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27.04.2016

Diversity: King & Spalding, Arqis und Willkie haben die buntesten Teams

Gut sieben Prozent der Berufsträger in Kanzleien haben einen Migrationshintergrund, so das Ergebnis einer azur-Erhebung bei Wirtschaftskanzleien aller Größenordnungen in Deutschland. Der Anteil ist damit fast doppelt so hoch wie in den oberen Rängen des öffentlichen Diensts.

Die azur-Redaktion hatte im Herbst 2015 nach Personen mit Migrationshintergrund entsprechend der Definition des Statistischen Bundesamts gefragt, also seit 1950 nach Deutschland zugewanderten Personen und deren Nachkommen. Auf die Frage, wie viele Anwälte in ihrem Haus ausländische Wurzeln haben, antwortete nur ein Teil der befragten Kanzleien.

Die azur-Erhebung bildet in diesem Punkt darum nur einen Ausschnitt des Marktes ab: 65 Kanzleien mit zwischen fünf und 240 Berufsträgern. Dazu gehören kleine Kanzleien und Boutiquen ebenso wie mittelgroße Einheiten, deutsche und internationale Großkanzleien (Anwälte mit Migrationshintergrund in Kanzleien)

Als bunteste Kanzleien im Markt können nach dieser Erhebung King & Spalding, Arqis und Willkie Farr & Gallagher gelten. Spitzenreiter in der Tabelle ist die stark auf den Immobiliensektor fokussierte US-Kanzlei King & Spalding, wo fast ein Drittel der deutschen Anwälte einen Migrationshintergrund hat. In den deutschen Arqis-Büros sind es mehr als ein Viertel. Das Tokioter Büro der Kanzlei, die einen Teilschwerpunkt im deutsch-japanischen Geschäft setzt, ist dabei nicht mitgerechnet. Am einzigen deutschen Standort der US-Transaktionskanzlei Willkie Farr in Frankfurt arbeiten über 20 Prozent Anwälte mit ausländischen Wurzeln.

Anteil in US-Kanzleien und kleinen deutschen Einheiten am höchsten

Auch auf den weiteren Rängen sind US-Kanzleien gut vertreten. Weit über dem Durchschnitt liegen etwa Debevoise & Plimpton, Shearman & Sterling, Orrick Herrington & Sutcliffe und Dechert, neben kleineren deutschen Sozietäten wie Greenfort, Kucera oder Waldeck. Unter den größeren Einheiten ab 50 Berufsträgern schneidet die britischstämmige Kanzlei Eversheds mit 12,3 Prozent am besten ab.

Die beiden größten hier gemessenen Kanzleien, Beiten Burkhardt und Redeker Sellner Dahs, liegen mit 4,2 und 4,6 Prozent ein gutes Stück unter dem Durchschnitt. Fast dem marktüblichen Mittel entspricht dagegen die Stuttgarter Traditionsadresse Menold Bezler mit 6,8 Prozent, die westfälische Mittelstandskanzlei Brandi liegt mit 9,1 Prozent sogar ein Stück darüber.

Insgesamt betrug der Anteil von Anwälten mit Migrationshintergrund in den betreffenden Sozietäten 7,3 Prozent. Verglichen etwa mit der Situation im öffentlichen Dienst ist dieser Anteil recht beachtlich: Laut dem letzten Mikrozensus des Statistischen Bundesamts hatten 2014 nur rund 3,8 Prozent der Beamten in Deutschland einen Migrationshintergrund. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt derzeit bei etwas über 20 Prozent. (Norbert Parzinger)

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