Legal Tech & Legal Ops
Wer und was bewegt den Rechtsmarkt von morgen? Aktuelle Entwicklungen zu Legal Tech und Legal Operations – im übersichtlichen Newsticker!
April 2026
Legora übernimmt KI-Rechercheunternehmen Qura
Die Legal-Tech-Plattform Legora hat das Stockholmer Start-up Qura übernommen, einen Spezialisten für KI-gestützte Rechtsrecherche. Qura hat seit 2023 strukturierte Rechtsdatenbanken entwickelt, die über herkömmliche Suchmethoden hinausgehen. Legora will mit der Übernahme die juristische Recherche ihres Produkts weiter verbessern und neue Möglichkeiten eröffnen. Die juristische Recherche zählt nach wie vor zu den technisch und strukturell anspruchsvollsten Herausforderungen im Bereich der KI. Qura ist bereits in 27 Jurisdiktionen verfügbar. Das Qura-Team wird in Legoras Rechercheorganisation integriert.
Hogan Lovells und weitere Kanzleien gründen Global Legal Tech Alliance
Die internationale Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells ist der neu gegründeten Global Legal Tech Alliance beigetreten, einem Netzwerk von mehr als fünfzehn Kanzleien aus Amerika, Europa und Asien. Die Initiative will die Entwicklung und den Einsatz KI-gestützter Rechtsdienstleistungen vorantreiben. Über die Global Legal Tech Alliance Academy erhalten Mitglieder Zugang zu gemeinsamen Trainingsprogrammen, während das Forum den Austausch zu neuen Technologien fördert und das Strategic Forum Führungskräfte vernetzt. Zu den weiteren Mitgliedskanzleien gehören Tilleke & Gibbins (Thailand/Südostasien), Moll Wendén (Schweden), Havel & Partners (Tschechische Republik), Gercke Wollschläger (Deutschland), AGS Legal (Deutschland), Winter | Thürk (Deutschland), Walder Wyss (Schweiz), MLL Legal (Schweiz), Jiménez Peña Abogados (Dominikanische Republik), Levy & Salomão Advogados (Brasilien) und Cadwalader (USA), die sich zum Juli mit Hogan Lovells zusammenschließen werden.
KI für Patentstreitigkeiten: Solve Intelligence übernimmt Palito.ai
Die KI-Plattform Solve Intelligence hat das Münchner Start-up Palito.ai übernommen, das auf KI-gestützte Patentstreitverfahren und Prior-Art-Analysen spezialisiert ist. Die Akquisition erweitert das Produkt von Solve um Funktionen für Gültigkeitsanalysen, Rechtsprechungsrecherche und europäische Patentworkflows. Solve deckt damit den gesamten Patent-Lebenszyklus ab – von der Anmeldung bis zur Prozessanalyse. Teile des Palito-Teams wechseln zu Solve und verstärken das neu eröffnete Münchner Büro. Dazu zählt auch der Palito-Gründer und ehemalige Hogan Lovells-Patent-Litigator Dr. Lukas Wollenschlaeger.
Legora eröffnet Büro in München
Die Legal-KI-Plattform Legora eröffnet ein Büro in München und damit ihren ersten Standort in Deutschland. Nach einer Series-D-Finanzierungsrunde über 550 Millionen US-Dollar baut das Unternehmen seine Präsenz im deutschsprachigen Raum aus, um Kunden vor Ort besser betreuen zu können. In der DACH-Region nutzen bereits mehr als 80 Kanzleien und Rechtsabteilungen die Plattform, darunter Bird & Bird, Linklaters, White & Case, CMS Hasche Sigle, YPOG und Görg. Legora ist im vergangenen Jahr von 40 auf 400 Mitarbeitende gewachsen, die bisher an Standorten wie Stockholm, London, New York, Denver, Sydney und Bengaluru arbeiten.
März 2026
Thomson Reuters entwickelt eigenes Legal-LLM
Thomson Reuters plant für den Sommer die Einführung von ‚Thomson‘, einem eigenen, rechtlich trainierten Large Language Model. Einem Bericht des ‚Artificial Lawyer‘ zufolge soll das auf Open-Source-Modellen basierende LLM die umfangreichen Datenbestände von Thomson Reuters nutzen und ‚CoCounsel‘, KI-Plattform von Thomson Reuters, unterstützen. Laut CTO Joel Hron erzielt Thomson bei Tests in vier von zehn Bereichen bereits bessere Ergebnisse als allgemeine Modelle. Das System könne auch auf Servern vor Ort in Kanzleien oder Rechtsabteilungen betrieben werden und biete verbesserte Sicherheit und Datenschutz. Grundlage für die Entwicklung von Thomson ist das LLM von Safe Sign, einem Start-up aus Großbritannien, das Thomson Reuters 2024 übernommen hat.
K&L Gates erhält ISO-Zertifizierung für KI-Governance
K&L Gates hat die ISO/IEC 42001:2023-Zertifizierung für ihr KI-Managementsystem erhalten. Die Zertifizierung ist einer der ersten globalen Standard für KI-Managementsysteme. Sie bestätigt nach einem unabhängigen Audit robuste Kontrollmechanismen in den Bereichen Risikomanagement, Ethik, Transparenz und Datenschutz. K&L Gates nutzt KI unter anderem für Rechtsrecherche, Dokumentenerstellung und Due Diligence und setzt dafür auf Plattformen wie Legora, Relativity Analytics, CoCounsel oder Copilot. Sollte sich die Zertifizierung als Wettbewerbsvorteil bei der Mandantengewinnung erweisen, könnten weitere Kanzleien nachziehen und sich ebenfalls zertifizieren lassen.
SKW Schwarz baut Innovationsteam weiter aus
Die Mittelstandskanzlei SKW Schwarz hat sich Verstärkung für ihr sogenanntes Innovation Lab besorgt: Seit März gehört Annkathrin Wiltz als Legal Tech & Innovation Managerin zum Team. Die Wirtschaftsjuristin war zuletzt bei PXR in Berlin tätig und hat dort und bei ihrer vorherigen Station als Transaction Lawyer bei Freshfields umfassende Erfahrung in Legal Tech und Prozessoptimierung gesammelt. Sie soll helfen, juristische Workflows durch KI-gestützte Tools effizienter gestalten.
Legora sammelt 550 Millionen US-Dollar für US-Expansion ein
Die KI-Plattform Legora hat in einer Serie-D-Finanzierungsrunde 550 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 5,55 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Die Runde wurde von Accel angeführt, mit Beteiligung von Benchmark, Bessemer Venture Partners, General Catalyst sowie neuen Investoren wie Alkeon Capital, Bain Capital und Salesforce Ventures. Das Unternehmen baut seine US-Präsenz mit neuen Büros in Houston und Chicago aus und plant, die Mitarbeiterzahl in den USA bis Ende 2026 auf über 300 zu steigern. Zu den Kunden zählen unter anderem White & Case, Cleary Gottlieb und Goodwin. Weltweit nutzen bereits 800 Kunden die Plattform.
Neue Legal Engineer bei Capgemini kommt von der Arag
Anfang März ist Daniella Domokos als Strategy & Transformation Managing Consultant (Legal Engineer) zu der Strategieberatung Capgemini Invent gewechselt. Dort arbeitet die 31-Jährige im Team von Oliver Stuke (Enterprise Data & Analytics) an Datenökosystemen, rechtskonformer Datennutzung und Datenpolitik für den öffentlichen Sektor. Ein Fokusthema dabei ist KI im Rechtsbereich. Zuvor war Domokos bei dem Versicherer Arag tätig, wo sie den internationalen Rechtsmarkt mit Schwerpunkt Legal Tech und Legal AI analysierte und die Vorstände zur Umsetzung neuer Legal-Tech-Projekte beriet.
KI-Patentplattform DeepIP sammelt 25 Millionen US-Dollar ein
Das in New York und Paris ansässige Start-up DeepIP hat in einer Series-B-Finanzierungsrunde 25 Millionen US-Dollar eingesammelt und erreicht damit eine Gesamtfinanzierung von 40 Millionen US-Dollar. Die Runde wurde von Korelya Capital und Serena angeführt, mit Beteiligung von Headline und Balderton. Die KI-Plattform integriert sich in bestehende Workflows wie Microsoft Word und IP-Management-Systeme und wird laut DeepIP bereits von über 400 Patentrechtskanzleien und IP-Teams genutzt, darunter Greenberg Traurig oder Philips. DeepIP wurde 2024 von François-Xavier Leduc und Edouard d’Archimbaud gegründet, die zuvor bereits das KI-Unternehmen Kili Technology aufgebaut hatten.
Februar 2026
PwC und Legalian kooperieren bei Geldwäscheprävention
Das Legal-Tech-Unternehmen Legalian und PricewaterhouseCoopers Deutschland haben eine strategische Kooperation vereinbart. Ziel ist es, datenbasierte Effizienz in der Geldwäscheprävention zu erreichen. Die Zusammenarbeit soll Unternehmen dabei unterstützen, ihre Compliance-Prozesse zu optimieren und regulatorische Anforderungen effektiver zu erfüllen. Durch die Kombination von PwCs Beratungs-Know-how und Legalians technologischen Lösungen wollen die Partner innovative Ansätze entwickeln.
Legalian ermöglicht die automatisierte Einholung von validen Primärdaten aus weltweiten Quellen. Dadurch soll sich die Datengrundlage spürbar verbessern und in der Folge lassen sich Risikoprofile von Kunden und Geschäftspartnern präziser und schneller einschätzen. Der hohe Automatisierungsgrad bei Standard- und Massenfällen soll den notwendigen Freiraum für komplizierte Fälle schaffen. Ressourcen, die bisher in der Datenbeschaffung und Routineprüfung gebunden waren, stünden nun für Fälle zur Verfügung, die aufgrund ihrer Struktur oder Auffälligkeiten eine gesonderte, menschliche Aufmerksamkeit erfordern, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Unternehmen.
Legalian ist ein spezialisierter Technologieanbieter, der die Durchführung von Know-Your-Customer- (KYC) und Compliance-Prozessen durch einen hohen Automatisierungsgrad transformieren will.