Artikel drucken
30.09.2016

Güterwaggons: Aves One übernimmt Schönherr- und Gleiss-Mandantin ERR

Aves One, ein Hamburger Anbieter von Logistikausrüstung, erwirbt den österreichischen Güterwaggon-Spezialisten ERR Rail Rent Vermietung und beteiligt sich zu einem Drittel an dessen deutscher Tochter. Ihr obliegt das Management des rollenden Materials. Der Kaufpreis beträgt 33,5 Millionen Euro. 

Sebastian Kühl

Sebastian Kühl

Den Vollzug der Transaktion erwarten die Beteiligten im Oktober. Er hängt von letzten Dokumentationsschritten in der Finanzierung und weiteren aufschiebenden Bedingungen ab.

Mit dem Erwerb gehen die 3.881 Waggons von ERR komplett auf Aves One über. Der Käufer selbst brachte nach Abschluss des Erwerbs 331 eigene Güterwaggons in den Bestand ein. Damit ist die Managementtochter ERR European Rail Rent in Duisburg für 4.212 eigene und knapp 90 fremde Einheiten zuständig. Neben Aves One bleiben die ehemaligen ERR-Manager Rainer Kunze und Jürgen Bauer an der Managementsparte beteiligt.

Bauer ist zudem im September in den Vorstand von Aves One eingezogen. Der 54-Jährige ist dort für den Bereich Rail Equipment verantwortlich.

Der Wert der Container und Waggons im Bestand der Aves One erhöht sich mit dem Zukauf auf 400 Millionen Euro. Den Umsatz bezifferte das Unternehmen für das erste Halbjahr 2016 auf 11,9 Millionen Euro, es beschäftigte Ende Juni 24 Mitarbeiter.

Berater Aves One
Huth Dietrich Hahn (Hamburg): Dr. Sebastian Kühl (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Johannes Brinkschmidt (Kartellrecht); Associate: Gianandrea Schmidt (Corporate/M&A)
Jakobljevich & Grave (Wien): Dr. Kordula Fleiss-Goll; Associate: Iris Kuntner (beide Due Diligence, letztere Rechtsanwaltsanwärterin)
Corinius
(Hamburg): Dr. Daniel Esklony (Finanzierung), Julian von Ilsemann (Corporate)
Barnert Egermann Illigasch
(Wien): Dr. Michael Raninger, Dr. Eric Hödl (Finanzierung)

Berater ERR/ERR-Gesellschafter
Schönherr (Wien): Dr. Alexander Popp (Federführung; Corporate/M&A); Associate: Miriam Simsa (Bank-/Finanzrecht, Kapitalmarktrecht)
Gleiss Lutz (München): Dr. Ralf Morshäuser, Roland Sterr, Steffen Carl (alle Corporate)

Berater DVB Bank
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Florian Klimscha (Bank-/Finanzrecht)

Alexander Popp

Alexander Popp

Hintergrund: Ab Oktober 2014 durchlief die ERR ein Insolvenzverfahren, aus dem das Unternehmen mithilfe einer komplexen Refinanzierung durch die DVB Bank in Höhe von 175 Millionen Euro herauskam. In der Folge hob das Handelsgericht Wien mit Zustimmung aller Gläubiger und einer 100-prozentigen Quote das Insolvenzverfahren im Juni 2015 auf. Ursache der Krise waren Zinsswapgeschäfte aus den Jahren 2007 und 2008. Bei den Gläubigern handelte es sich vor allem um sieben Banken, die den Erwerb von Waggons über Kredit- und Leasingverträge finanziert hatten.

Bereits vor und in diesem Verfahren beriet Schönherr-Partner Alexander Popp mit einem Team den Waggon-Anbieter ERR. Die DVB Bank begleitete schon damals Florian Klimscha von Freshfields. Als Insolvenzverwalterin war Dr. Ulla Reisch von Urbanek Lind Schmied Reisch tätig, Schuldnervertreter war Norbert Abel von der Kanzlei Abel & Abel.

Aves One betraute mit der Transaktion Sebastian Kühl von der Hamburger Kanzlei Huth Dietrich Hahn, der das Unternehmen regelmäßig bei Transaktionen und zu gesellschaftsrechtlichen Themen berät. Auf Grund des rollenden Materials als unterliegendem Asset und der vorausgegangenen Insolvenz gestaltete sich die Due Diligence auf Käuferseite aufwendig. In Österreich war dafür Kordula Fleiss-Goll von der Wiener Kanzlei Jakobljevich & Grave zuständig. Kühl und Fleiss-Goll hatten bereits ein Jahr zuvor in einer Transaktion mit eisenbahn- und finanzrechtlichen Komponenten zusammengearbeitet.

Für die Finanzierung zog der Käufer außerdem die Corinius-Partner Daniel Esklony und Julian von Ilsemann hinzu. Esklony berät Aves One ebenfalls regelmäßig bei Finanzierungen. In Österreich griffen die Hamburger Anwälte erstmals auf Michael Raninger und Eric Hödl von Barnert Egermann Illigasch zurück.

Die Münchner Gleiss Lutz-Partner um Ralf Morshäuser arbeiteten auf der Seite der Verkäufer an den Verträgen des Share-Deals nach deutschem Recht. Mit Schönherr kooperieren die Münchner Anwälte seit vielen Jahren, unter anderem bei den Verkäufen der Praktiker-Auslandsgesellschaften in Osteuropa. (Raphael Arnold)

  • Teilen