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03.07.2008

Plus-Übernahme: White & Case erreicht für Edeka Einigung mit Kartellamt

Der zwischen Edeka und Tengelmann vereinbarte Kauf der Plus-Märkte, die Edeka mit ihren Netto-Discountmärkten zusammenführen will, ist nach langer Prüfung am Dienstag doch noch vom Bundeskartellamt freigegeben worden.

Allerdings hat die Behörde eine Reihe von Bedingungen formuliert, die vorher erfüllt werden müssen, um sicher zu stellen, dass der Zusammenschluss (Dealmeldung…) der beiden großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler keine negativen Effekte auf den Wettbewerb hat. Tengelmann muss deshalb jetzt knapp 400 Plus-Märkte in Regionalmärkten verkaufen, in denen die Wettbewerbsbehörde eine zu starke Marktkonzentration festgestellt hat. Der dafür zunächst gesetzte Zeitraum beträgt ein halbes Jahr.

Ganz abgelehnt wurde eine von Edeka und Tengelmann geplante Beschaffungskooperation, die es den Unternehmen ermöglichen sollte, ihre Einkaufsmacht zu bündeln. Zu dem Verfahren hatten sich die Wettbewerber Rewe und Norma beiladen lassen, ebenso von Lieferantenseite der US-Konzern SC Johnson, der unter anderem für die Marken Paral, Autan und Stahl-Fix bekannt ist. (Antje Neumann)

Vertreter Edeka
White & Case (Hamburg): Dr. Börries Ahrens, Dr. Justus Herrlinger (beide Kartellrecht)

Vertreter Tengelmann
Hermanns & Brück (Meerbusch): Dr. Ferdinand Hermanns, Johann Brück (beide Kartellrecht)
Shearman & Sterling (Düsseldorf): Dr. Jürgen Meyer-Lindemann (Kartellrecht)
Inhouse (Mülheim a.d. Ruhr): Dr. Frank Hartmann, Helmut Klawitter

Vertreter Rewe (Beigeladene)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Köln): Andreas Röhling; Associates: Dr. Florian Haus, Stefanie Alexander (alle Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Köln): Volker Dürschlag (Leiter Rechtsabteilung)

Vertreter Norma
Fries (Nürnberg): Nicht bekannt

Vertreter SC Johnson (Beigeladene)
Glade Michel Wirtz (Düsseldorf): Dr. Markus Wirtz; Associates: Edgar Panizza, Silke Möller (alle Kartellrecht)

Bundeskartellamt, 2. Beschlussabteilung
Birgit Krüger (Vorsitzende)

Hintergrund: Edeka vertraute schon wiederholt auf White & Case, so etwa beim Kauf der jetzt auch viel diskutierten Netto-Märkte und beim Verkauf von mehr als 100 Baumärkten der Marktkauf-Tochter an Rewe, die die Baumarktkette Toom betreibt. Diesen Erwerb hatte die Rewe-Rechtsabteilung seinerzeit ohne externe Anwälte betreut. Doch arbeitete der Konzern schon öfters auch mit dem Kölner Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer zusammen, zuletzt etwa beim Kauf der Extra-Märkte aus der Metro-Gruppe. Beim jüngsten Erwerb der österreichischen Handelsgruppe Adeg wurde dagegen rechtlich von der Wiener Kanzlei Kuhn & Vanis sowie in kartellrechtlicher Hinsicht durch Götz Drauz aus dem Brüsseler Büro von Howrey begleitet.

Im Mai war der frühere Leiter der für die Bereiche Lebensmittel und Handel zuständigen Beschlussabteilung Dr. Hans-Jürgen Ruppelt zu White & Case gewechselt. Beobachter sprechen davon, dass es nach dem personellen Wechsel zu Birgit Krüger auch einen Richtungswechsel im Sinne einer strengeren Betrachtung des Zusammenschlussvorhabens gegeben habe.

Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 1. Juli 2008

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