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27.03.2014

Reaktion auf schwierige Kreditvergaben: Trumpf gründet mit CMS eigene Bank

Nach dem Vorbild verschiedener Autobanken hat der schwäbische Maschinenbauer Trumpf eine eigene Bank gegründet. Das mit einer Vollbanklizenz und einer Bilanzsumme von 50 Millionen Euro ausgestattete Geldhaus soll dabei helfen, den Absatz anzukurbeln. Eine eigene Bank ist bei Maschinenbauern unüblich – Firmenangaben zufolge sogar weltweit ein Novum. Es ist eine Reaktion darauf, dass Banken sich mit Kreditvergaben bei Mittelständlern schwertun.

Die unter Trumpf Financial Services firmierende Bank geht aus der schon seit 2001 bestehenden Leasinggesellschaft von Trumpf hervor. Dank des EU-Passes kann die neue Bank in allen 28 EU-Staaten aktiv werden. Bislang beschränkten sich die Finanzierungsmöglichkeiten Trumpfs auf Leasingangebote und dies auch nur in einigen europäischen Ländern.

Den Kundenkreis will Trumpf aber klar begrenzen: Kredite oder Leasingangebote wollen die Schwaben ausschließlich Käufern ihrer Medizintechnik- und Werkzeugmaschinenprodukte anbieten. Ein Konto eröffnen und Geld auf Spar- und Tagesgeldkonten anlegen können nur die fast 10.000 Mitarbeiter. Wertpapierhandel will die Bank nicht anbieten. Für die Vollbanklizenz musste Trumpf zahlreiche weitergehende aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllen und teilweise neue Strukturen aufbauen.

Ziel der Bank ist es, das Neugeschäft an Finanzierungen von derzeit 150 Millionen Euro im Jahr innerhalb von drei Jahren zu verdoppeln. Die Bank soll dabei nicht unbedingt günstigere, dafür aber passgenauere Kredite und andere Finanzierungen als andere Kreditinstitute anbieten können, weil sie die Risiken der Branche besser abschätzen könne, so die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller. Trumpf erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von gut 2,3 Milliarden Euro.

Berater Trumpf
CMS Hasche Sigle (Frankfurt): Dr. Joachim Kaetzler (Federführung); Associate: Andreas Feneis (beide Bankaufsichtsrecht)
Inhouse Recht (Ditzingen): Dr. Sven Weber

Hintergrund: CMS pflegt seit Langem stabile Beziehungen zu Trumpf – sowohl in verschiedenen Rechtsgebiete als auch über mehrere Standorte der Kanzlei hinweg. Gerade in Stuttgart bestehen dabei auch historische Beziehungen im Gesellschaftsrecht: Namenspartner Walter Sigle, der 2005 altersbedingt bei CMS ausschied, beriet die Unternehmerfamilie jahrzehntelang und war über 20 Jahre Mitglied im Verwaltungsrat der Trumpf-Gruppe. Zuletzt hatte CMS Trumpf auch bei deren größter Akquisition der Unternehmensgeschichte begleitet, als die Schwaben im Herbst vergangenen Jahres den chinesischen Wettbewerber Jiangsu Jinfangyuan erwarben.

Den steuerrechtlichen Part und insbesondere auch die Beratung zum Ablauf der Organisation der Neugründung übernahm Dr. Max Weber von Ernst & Young in Stuttgart. (René Bender)