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07.10.2020

Zahlungsverkehr: Nationalbank gibt mit CMS Abwicklung an Payment Services Austria ab

Der Massenzahlungsverkehr in Österreich erhält eine neue Struktur. Die PSA Payment Services Austria wird 2021 als Shared-Services-Plattform den Betrieb des operativen Clearinggeschäfts von der Geldservice Austria (GSA) übernehmen, einer Beteiligungsgesellschaft der Österreichischen Nationalbank (OeNB).

Alexander Rakosi

Alexander Rakosi

Im Zuge des Asset-Deals entsteht nun ein neues Set-up der Marktinfrastrukturen für Konto-zu-Konto-Überweisungen in Österreich. Außerdem übertragen die OeNB und die heimischen Banken der PSA ihre Anteile an der Studiengesellschaft für Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr (Stuzza), ihrer Normierungs- und Beratungsorganisation. Die Zahlungssystemaufsicht bleibt bei der OeNB, ebenso die Kontrolle der sicheren Abwicklung aller Transaktionen als Settlement-Agent. An dem Projekt hatten Banken und Zahlungsdienstleister rund eineinhalb Jahre gearbeitet, am 30. September unterzeichneten sie schließlich die Verträge. 

Ziel der neuen Struktur ist es unter anderem, Echtzeitüberweisungen in Österreich voranzutreiben. Dazu plant PSA, in eine neue Bezahlplattform zu investieren. Die Nationalbank sieht die Basis gelegt für „einen friktionsfreien, schnellen und kundenfreundlichen Bezahlvorgang und eine effiziente, sichere und moderne Abwicklungsinfrastruktur“.

PSA entstand 2012 als Transaktionsdienstleister in Österreich und wickelte 2019 über 10 Millionen Bankomatkarten rund 900 Millionen Zahlungen ab. Deren Wert belief sich auf rund 47 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme des Zahlungsdienstleisters betrug knapp 164 Millionen Euro, der Gewinn rund 4,8 Millionen Euro. Die Zahl der Angestellten lag bei 50. Zu den wichtigsten Anteilseignern von PSA gehören die UniCredit Bank Austria, die Erste Bank, die Raiffeisen Bank International, die Bawag P.S.K. und die Volksbank Wien.

Sylvia Unger

Sylvia Unger

Berater Payment Services Austria
Unger (Wien): Sylvia Unger (Bank- u. Zahlungsverkehrsrecht); Associates: Peter Martin (Datenschutz), Bianca Holzer (IP), Christoph Fasching (Arbeitsrecht; beide Rechtsanwaltsanwärter)

Berater OeNB/GSA
CMS Reich-Rohrwig Hainz (Wien): Dr. Alexander Rakosi (Federführung), Dr. Clemens Grossmayer (beide Corporate/M&A), Dr. Dieter Zandler (Kartellrecht), Dr. Sibylle Novak (Steuerrecht), Stefan Paulmayer (Bank- und Finanzrecht), Dr. Andrea Potz (Arbeitsrecht), Robert Keisler (Öffentl. Recht), Dr. Egon Engin-Deniz, Hans Lederer (beide IP/Commercial); Associates: Florian Mayer, Linda Marterer, Matthias Emich (beide Rechtsanwaltsanwärter; alle Corporate/M&A), Marlene Wimmer-Nistelberger, Vanessa Horacek (Rechtsanwaltsanwärterin; beide Kartellrecht), Dr. Johannes Scharf, Andreas Lichtenberger (Rechtsanwaltsanwärter; beide Datenschutz/IT)
Inhouse Recht (Wien): Dr. Christian Butschek (stellvertretender Rechtsabteilungsleiter), Daniela Wehlend, Martin Schmid

Hintergrund: Die Payment Services Austria setzte auf Sylvia Unger, die den Transaktionsdienstleister seit Bestehen betreut. Die Wiener Anwältin ist auf Bankrecht und unbaren Zahlungsverkehr spezialisiert, daneben berät sie schwerpunktmäßig in gesellschafts- und arbeitsrechtlichen Fragen. Bevor Unger 2011 ihre eigene Kanzlei gründete, war sie Rechtsanwältin und später Partnerin bei Bichler Zrzavy. Steuerlich begleitete BDO Austria aufseiten von PSA die Transaktion.

CMS-Partner Rakosi führte das interdisziplinäre Team an der Seite der Österreichischen Nationalbank. Neben den Corporate/M&A-Anwälten waren insbesondere die Kartellrechtler und IP/IT-Experten der Kanzlei gefragt. Der Wiener M&A-Partner berät regelmäßig Banken bei komplexen Transaktionen, unter anderem stand er 2019 der Heta beim Verkauf des ehemaligen Kroatiengeschäfts zur Seite. Mit Stefan Paulmayer, der Anfang des Jahres zu CMS zurückgekehrt war, hatte er zudem einen auf neue Technologien spezialisierten Bank- und Finanzrechtler im Team.

CMS war hier erstmals für die OeNB tätig, das Mandat kam über eine Empfehlung zustande. Steuerlich ließen sich die Bank und ihre Beteiligungsgesellschaft von KPMG beraten. (Annette Kamps)

Der Artikel wurde am 8.10.2020 ergänzt.

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