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Den Startschuss für das IT-Outsourcing im deutschen Bankensektor gab die Deutsche Bank (beraten durch ein Team um Dr. Jost Kotthoff von Shearman & Sterling), die im Februar den Betrieb ihrer kontinentaleuropäischen Rechenzentren an IBM abgab. Mit 2,5 Milliarden Euro war dies die bisher größte Transaktion dieser Art auf dem europäischen Festland.
Ebenfalls vollzogen hat diesen Schritt die niederländische ABN AMRO Bank, die in 60 Ländern vertreten ist. Weltweit werden gegenwärtig IT-Dienstleistungen an den ursprünglich aus den USA stammenden Outsourcing-Spezialisten EDS übertragen. Der Vertrag mit einem Gesamtvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro hat eine Laufzeit von fünf Jahren. „Die Struktur war sehr komplex“, führt Georg Linde von Clifford Chance Pünder aus, der den bereits abgeschlossenen deutschen Teil der Transaktion mit einem Volumen von rund 100 Millionen Euro federführend betreute. ABN AMRO hatte hierzulande bereits einen Teil der EDV-Dienstleistungen an die eigene Tochter ABN AMRO InfoServ abgetreten, die nun mit anderen Teilbereichen an EDS weitergegeben wurden. Clifford Chance begleitet die Transaktion unter der Federführung des Londoner Büros weltweit. Davon profitierten auch die Frankfurter IT-Experten, denn bisher war CCP für ABN AMRO in Deutschland vor allem in Private Equity und Securisation tätig geworden.
Von besonderer Bedeutung bei der Beratung der Outsourcing-Projekte ist das Bankaufsichtsrecht. Die BaFin verlangt, dass die Bank auch nach der Auslagerung die Verantwortung und Kontrolle über die outgesourcten Dienstleistungen behält. „Das BaFin will der Gefahr entgegenwirken, daß durch die Auslagerung die Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten der Geschäftsleitung und die Einwirkungsmöglichkeiten der Aufsichtsbehörde faktisch gelockert werden,“ sagt Okko Behrends, Bankrechtler bei Allen & Overy, der EDS in der ABN AMRO-Transaktion beriet. „Das erfordert eine präzise vertragliche Regelung der Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten der Bank und des Auslagerungsunternehmens“.
CCP-Anwalt Linde berät mit Dr. Joachim Schrey nicht nur Banken, sondern auch IT- Dienstleister bei Outsourcing-Projekten. Zu den Mandanten gehört T-Systems, das sich bei der Auslagerung der Rechen- und Druckzentren der WestLB gegen IBM durchgesetzt hat. Linde: „Für T-Systems ist dies ein wichtiger strategischer Schritt, denn der Zuschlag bedeutet den Einstieg der Telekom-Tochter in den Bankbereich.“ Das Gesamtvolumen des Vertrages beläuft sich über 200 Millionen Euro, 200 Arbeitsplätze werden an T-Systems übergehen. Dr. Peter Rheinbay (Freshfields Bruckhaus Deringer), der die WestLB beriet, hebt den richtungsweisenden Charakter der Transaktion hervor: „Der Abschluss wird Signalwirkung für den öffentlich-rechtlichen Bankensektor in Deutschland haben.“
Auch zahlreiche Marktuntersuchungen verweisen darauf, dass dass IT-Outsourcing im Bankensektor weiter boomen wird. Eine Studie der Beraterfirma Mummert + Partner, kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass 52 Prozent der Bankmanager die IT-Ausgaben für zu hoch halten und über Outsourcing Kosten reduziert wollen. Dies gilt auch für andere Branchen: Marktanalyst Pierre Audoub Consultants sieht im Outsourcing den Wachstumstreiber der deutschen IT-Branche.
Gute Aussichten für IT-Rechtler, die unter dem Zusammenbruch des neuen Marktes und der gegenwärtigen Konjunkturschwäche teilweise besonders zu leiden hatten. Inbesondere für die Experten aus Großkanzleien mit einer starken bankrechtlichen Praxis bedeutet der Outsourcing-Boom neben den klassischen Bereichen der Softwareentwicklung und Systemintegration ein attraktives Beratungssegment.