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24.07.2013

HSH Nordbank: Verhandlung gegen Ex-Vorstände beginnt mit Verteidiger-Großaufgebot

Seit heute läuft die Hauptverhandlung gegen sechs ehemalige Vorstände der HSH Nordbank vor dem Landgericht Hamburg. Die Anklage wirft ihnen Untreue in einem besonders schweren Fall vor, zwei Angeklagte müssen sich zudem wegen Bilanzfälschung verantworten.

Otmar Kury

Otmar Kury

Auf der Anklagebank sitzen die beiden ehemaligen Vorstandvorsitzenden Dirk Nonnenmacher und Hans Berger sowie die früheren Vorstände Jochen Friedrich, Peter Rieck, Bernhard Visker und Hartmut Strauß. Erstmals findet sich eine gesamte Vorstandsriege vor einer Strafkammer wieder.

Es geht um die sogenannten Omega-55-Geschäfte aus dem Jahr 2007. Durch die Transaktionen soll der HSH ein Schaden in dreistelliger Millionen-Höhe entstanden sein. Die Vorstände, so der Vorwurf, gingen das Geschäft ein, obwohl sie um das unvertretbar hohe Risiko wussten. Die Bank geriet letztlich derart in Schieflage, dass sie mit massiven Hilfen der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden musste. Beide Länder setzten auch Untersuchungsausschüsse ein.

Die BaFin verhängte bereits eine hohe Strafe gegen die Bank, da die Transaktionen ihr gegenüber verheimlicht wurden. Das hatte der NDR öffentlich gemacht.

Das Landgericht hat 40 Verhandlungstage angesetzt. Mit einer Entscheidung ist demnach erst im kommenden Jahr zu rechnen. Nonnenmacher müsste im Fall einer Verurteilung auch die millionenschwere Abfindung der HSH zurückzahlen.

Vertreter Dirk Nonnenmacher
Prof. Dr. Heinz Wagner (Ahrensburg)
Gerald Goecke (Kiel)

Vertreter Hans Berger
Otmar Kury (Hamburg)

Vertreter Jochen Friedrich
Prinzenberg Prien & Partner (Hamburg): Wolfgang Prinzenberg, Christian Block

Vertreter Peter Rieck
Gatzweiler & Münchhalffen (Köln). Prof. Norbert Gatzweiler
Dr. Berit Kann (Hamburg)

Vertreter Bernhard Visker
Gatzweiler & Münchhalffen (Köln): Gaby Münchhalffen
Mramor & Partner (Hamburg): Kathrin Schulz

Vertreter Hartmut Strauß
Ahlenstorf Scheffler Daum (Hamburg): Reinhard Daum
Freyschmidt Frings Pananis Venn
(Berlin): Nikolai Venn

Staatsanwaltschaft Hamburg
Karsten Wegerich (Staatsanwalt)

Landgericht Hamburg, 8. Große Strafkammer
Dr. Marc Tully (Vorsitzender Richter)

Alle Verteidiger sind aus dem Markt bekannt.

Hintergrund: Bei Anklageerhebung war die Verteidigerriege noch bedeutend überschaubarer (mehr…). Fast allen Angeklagten stehen inzwischen sicherheitshalber zwei Verteidiger zur Seite. Auch Kury soll partiell mit einem weiteren Anwalt zusammenarbeiten.

Fast alle Anwälte sind erfahrene Verteidiger, wobei insbesondere der Hamburger Kury sowie die Kölner Gatzweiler und Münchhalffen bundesweit bekannt sind. Gatzweiler und Münchhalffen sind seit geraumer Zeit in eine Reihe von Bankverfahren involviert, darunter auch die um HVB und um Sal. Oppenheim. Venn trat zuletzt an der Seite eines ehemaligen SachsenLB-Vorstands prominent in Erscheinung (mehr…).

Auch Kann ist in der Szene keine Unbekannte: Sie gehörte vor Jahren zu dem großen Bayer-Verteidigerteam im Lipobay-Verfahren (mehr…). Wagner wiederum war Strafrechtsprofessor an der Universität in Kiel, hat mit Goecke aber nun einen routinierten Verteidiger an seiner Seite.

Die HSH ist langjähriger Mandant von Freshfields Bruckhaus Deringer. Schon vor Längerem hatte die Kanzlei ein Gutachten für die Bank erstellt, das sich mit den Omega-Geschäften auseinandersetzte. Soweit bekannt, kamen die Anwälte seinerzeit zu dem Ergebnis, dass den Managern jedenfalls kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen sei. (Astrid Jatzkowski)

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