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22.02.2017

Abgasaffäre: Audi wehrt sich mit Beiten-Spin-off Bluedex gegen Ingenieursklage

Am Arbeitsgericht Heilbronn wird derzeit ein wichtiger Teil des Abgasskandals aufgearbeitet. Ein inzwischen gekündigter Audi-Motorenentwickler klagt dort auf Wiedereinstellung (Az. 5 Ca 219/16). Dabei geht es auch um die Frage, wer die Verantwortung für den jahrelangen Betrug trägt: die Ingenieure oder das Management? Einen Etappensieg trug nun Audi davon: Vor Gericht wurden vertrauliche Unterlagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen.

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Christian Bitsch

Ulrich Weiss leitete seit 2011 am Audi-Standort Neckarsulm die Entwicklung der Dieselmotoren. Im November 2015 wurden nach Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe Weiss und weitere hochrangige Ingenieure von Audi und Volkswagen freigestellt.

Die Vorstände und Top-Manager der Autokonzerne bestreiten bislang, von den Abgasmanipulationen gewusst zu haben, bevor diese allgemein bekannt wurden. Da von den Verantwortlichkeiten vieles abhängt, unter anderem milliardenschwere Klagen von Anlegern, geizt man bei Audi und Volkswagen sehr mit Informationen aus dem Untersuchungsbericht von Jones Day – und versucht, allzu detaillierte Veröffentlichungen zu vermeiden.

In Heilbronn gelang es Weiss zunächst noch, eine E-Mail vor Publikum verlesen zu lassen, die möglicherweise Audi-Chef Rupert Stadler belastet. Weitere interne Unterlagen wurden aber auf Antrag von Audi unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen. Ob Weiss weiter beschäftigt werden muss, will das Arbeitsgericht bis zum 10. März entscheiden.

Die Klage hat im Rahmen eines Einstweiligen Verfügungsverfahrens bereits eine Vorgeschichte. Weiss hatte in der vergangenen Woche am Landesarbeitsgericht in Stuttgart das einstweilige Verfahren zu seiner Wiedereinstellung verloren und kassierte dabei auch noch seine fristlose Kündigung von Audi wegen „grober Pflichtverletzung“ (Az. 5 Ga 3/16 und Az. 21 SaGa 1/16). 

Berater Ulrich Weiss
Haver & Mailänder (Stuttgart): Dr. Hans-Georg Kauffeld (Dispute Resolution), Dr. Jörg Richardi (Arbeitsrecht)

Berater Audi
Bluedex (Frankfurt): Dr. Christian Bitsch, Michael Fausel (beide Federführung); Associates: Dr. Elena Heimann, Felix Müller (beide Arbeitsrecht)
Inhouse Recht (Ingolstadt): Marc Kaiser (Leiter Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt

Arbeitsgericht Heilbronn, 5. Kammer
Carsten Witt (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Mit Bluedex vertraut Audi auf den jungen Beiten Burkhardt-Spin-off, der erst zum Januar in Frankfurt an den Start gegangen ist. Bitsch, Fausel und Christoph Herrmann, alle zuvor Salary-Partner bei Beiten, hatten sich mit zwei Associates selbstständig gemacht. Bitsch und Fausel haben bereits unter Beiten-Flagge die Wiedereinstellungsklage von Weiss für Audi abgewehrt und sind nun weiterhin mit einigen arbeitsrechtlichen Mandaten im Zusammenhang mit der Dieselaffäre betraut. Darüber hinaus berät Bluedex die Ingolstädter jedoch auch jenseits des Abgasskandals vor Gericht im Arbeitsrecht und zu allgemeinen arbeitsrechtlichen Fragen.

Auch CMS Hasche Sigle, die mit einem großen Team für Volkswagen und Audi in unterschiedliche Bereiche bei der Aufarbeitung der Abgasaffäre eingebunden sind, berät Audi bei arbeitsrechtlichen Fragen. 

Ulrich Weiss vertraut nach JUVE-Informationen seit vergangenem Frühjahr auf die beiden Haver & Mailänder-Partner Kauffeld und Richardi. Vorher soll die Frankfurter Kanzlei Sachse mit dem Mandat betraut gewesen sein. Eckhard Sachse vertritt nach Marktinformationen auch den geschassten Audi-Entwicklungsvorstand Dr. Stefan Knirsch. (Christiane Schiffer)

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