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17.10.2011

Überlebenskampf: Ferrostaal sucht mit Inhouse-Team und Gleiss Befreiungsschlag

Der durch eine Schmiergeldaffäre belastete Essener Industriedienstleister Ferrostaal versucht bei der Aufarbeitung der Vergangenheit den Befreiungsschlag. Das gegen ihn laufende Strafverfahren will der Konzern nun außergerichtlich beilegen. Ferrostaal erklärte sich bereit, 149 Millionen Euro zu zahlen.  Zudem sichern Bürgschaften, für die der Mehrheitseigentümer International Petroleum Investment Company (IPIC) gegenüber den Ferrostaal-Hausbanken einsteht, eine weitere Liquidität von 130 Millionen Euro.

Andreas Pohlmann

Ferrostaal-Manager sollen über die Jahre hinweg Behörden in Griechenland und Portugal für Aufträge im U-Bootgeschäft mit Schmiergeld bezahlt haben. Ursprünglich sollte das Unternehmen deswegen 177 Millionen Euro zahlen. Im Frühsommer hatte das Landgericht München dann einen Einigungsvorschlag gemacht. Das jetzige Einlenken Ferrostaals gilt als Zeichen, das Kapitel Korruptionsaffäre endgültig beenden zu wollen. Allerdings müssen das Gericht und die Staatsanwaltschaft noch zustimmen

Durch die Korruptionsaffäre war Ferrostaal in existenzielle Schwierigkeiten geraten, denn wichtige Kunden sprangen ab und ein Dauerstreit unter den Eigentümern belastet seither die Unternehmensführung. Mit 70 Prozent hält der Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi seit 2008 die Mehrheit, zuvor war der Münchner Maschinenbauer MAN Haupteigentümer.

Michael Arnold

Für die 149 Millionen Euro will Ferrostaal Berichten zufolge mit seinem seinerzeit abgeschöpften Gewinn selbst aufkommen, zudem erhält das Unternehmen bei Kreditzusagen unerwartet Hilfe vom Mehrheitseigner IPIC. Dieser erklärte sich vergangene Woche bereit, für die Hälfte der Garantielinien von aktuell 259 Millionen Euro gegenüber den Ferrostaal-Banken zu bürgen. Ferrostaal sichert dies eine Liquidität von 130 Millionen Euro und Zeit, eine weitere Unternehmensstrategie zu entwickeln. IPIC hatte die frühere Haupteigentümerin MAN zuvor aufgefordert, sich ebenfalls an an der Bürgschaftszusage zu beteiligen. Doch der Maschinenbauer verweigert die Zusage.

Parallel zieht sich die Auseinandersetzung zwischen den Anteilseigenerinnen IPIC und MAN weiter hin. IPIC hat eine Schiedsklage bei der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) eingereicht und verlangt wegen des Korruptionsskandals Schadensersatz von MAN. Zwischenzeitlich stand auch die Rückabwicklung des gesamten Kaufs im Raum.

Berater Ferrostaal
Inhouse (Essen): Dr. Andreas Pohlmann (Vorstand Korruptionsbekämpfung und Compliance), Dr. Thomas Sonnenberg (General Counsel; beide Federführung), Dr. Jens Kellerhoff
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Michael Arnold (Gesellschaftsrecht), Dr. Hansjörg Scheel (Compliance und Versicherungsrecht; beide Federführung), Dr. Michael Marquardt (Steuer- und Bilanzrecht; Frankfurt), Dr. Detlef Bauer (Gesellschaftsrecht), Dr. Andreas Spahlinger (Restrukturierung), Dr. Cornelius Götze (Gesellschaftsrecht; beide Frankfurt), Dr. Fred Wendt (Gesellschaftsrecht/M&A; Hamburg); Associates: Dr. Vera Rothenburg, Dr. Eike Bicker, Dr. Matthias Gärtner, Dr. Thomas Wenninger, Martin Grabolle, Dr. Daniel Lieber (alle Gesellschaftsrecht), Dr. Ulrike Bär (Frankfurt), Dr. Cindy Lahusen (beide Steuer- und Bilanzrecht), Dr. Matthias Tresselt (Restrukturierung), Dr. Christine Recknagel (Gesellschafts- und Versicherungsrecht), Dr. Joachim Bielitz (Wirtschaftsstrafrecht), Christian Ziegler (Gesellschaftsrecht, Dokumentenverwaltung) – wegen weltweiter Compliance-Untersuchung und wegen Aufsichtsratssitzung
von Galen Gaigl Möllmann Bertke von Schlieffen (Berlin): Dr. Margarete Gräfin von Galen – aus dem Markt bekannt
Prof. Dr. Klaus Volk (München) – aus dem Markt bekannt

Berater IPIC
Shearman & Sterling (Düsseldorf): Georg Thoma, Dr. Harald Selzner, Dr. Martin Neuhaus, Dr. Markus Rieder (alle Gesellschaftsrecht/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater MAN
SZA Schilling Zutt & Anschütz (Mannheim): Prof. Dr. Jochem Reichert (Federführung), Dr. Stephan Brandes (beide Gesellschaftsrecht/Prozesse und Schiedsverfahren), Dr. Hans-Georg Berg, Dr. Rolf Schmich (beide Steuerrecht; Frankfurt);  Associates: Dr. Kristin Ullrich (Prozesse und Schiedsverfahren), Dr. Dirk Reidenbach (Frankfurt), Dirk Böttcher, Dr. Florian Schumacher, Dr. Kristian Stange (alle Gesellschaftsrecht)

Berater Banken: Nicht bekannt

DIS-Schiedsverfahren

Vertreter IPIC
Schmitz & Partner (Frankfurt): Dr. Bernd-Wilhelm Schmitz, Stephan Kleemann, Sebastian Wiendieck (alle Prozesse und Schiedsverfahren)
Shearman & Sterling (München): Dr. Markus Rieder – aus dem Markt bekannt

Vertreter MAN
SZA Schilling Zutt & Anschütz (Mannheim): Prof. Dr. Jochem Reichert (Federführung), Dr. Stephan Brandes (beide Gesellschaftsrecht/ Prozesse und Schiedsverfahren), Dr. Hans-Georg Berg, Dr. Rolf Schmich (beide Steuerrecht; Frankfurt);  Associates: Dr. Kristin Ullrich (Prozesse und Schiedsverfahren), Dr. Dirk Reidenbach (Frankfurt), Dirk Böttcher, Dr. Florian Schumacher, Dr. Kristian Stange (alle Gesellschaftsrecht)

DIS-Schiedsgericht: Nicht bekannt

Hintergrund: Der gesamte Ferrostaal-Komplex beschäftigt eine Vielzahl von Kanzleien. In der ursprünglichen Transaktion vertrat Shearman den Käufer IPIC, MAN setzte seinerzeit auf Milbank Tweed Hadley & McCloy (mehr…). Shearman bleibt dabei die Konstante in der jüngeren Unternehmensgeschichte, denn ihr Düsseldorfer Partner Geog Thoma lenkt als Vorsitzender des Ferrostaal-Aufsichtsrats die Geschicke beim Anlagenbauer. Auch in dem DIS-Schiedsverfahren tritt Shearman neben der Frankfurter Litigation-Boutique Schmitz als Co-Counsel für IPIC auf. Schmitz war im Sommer 2009 als Spin-off von Latham & Watkins gestartet.

In den aktuellen Entwicklungen kommt aber auch den Unternehmens-Juristen von Ferrostaal eine immer wichtigere Rolle zu: Dr. Andreas Pohlmann, seit vergangenem Jahr Vorstand für Korruptionsbekämpfung und Compliance, tritt laut externen Beratern sehr stark in Erscheinung. Vor seinem Wechsel war Pohlmann CCO bei Siemens (mehr…). Zudem hat das Unternehmen seit Herbst 2010 auch eine neue Spitze der Rechtsabteilung: Dr. Thomas Sonnenberg kam von Sal. Oppenheim (mehr…).

Etwa zum gleichen Zeitpunkt kam Gleiss Lutz als Beraterin für die weltweite Compliance-Untersuchung bei Ferrostaal ins Boot. Ein großes Team um die beiden Stuttgarter Partner Michael Arnold und  Hansjörg Scheel nimmt die Interessen des Essener Unternehmens wahr. Sie bereiten etwa Aufsichtsratssitzungen und die Hauptversammlung vor und vertreten Ferrostaal in Anfechtungsklagen sowie bei den nun aufkommenden Finanzierungsfragen.

Dass in diesem Compliance-Komplex Gleiss mandatiert wurde, überrascht nur auf den ersten Blick, denn die Gleiss-Prozesspraxis hat  langjährige Erfahrung bei Compliance-Untersuchungen. Neben der WP-Gesellschaft KPMG war Gleiss etwa schon 2009 für die Deutsche Bahn bei den Untersuchungen zum Berliner S-Bahn-Skandal tätig (mehr…). Neben Gleiss vertraut Ferrostaal bei ihrer internen Untersuchung in anderen Fragen seit  Längerem auf Heuking Kühn Lüer Wojtek, Debevoise & Plimpton sowie Ernst & Young. (Marcus Jung)

 

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