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05.08.2020

Nach erneuertem Haftbefehl: Fromm attackiert Staatsanwaltschaft

Das Landgericht Berlin hat die Haftbefehle gegen Hartmut Fromm und einen weiteren Partner von Buse Heberer Fromm wieder in Kraft gesetzt. Die Haftbefehle bleiben jedoch gegen eine Kaution außer Vollzug. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, hat die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe noch erweitert und wirft den beiden außer Untreue nun auch schweren Parteiverrat vor. Fromm erklärte gegenüber JUVE, er werde sich mit weiteren juristischen Mitteln entschieden zur Wehr setzen.

Hartmut Fromm

Hartmut Fromm

Den beiden Anwälten und der ehemaligen Lebensgefährtin des Bauunternehmers und Kunstmäzens Erich Marx wird vorgeworfen, sie hätten sich Kontrolle über die Vermögensgesellschaften des 99-Jährigen verschafft. Marx war mehrere Jahre lang Mandant der Kanzlei. Im Rahmen ihrer Beratung hätten die beiden Partner auch als Geschäftsführer der Dr. Erich Marx GmbH fungiert, hieß es. Die ehemalige Lebensgefährtin W. war Geschäftsführerin eines Investmentvehikels von Marx. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass die Drei auf diese Weise Aktien im Wert von über 38 Millionen Euro verkauft und übertragen haben, zum Nutzen der Ex-Freundin.

Fromm erklärt nun auf JUVE-Anfrage, es sie für ihn nicht nachvollziehbar, dass die Staatsanwaltschaft bei seiner Verfolgung „gesetzwidrig“ mit den Anwälten der Marx-Seite kooperiere. Sowohl er als auch die übrigen Beschuldigten würden sich mit juristischen Schritten entschieden zur Wehr setzen. Er wirft der Staatsanwaltschaft außerdem vor, sie fürchte eine Aussage des 99-jährigen Marx, den sie nach wie vor nicht persönlich vernommen habe. Er will mit einer Beschwerde gegen den erneuerten Haftbefehl vorgehen.

Gegen Kaution auf freiem Fuß

Ende Juni hatte das Landgericht Berlin einen kurz zuvor erlassenen Haftbefehl wieder außer Vollzug gesetzt. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, hieß es damals. Nun, vier Wochen später, die Wende: Bei allen Dreien wurde der Haftbefehl wieder in Kraft gesetzt, man ermittle nun zusätzlich auch wegen des dringenden Verdachts des Parteiverrats. Allerdings müssen sie die Untersuchungshaft nicht antreten, wenn sie eine Kaution hinterlegen und Meldeauflagen erfüllen. Im Falle Fromms und der Ex-Freundin sind dies 150.000 Euro, D. muss 80.000 Euro hinterlegen.

Fromm hat wegen Geheimnisverrats selbst Anzeige gegen die Staatsanwaltschaft gestellt. Sowohl die Kanzlei als auch er streiten die Vorwürfe ab und mutmaßen, die Juristen könnten in Erbschaftsstreitigkeiten von Marx‘ Kindern mit der Ex-Lebensgefährtin zwischen die Fronten geraten sein. Nach JUVE-Informationen ist ein Großteil des Vermögens von Marx bereits an die nächste Generation übertragen worden. Wie ein Sprecher Fromms Ende Juni mitteilte, sei die Übertragung der Anteile zugunsten der Ex-Lebensgefährtin nie vollzogen worden. Außerdem habe eine Anteilsverschiebung zugunsten der Frau grundsätzlich den zwischen ihr und Marx geschlossenen Erbschaftsverträge entsprochen.

Ulrich Thölke

Ulrich Thölke

Die Staatsanwaltschaft ermittelt mindestens seit Ende 2019 gegen Fromm. In diesem Zusammenhang gab es nach JUVE-Informationen Anfang Dezember einen Durchsuchungsbeschluss für die Kanzleiräume von Buse Heberer Fromm in Berlin. Damals stand auch noch Steuerhinterziehung im Fokus der Untersuchungen.

Vertreter Erich Marx
Danckert Bärlein Sättele (Berlin): Dr. Jakob Danckert, Manuel Operhalsky (Strafrecht)
KPMG Law: Dr. Ulrich Thölke (Berlin), Mark Pawlytta, Dr. Philipp Pfeiffer, Laura Everlien (alle Frankfurt)

Vertreter Hartmut Fromm
Heinichen Laudien (Berlin): Cord Heinichen (Strafrecht)

Vertreter D. 
Gentz und Partner (Berlin): Jens von Wedel

Vertreter W.
Ignor & Partner (Berlin): Prof. Dr. Dr. Alexander Ignor, Dr. Camilla Bertheau (Strafrecht)
Raue (Berlin): Dr Justus Schmidt-Ott

Alle Berater sind aus dem Markt bekannt. (Christiane Schiffer)

 

 

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