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09.02.2018

Oktoberfestparty: Ehemaliger Linklaters-Partner zu Freiheitsstrafe verurteilt

Drei Jahre und drei Monate Haft wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung: So lautet das Urteil gegen den ehemaligen Linklaters-Steuerrechtspartner heute am Landgericht München I. Der Staatsanwalt hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert. Die Anwälte von Thomas E. kündigten an, in Revision zu gehen.

Damit geht ein Prozess zu Ende, der sich seit dem Sommer vergangenen Jahres hinzog und alleine 20 Tage für die Beweisaufnahme verschlang (Az: 19 KLs 451 Js 115945/15). Der Prozess beleuchtete die Geschehnisse nach einer Linklaters-Oktoberfestparty im September 2014. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Steuerrechtspartner Thomas E. nach dem Wiesn-Besuch eine studentische Hilfskraft im Garten eines griechischen Restaurants vergewaltigt hatte. Später an diesem Abend hatte ein Litigationpartner der Kanzlei ihm deswegen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Im Vorjahr war dieser bereits wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt worden und ging später in Revision. Er war es auch, der seinen ehemaligen Kollegen wegen Vergewaltigung der Studentin angezeigt hatte. Beide Partner verließen kurze Zeit nach dem Vorfall die Kanzlei. 

Die Vorsitzende Richterin hielt Thomas E. in ihrer zweieinhalbstündigen Urteilsbegründung zugute, dass er nicht vorbestraft ist, Alkohol im Spiel war und seine Familie durch die Vernichtung seiner beruflichen Existenz sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das alles reiche aber nicht für einen minder schweren Fall, so das Gericht. Thomas E. hätte die Vergewaltigung während des gesamten Prozesses bestritten, um sein Gesicht vor der Öffentlichkeit, seinen ehemaligen Linklaters-Partnern und seiner Frau zu wahren, so das Gericht. Das Opfer habe deswegen mehrere Stunden lang aussagen müssen. Ihre Aussagen seien in jeder Hinsicht glaubhaft gewesen, während sich E. massiv in Widersprüche verwickelt hätte. Völliges Unverständnis äußerte die Richterin für seine fehlende Bereitschaft zu einem Täter-Opfer-Ausgleich. In Kombination mit einem Geständnis und einer Entschuldigung hätte dies zu einer Bewährungsstrafe geführt, hieß es.

Im Verlauf der Beweisaufnahme waren rund 40 Zeugen geladen, darunter mehrere Linklaters-Anwälte. Direkt zum Prozessauftakt saß der damalige Senior-Partner der Kanzlei, Dr. Carl-Peter Feick, im Zeugenstand. Unter seiner Leitung fand die erste Gesprächsrunde mit allen Beteiligten bei Linklaters in München statt. Eine interne Ermittlung war von der Londoner Litigation-Partnerin Christa Band geführt worden. Diese Gesprächsrunden und die interne Untersuchung waren von den Anwälten des Beschuldigten und der Nebenklägerin als unprofessionell scharf kritisiert worden. Auch Band, Thomas Schmidt, Dr. Rainer Traugott, Prof. Dr. Jens Blumenberg und Dr. Rainer Stadler hatten im Prozess als Zeugen ausgesagt.

Vertreter Thomas E.
Stevens Betz Müller Zenger (München): Dr. Alexander Stevens, Dr. Alexander Betz, Florian Zenger

Vertreter Nebenklägerin
von Máriássy Dr. von Stetten (München): Dr. Annette von Stetten

19. Strafkammer des Landgerichts München I
Elisabeth Ehrl (Vorsitzende Richterin), Dr. Martin Kober (Beisitzer)

Staatsanwaltschaft München I
Silke Bierl, Markus Michel, Ralf Bohmann (Staatsanwalt)

Hintergrund: Beide Kanzleien standen bereits im Verfahren gegen den ehemaligen Litigationpartner an der Seite ihres jeweiligen Mandanten. Stevens Betz Müller Zenger firmierte zu Beginn der Prozesse noch unter Lucas Stevens. Stephan Lucas schied zwischenzeitlich aus und ist jetzt unter eigener Flagge tätig. Der Kontakt zum ehemaligen Steuerrechtspartner kam zustande, weil er am Wochenende nach dem Oktoberfest die 24-Stunden-Notfall-Nummer der Kanzlei angerufen hatte. Von Seiten der Staatsanwaltschaft führte zunächst Bierl die Ermittlungen, Anklage erhoben und Sitzungsvertretung bis Ende vergangenen Jahres hatte Michel, der zum Januar ans Oberlandesgericht wechselte. Seitdem vertritt Bohmann die Staatsanwaltschaft. (Eva Flick)

Wir haben den Artikel am 15. Februar 2018 ergänzt.

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