Artikel drucken
10.01.2020

Bader-Gruppe: Grenzüberschreitende Konzerninsolvenz mit Wellensiek und Anchor

Die schwäbische Bader-Gruppe hat für sechs ihrer sieben Gesellschaften Anträge auf Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Das Amtsgericht Neu-Ulm hat für die Unternehmen, fünf deutsche sowie ein ungarisches, die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Generalbevollmächtigter ist Matthias Krämer von Wellensiek, Sachwalter Professor Dr. Martin Hörmann von Anchor. Damit hat wohl erstmals ein deutsches Gericht ein Eigenverwaltungsverfahren über ein ungarisches Unternehmen eröffnet.

Matthias Krämer

Matthias Krämer

Für die Beteiligten und möglicherweise auch bundesweit ist dies die erste grenzüberschreitende Konzerninsolvenz, sagte der zuständige Richter Christof Hermann. Möglich ist dies durch die 2017 in Kraft getretene Europäische Insolvenzverordnung (EuInsVO).

Martin Hörmann

Martin Hörmann

Die betroffenen Gesellschaften der Maschinenbaufirma Bader beschäftigen bundesweit rund 520 und insgesamt über 1.000 Mitarbeiter. Im einzelnen handelt es sich um die Bader Holding, Bader GmbH (beide in Senden), Bader Gehäusebau in Babenhausen, Alvo Logistik- & Anpassungszentrum in Kamen und Wachau, Baltic Metall in Grevesmühlen sowie HB-Kapcsolószekrénygyártó im ungarischen Pécs.

Zu den bekannten Bader-Kunden zählen namhafte Maschinenbauer wie König & Bauer, Krones und Liebherr. Hauptursache der Insolvenz soll ein signifikant unter den Erwartungen gebliebener Umsatz im abgelaufenen Jahr sein. Genaue Zahlen hierzu liegen öffentlich noch nicht vor, der Umsatz der 1952 gegründeten Gruppe lag zuletzt bei rund 75 Millionen Euro.

Krämer wird dem Vernehmen nach kurzfristig in die Geschäftsführung der Gesellschaften berufen werden und will das Geschäft weiterführen. Bader selbst hat keine eigene Rechtsabteilung. Das Mandat kam über eine Empfehlung an Wellensiek. In Ungarn arbeiten die deutschen Sanierer mit dem in eigener Budapester Kanzlei tätigen Dr. Zoltán Tenk zusammen. Er wurde über das Netzwerk von Anchor empfohlen und leitete bis 2014 die Restrukturierungspraxis von Noerr. Die drei Anwälte sind allesamt erfahrene Restrukturierer. Hörmann war etwa 2019 Teil des Anchor-Teams, das den Insolvenzverwalter des Buchgroßhändlers KNV beriet. Der seit 2016 bei Wellensiek in Heidelberg aktive Krämer begann 2005 als Associate bei Beiten Burkhardt und war später mehrere Jahre inhouse tätig.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte sich Bader zunächst um eine außergerichtliche Sanierung bemüht und wurde dabei von einem Hamburger Team von Heuking Kühn Lüer Wojtek unterstützt. Federführend waren die Partner Dr. Lothar Ende (Gesellschaftsrecht) und Dr. Johan-Michel Menke (Arbeitsrecht), der von den Associates Dr. Arietta von Stechow und Timo Trefzger unterstützt wurde. Sie verhandelten über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. (Ludger Steckelbach)

  • Teilen