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21.08.2008

Gründungswelle: Nächste Corporate-Boutique startet in Hamburg

In Hamburg gründet sich erneut eine Kanzlei, deren Wurzeln auf Freshfields Bruckhaus Deringer zurückgehen. Unter dem Namen Corvel gehen ab September die Corporate-Anwälte Dr. Dirk Brockmeier (41), Dr. Sven Schubert (40), Dr. Philipp Jacobi (37) und Dr. Felix Brammer (36) zusammen.Brockmeier war zuletzt Partner bei der Hamburger MDP-Kanzlei Alpers & Stenger, wohin er im März 2005 von Freshfields gewechselt war.

Schubert kommt von Hilbrandt Rückert Ebbinghaus. Dem Freshfields-Spin-off hatte er sich im August 2006 angeschlossen, zuvor war er sechs Jahre lang bei der Großkanzlei, zuletzt wie Brockmeier als Senior beziehungsweise Principal Associate. Diesen Status haben derzeit auch noch Jacobi und Brammer, die ohne Umweg aus dem renommierten Hamburger Freshfields-Büro kommen.

Corvel geht als englische LLP an den Start. Schubert, der bereits seit Ende Juni nicht mehr bei Hilbrandt Rückert Ebbinghaus ist, hat seine Tätigkeit bereits aufgenommen, die anderen drei folgen zum September.

„Für uns alle war klar, dass wir uns auf das Transaktionsgeschäft fokussieren wollen“, sagte Schubert. „Dazu gehören M&A, Projektentwicklungen, Immobilien- und Private-Equity-Deals sowie Restrukturierungen, die wir jeweils auch international begleiten können.“ Die laufende gesellschaftsrechtliche Betreuung biete Corvel ebenfalls mit an, im Vordergrund solle jedoch die Transaktionsberatung stehen, so Schubert. Und Brockmeier ergänzte: „Dazu kam, dass wir als Partner die gleiche Beratungsphilosophie teilen und wir uns schon lange aus der Freshfields-Zeit kennen.“

In Hamburg gibt es bereits etliche kleinere Kanzleien, deren Corporate-Partner ihre Karriere bei Freshfields beziehungsweise deren Vorgängerkanzleien begonnen haben. Zu den prominenten Beispielen gehören Rittstieg und Löhde Leo Schmidt-Hollburg Witte (zum Teil auch von Luther).

In den vergangenen fünf Jahren haben wiederholt Freshfields-Associates eigene Kanzleien gegründet. Neben Hilbrandt Rückert Ebbinghaus entstanden so auch KAHB Rechtsanwälte (zum Teil von Schindhelm) und Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser. Als letzte Neugründung war mit KNPZ Rechtsanwälte eine IP-, IT- und Medienrechtsboutique entstanden: Prof. Christian Klawitter, langjähriger Freshfields-Partner, gründete gemeinsam mit den beiden Freshfields-Principal-Associates Dr. Kai-Uwe Plath und Dr. Mathias Zintler sowie Dr. Gerald Neben von Lovells eine eigene Kanzlei.

Hilbrandt Rückert Ebbinghaus war im August 2003 entstanden, als sich die beiden Senior-Asociates Peter Ebbinghaus und Dr. Tilman Rückert aus der Freshfields-Corporate-Praxis mit Dr. Christian Hilbrandt zusammenschlossen. Der Arbeitsrechtler Hilbrandt hatte Freshfields bereits 2001 im Zuge der englischen Fusion verlassen. Gut ein Jahr später erweiterte die Kanzlei ihren Fokus mit dem Kartellrechtler Lutz Marcus Becker, der von White & Case dazu kam. Der Weggang von Schubert bedeutet im Gesellschaftsrecht einen weiteren Verlust für die Kanzlei, nachdem Peter Ebbinghaus im März 2007 verstorben war. Zur zukünftigen Entwicklung bei Hilbrandt Rückert Ebbinghaus war aus der Kanzlei bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Bei Alpers & Stenger arbeiten nach Brockmeiers Ausscheiden noch sechs Partner, davon drei Rechtsanwälte und drei Steuerberater. Namenspartner Dr. Gernot Stenger bedauerte den Weggang von Brockmeier. „Ich kann aber auch verstehen, dass er seine Vorstellungen in einer eigenen Kanzlei umsetzen will.“ (Christine Albert)