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10.12.2010

HSH Nordbank: Ex-Vorstand Roth mit Kümmerlein rehabilitiert

Die HSH Nordbank ist in der Affäre um den Rauswurf ihres ehemaligen Vorstands Frank Roth zurückgerudert. Die Bank räumte ein, Roth im Frühjahr 2009 zu Unrecht geschasst zu haben und will Wiedergutmachung leisten.

Die Bank hatte Roth seinerzeit Geheimnisverrat vorgeworfen. Er sollte vertrauliche Dokumente an Dritte weitergegeben haben. Ein gegen ihn gerichtetes Ermittlungsverfahren hatte die Kieler Staatsanwaltschaft bereits vor einiger Zeit mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

Vor einigen Monaten ergaben sich Hinweise, dass bewusst gegen Roth agitiert worden war. Ermittelt wird in diesem Zusammenhang unter anderem gegen den seit Herbst freigestellten HSH-Chefjuristen Wolfgang Gößmann. Unklar ist bis jetzt, ob und in welchem Umfang der noch amtierende Vorstandsvorsitzende Dirk Nonnenmacher in die Vorgänge involviert war. Ein Nachfolger für Nonnenmacher soll, soweit bekannt, in der kommenden Woche vorgestellt werden. (Astrid Jatzkowski)

Berater Roth
Kümmerlein (Essen): Christian Althaus (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
Dr. Martin Meinberg (Gelsenkirchen) – aus dem Markt bekannt

Berater HSH Nordbank
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Auseinandersetzung mit Roth und ihre Beilegung ist nur eine Baustelle der HSH Nordbank. Die Landesbank sieht sich derzeit mit einer Fülle von Problemen konfrontiert: Neben Roth beschäftigt die Bank eine ganz ähnlich gelagerte Affäre in New York. Auch die enormen Verluste der sogenannten Omega-Deals werden nach wie vor aufgearbeitet. Hinzu kommen Auseinandersetzungen mit der Detektei Prevent, die auch in die Vorgänge um Roth involviert gewesen sein soll. Auch gegen dortige Verantwortliche laufen Ermittlungen.

Nach der Freistellung Gößmanns (mehr…), der als Chefjurist naturgemäß die Koordination aller Verfahren übernommen hätte, suchte sich die Bank externe Unterstützung. Dr. Klaus Landry, langjähriger Partner bei Graf von Westphalen in Hamburg, fungiert seitdem als Koordinator mit weitreichenden Befugnissen. Die Rechtsabteilung leitet derzeit kommissarisch HSH-Personalchef Stefan Brügmann.

Die HSH-Affären beschäftigen aber vor allem außerhalb des Unternehmens Heerscharen von Beratern: Freshfields Bruckhaus Deringer, Wilmer Hale, Latham & Watkins und KPMG sind oder waren auf Seiten des HSH-Vorstands und/oder des Aufsichtsrats tätig. Die Kanzlei Erbe hat ihre Arbeit inzwischen beendet. Sie teilte mit, sie sei im Hinblick auf die New Yorker Niederlassung der HSH mit einem Compliance Audit beauftragt gewesen. Schon bevor sie ihr Mandat erhielt, so die Kanzlei, beauftragte die Bank die Sicherheitsfirma Prevent.  Die Vorgänge in den Vereinigten Staaten wurden später von Wilmer Hale im Auftrag der Bank geprüft: Presseberichten zufolge stellt der Bericht fest, dass nach Ansicht der US-Ermittler gegen den dortigen Filialleiter vermutlich Beweise konstruiert wurden. Der Vorwurf richtet sich, so die Kanzlei Erbe, nicht auf ihre Tätigkeit.

Gößmann lässt sich vom Bonner Presserechtler Gernot Lehr von Redeker Sellner Dahs beraten, wer als strafrechtlicher Berater an seiner Seite steht, ist derzeit nicht bekannt. Daneben sind weitere Individualanwälte rund um den Komplex HSH Nordbank involviert: Dirk Nonnenmacher beschäftigt, soweit bekannt, neben dem Ahrensburger Strafrechter Prof. Dr. Heinz Wagner auch Hengeler Mueller-Partner Dr. Michael Hoffmann-Becking. Vorstand Bernhard Visker soll sich von der Kölner Strafverteidigerin Gaby Münchhalffen aus der Kanzlei Gatzweiler & Münchhalffen vertreten lassen. Der zweite Namenspartner Prof. Norbert Gatzweiler vertritt den ehemaligen Vorstand Peter Rieck.

Weitere ehemalige Vorstände der HSH, die wegen der Omega-Deals unter Beschuss sind, vertreten der angesehene Hamburger Verteidiger Otmar Kury, die ebenfalls in Hamburg ansässigen Strafrechtler Reinhard Daum (Ahlenstorf Scheffler Daum) und Wolfgang Prinzenberg (Prinzenberg Prien Sendler) sowie der anerkannte Berliner Verteidiger Prof. Dr. Alexander Ignor (Ignor & Partner). Inwieweit die Vorstände daneben weitere arbeits- oder gesellschaftsrechtliche Berater haben, ist nicht bekannt.

Der ehemalige Londoner Niederlassungsleiter Luis Marti-Sanchez, in dem die HSH bislang einen der Hauptverantwortlichen für das Omega-Debakel sieht, vertraut strafrechtlich auf Annette Voges aus der Hamburger Kanzlei Laufgraben.

Die Anwälte sind aus dem Markt bekannt.

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