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18.05.2006

Bank- und Finanzrechtscoup bei DLA: Fünf Partner kommen von Luther

Ein Großteil der Bank- und Finanzrechtpraxis von Luther wechselt zu den drei deutschen Büros von DLA Piper Rudnick Gray Cary. Unter der Führung von Dr. Wolfgang Richter (47) kommen insgesamt fünf Partner und voraussichtlich mehr als zehn Associates.
Als Partner verstärken neben Richter künftig Dr. Ulf Liebelt-Westphal (45), Peter Jark (41), Dr. Nina Siedler (36) und Antje Günther (37) die Bank- und Finanzrechtspraxis von DLA. Der Großteil des Teams schließt sich von Berlin aus dem Frankfurter DLA-Büro an, jeweils zwei Anwälte werden weiterhin von Hamburg und Köln aus tätig.

Richter war bislang sowohl Leiter der Luther-Finanzpraxis als auch des Berliner Büros. Bereits vor einiger Zeit war im Markt bekannt geworden, dass es interne Spannungen zwischen der Verbriefungspraxis von Richter und dem Luther-Management gab, daher kommt der jetzige Wechsel nicht unbedingt überraschend.

Luther-Managing Partner Dr. Stefan Kraus sprach gestern von einer sofortigen Trennung: „Auch wenn wir es bei anderen Partnerabgängen in der Regel anders gehandhabt hatten, haben wir Herrn Richter unverzüglich freigestellt.“ Bei den anderen Anwälten steht der Wechselzeitpunkt hingegen noch nicht fest. Dr. Ulrich Jüngst, Managing Partner von DLA Piper, drängt auf eine baldige Einigung: „Es ist mir unverständlich, dass man Leute an Kündigungsfristen festhalten will, die unbedingt weg möchten. Ich bin mir aber sicher, dass eine Lösung gefunden wird, sobald sich die erste Aufregung gelegt hat.“

Richter hatte für Luther zuletzt mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young eine dynamische Praxis bei Non-Performing-Loans aufgebaut und wurde gemeinsam mit E&Y regelmäßig im Rahmen von Verkäufer-Due-Diligences beauftragt. Zudem beriet das Team unter anderem im Sommer 2005 zusammen mit Hengeler Mueller die japanische Shinsei-Bank und den US-Investor JC Flowers, als diese mit der NordLB und WestLB eine gemeinsame Plattform für Problemkredite gründeten.

Darüber hinaus hat auch der ehemalige Leiter der Serviceline Real Estate Luther Mitte Mai endgültig verlassen. Der in Berlin ansässige Stefan Sihler (43) war bereits seit Januar in einem Sabbatical und kehrte nicht in die Kanzlei zurück. „Ich werde mich anderen unternehmerischen Tätigkeiten zuwenden und meine anwaltliche Arbeit sehr zurückfahren“, sagte er.

Seit 2001 war Richter im Berliner Luther-Büro tätig. In den vergangenen Jahren hatte die Kanzlei für ihr Finanzteam einige Anwälte von Frankfurter Finanzpraxen gewinnen können: Zuletzt stieß etwa Associate Antje Günther im Oktober 2005 von Mayer Brown Rowe & Maw zu Richters Team. Der jetzige Verlust eines Großteils des Teams ist für Luther daher ein schwerer Schlag. An Richters Stelle hat Kraus nun kommissarisch die Verantwortung für die Luther Service Line Finance übernommen, Dr. Robert von Steinau-Steinrück ist neuer Leiter des Berliner Büros.

DLA zählt derzeit zu den in Deutschland wie auch international sehr expansiven Kanzleien und rekrutierte in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Quereinsteiger. Das erste deutsche Büro hatte die Kanzlei nach der Auflösung der Allianz mit Görg Rechtsanwälte im Juli 2004 in Köln gegründet. Einen Monat später trat das Hamburger Görg-Büro hinzu. Im Herbst 2005 schließlich eröffnete die britische Kanzlei, die inzwischen mit der US-Sozietät Piper Rudnick fusioniert hatte, mit elf Anwälten von Coudert Brothers ein Büro in Frankfurt. Zudem kündigte DLA bereits an, dass sie auch in München aktiv werden will. (Aled Griffiths, Antje Neumann)

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