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08.10.2009

Anwalt verhaftet: Bestechungsvorwürfe rund um Bau des WCC Bonn

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat vorgestern den 46-jährigen Anwalt Ha-Sung Chung mit Haftbefehl im Taunus festgenommen. Sie wirft ihm Bestechung im geschäftlichen Verkehr vor. Die Festnahme steht im Zusammenhang mit den Ermittlungen, die die Staatsanwaltschaft Bonn rund um die geplante Erweiterung des Internationalen Kongresszentrums Bundeshaus Bonn (IKBB), heute World Conference Center Bonn (WCCB), eingeleitet hat. Chung soll Geld gezahlt haben, um Vorteile beim Bau des Zentrums zu ziehen.

Das Großprojekt steht derzeit kurz vor dem Aus: Die Stadt Bonn hat die Projektverträge gekündigt, die Sparkasse KölnBonn hat Kredite fällig gestellt.
Informationen von JUVE zufolge hat Hengeler Mueller-Partner Dr. Reinhold Ernst im Auftrag der Stadt Bonn das Krisenmanagement übernommen und berät die Kommune umfassend bei der Restrukturierung des Projekts. Zudem hat sie den 37-jährigen Kölner Strafrechtsexperten Dr. Björn Gercke (Gercke & Wollschläger) hinzugezogen. Immobilienrechtlich setzt die ehemalige Bundeshauptstadt im Zusammenhang mit dem Bau des WCCB weiterhin auf Dr. Jürgen Lauer aus dem Kölner Büro von Loschelder.

Die Sparkasse KölnBonn hat für strafrechtliche Fragen nun vorsorglich den erfahrenen Prof. Dr. Jürgen Wessing von Wessing Rechtsanwälte in Düsseldorf mandatiert.

Der festgenommene Chung ist Namenspartner der Kanzlei Janolaw Chung Rechtsanwälte aus dem hessischen Sulzbach, die auf die Beratung internationaler, vor allem asiatischer Unternehmen in Deutschland spezialisiert ist. Zuvor war er bei Freshfields-Vorgängerin Bruckhaus Westrick Heller Löber in Düsseldorf tätig, ehe er 2000 gemeinsam mit Michael Zahrt, einem ehemaligen Anwalt von Graf von Westphalen und PwC Veltins, Janolaw Chung + Zahrt gründete. Namenspartner Zahrt stieg Ende 2007 aus der Kanzlei aus.

Im Frühjahr 2006 hatten Chung und Zahrt den koreanischen Investor SMI Hyundai beraten, der sich in einem Bieterverfahren um den WCCB-Bau durchgesetzt hatte. Für das Bauprojekt, das damals 139 Millionen Euro kosten sollte, gründete SMI Hyundai die Projektgesellschaft United Nations Congress Center (UNCC).

Chung soll neben Man-Ki Kim, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt, dann einer der Geschäftsführer der UNCC gewesen sein. Auch Kim soll wegen Betrugsverdacht gesucht werden. In seinem Auftrag stellte der Bonner Gesellschafts-und Steuerrechtler Dr. Christoph Schiemann (Hümmerich legal) inzwischen einen Antrag auf Insolvenz der UNCC, von der umstritten ist, wem sie überhaupt gehört.

SMI Hyundai hatte 94 Prozent der Anteile zwischenzeitlich für einen 10-Millionen-Euro Kredit an den israelischen Investor Arazim verpfändet, anschließend war mit dem südkorenisch-amerikanischen Investor Honua ein weiterer Geldgeber eingestiegen, der die Anteile ebenfalls für sich beansprucht (Bonn: Streit um die Eigentumsrechte an UNCC).

Chung soll Geld an den vor knapp einem Monat wegen Bestechlichkeit und Beihilfe zum besonders schweren Betrug verhafteten Dr. Michael Thielbeer gezahlt haben, um daraus Vorteile beim Bau des Kongresszentrums zu ziehen. Thielbeer, vertreten durch den Strafrechtler Joachim Albert aus Düsseldorf, ist ebenfalls Rechtsanwalt und einer der Geschäftsführer und Gesellschafter der WCCB Management GmbH, die sich um den laufenden Betrieb des alten Plenarsaals, des Wasserwerks und der Bonner Beethovenhalle kümmert.

Vorgestern stellte die WCCB Insolvenzantrag. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Christopher Seagon von der Kanzlei Wellensiek bestellt, der auch schon die Projektgesellschaft UNCC sowie SMI Hyundai als Generalübernehmerin verwaltet.
Zudem hat das Amtsgericht Bonn Dr. Jörg Nerlich von Görg in Köln als Zwangsverwalter über das Grundstück eingesetzt, auf dem der begonnene WCCB-Bau steht. Den Antrag dazu stellte die Stadtsparkasse Köln Bonn als Grundpfandrechtsgläubigerin.

Zeitweise in Haft war auch der WCCB-Generalübernehmer Young-Ho Hong, dessen Gesellschaft inzwischen ebenfalls insolvent ist und von Dr. Jörg Nerlich von Görg Rechtsanwälte zwangsverwaltet wird. Den Antrag dazu stellte die Stadtsparkasse Köln Bonn. Auch Hong wirft die Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit und Betrug vor. Hong, der mit Chung eng befreundet sein soll, wurde nach zwei Wochen im Gefängnis vor gut einer Woche gegen Kautionszahlung und unter Auflagen haftverschont. Zuvor soll er bei den Ermittlern Kooperationsbereitschaft gezeigt und eingeräumt haben, Gelder ohne Gegenleistung an Thielbeer gezahlt zu haben. Offenbar hatte er auch Chung belastet, gegen den zunächst keine Ermittlungen liefen. (Geertje Oldermann, Astrid Jatzkowski)

Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 07. Oktober 2009

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