur Verfügung steht.
Auf fachlicher Ebene werden die spezialisierten Anwälte europaweit in 14 Practice Groups zusammenarbeiten. Ein sogenanntes „Secondment-Programm“ soll zudem gewährleisten, daß die Mitgliedskanzleien Mitarbeiter untereinander austauschen, um gemeinsam an grenzüberschreitenden Projekten arbeiten zu können, aber auch um bestehende Kulturunterschiede aktiv zu überbrücken.
Während die deutschen CMS-Mitglieder Hasche und Sigle auf nationaler Ebene zunächst keine weiteren Fusionspläne hegen und allenfalls in Nordrhein-Westfalen an den Standorten Köln oder Düsseldorf eine geographische Lücke schließen wollen, ist auf internationalem Parkett eine Komplettierung durch weitere Mitgliedskanzleien in Frankreich, Italien und Spanien vorgesehen.
Die Ausführungen der neuen Partner zum Motiv für einen Zusammenschluß in dieser Größenordnung erinnern in ihrem Tenor an einen Satz aus Tommaso di Lampedusas „Il Gattopardo“: Alles muß sich ändern, damit alles beim alten bleibt. Schiere Größe, so etwa Dr. Walter Sigle, Gründer und Seniorpartner von Sigle Loose Schmidt-Diemitz in Stuttgart, sei nicht als Selbstzweck zu betrachten, aber die gewandelten Bedürfnisse der Mandanten in einer immer komplexeren und zunehmend globalen Lebenswelt verlangten nach einer entsprechenden Bereitschaft zur Veränderung seitens der Anwaltskanzleien im Hinblick auf Größe und Transnationalität.
Bei der Mandatierung kämen Chefjustitiare von großen Unternehmen zudem immer öfter unter Rechtfertigungsdruck, wenn sie bei der Außenvergabe nicht auf die größten Kanzleien zurückgriffen, denn unter den Qualitätsmerkmalen einer Kanzlei spielten Größe und der dadurch begründete Ruf eine immer wichtigere Rolle. Auch die Güte des rekrutierbaren Nachwuchses, so Sigle weiter, hänge unmittelbar mit den auf Größe und Internationalität basierten Karrierermöglichkeiten innerhalb einer Sozietät zusammen. „Daß sich in Deutschland zwei starke Partner zusammentun und wir transnational mit den europäischen Partnern auf dem Weg zu einer Sozietät sind, ist unsere Antwort auf diese Entwicklung.“

Mitglieder von CMS
Kanzlei // Land // Berufsträger
Cameron McKenna // Großbritannien // über 800
Derks Star Busmann Hanotiau // Niederlande, Belgien // 250(NL)/30(B)
Hasche Sigle Eschenlohr Peltzer (ab 1.7.) // Deutschland // 220
Schlüter & Hald // Dänemark // 35
Strommer Reich-Rohrwig Karasek Hainz // Österreich // 23
Tisell & Co // Schweden // 35

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