Legal Tech & Legal Ops

Wer und was bewegt den Rechtsmarkt von morgen? Aktuelle Entwicklungen zu Legal Tech und Legal Operations – im übersichtlichen Newsticker!

September 2026

Legora baut juristische Recherche mit KI-Citator und Rechtsontologie neu auf

Das Legal-AI-Unternehmen Legora erweitert seine KI-Plattform um umfassende Recherchetools. Basis sind eine vollständiges Wissensmodell (Ontologie) des Rechts und ein KI-nativer Citator, der für jede Entscheidung anzeigt, ob sie noch als geltendes Recht herangezogen werden kann. Die Ontologie bildet Rangordnung und Beziehungen der Rechtsquellen zueinander ab. Die Technologie stammt von den übernommenen Unternehmen Qura und Wexler und nutzt strukturierte Daten aus Millionen juristischer Dokumente. Legora arbeitet mit Verlagen zusammen oder beschafft Daten direkt aus mehr als 100 Ländern. Die Ontologie befindet sich in der Beta-Phase und wird im vierten Quartal allgemein verfügbar sein. Legora wird laut eignen Angaben von über 100.000 Juristen in mehr als 1.800 Kanzleien genutzt.

Harvey sammelt 550 Millionen US-Dollar ein und übernimmt Guardrails AI

Die Legal-AI-Plattform Harvey hat eine Finanzierungsrunde über 550 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 15,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Diffusion und Lightspeed Venture Partners. Die Finanzierung folgt auf die Veröffentlichung von Harveys erstem nachtrainierten Open-Weight-Modell. Zeitgleich, aber von der Finanzierungsrunde unabhängig, verkündet Harvey die Übernahme von Guardrails AI, einer KI-Security-Plattform für KI-Agenten. In der DACH-Region nutzen bereits 129 Unternehmen Harvey, darunter Hengeler Müller, Gleiss Lutz, Deutsche Telekom, Bayer und PwC.

August 2026

Thomson Reuters launcht eigenes KI-Modell

Thomson Reuters hat mit ‚Thomson‘ ein proprietäres Large Language Model vorgestellt, das nach Unternehmensangaben zu einem Bruchteil der Kosten vergleichbarer Frontier-Modelle entwickelt wurde. Das Unternehmen investierte rund 40 Millionen US-Dollar in Personal und Rechenleistung. Trainiert wurde das Modell, das auf dem Qwen-Modell des chinesischen Konzerns Alibaba basiert, mit proprietären Inhalten von Westlaw, Practical Law, Checkpoint und Reuters. Dabei waren hunderte Expertinnen und Experten eingebunden, von der Definition der Trainingsziele bis zur finalen Evaluation, heißt es. Zur Validierung wird das Modell zudem einer Gruppe von Wissenschaftlern aus Recht und KI zugänglich gemacht. Bislang wurde ‚Thomson‘ mit weniger als 10 Prozent der Thomson-Reuters-Inhalte trainiert und soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Der Einsatz erfolgt zunächst in CoCounsel Legal, künftig soll das Modell auf weitere Bereiche des Legal- und Tax-Portfolios ausgeweitet werden. Eine schlankere Version steht für akademische und nicht-kommerzielle Zwecke auf der Open-Source-Plattform Hugging Face bereit.

Twin1 AI sammelt 20 Millionen US-Dollar für digitale KI-Zwillinge ein

Das US-Startup Twin1 AI hat eine Seed-Finanzierung über 20 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Bessemer Venture Partners, Tribeca Venture Partners und Aramco Ventures. Die Plattform erstellt für jeden Mitarbeitenden einen KI-gestützten digitalen Zwilling. Dieser basiert auf E-Mails, Meetings, Dokumenten und Arbeitssystemen des jeweiligen Mitarbeitenden und bildet darüber dessen Wissen, Urteilsvermögen und Kontext ab. Diese Zwillinge können autonom Fragen beantworten, über Kanäle wie Slack, Teams und Outlook agieren und über ein kontrolliertes Netzwerk Wissen im Unternehmen teilen. Zu den Kunden zählen Kanzleien wie Linklaters, Orrick und Dechert. Die Technologie automatisiert laut Unternehmensangaben 30-50 Prozent der Kommunikationsarbeit von Wissensarbeitern.

Juli 2026

Fünfter Deal dieses Jahr: Legora übernimmt Wexler

Der Legal-AI-Anbieter Legora übernimmt die britische Wexler, eine Plattform für Faktenanalyse im Bereich Konfliktlösung. Das Engineering-Team von Wexler wird den Grundstein für Legoras neues Entwicklungszentrum in London bilden. Es ist bereits der fünfte Zukauf von Legora in diesem Jahr. Wexler wurde 2023 gegründet und ist seitdem auf 18 Mitarbeitende gewachsen. Zu den Kunden zählen Kanzleien wie Clifford Chance, Goodwin Procter und Herbert Smith Freehills Kramer. Wexlers Technologie verarbeitet bis zu 1.000.000 Dokumente pro Fall und extrahiert verifizierbare Fakten aus unstrukturierten Dokumenten. Die Übernahme folgt auf eine Series-D-Finanzierungsrunde über 600 Millionen Dollar im März. Durch die Runde hat Legora eine Bewertung von insgesamt 5,6 Milliarden Dollar erzielt.

Harvey und Microsoft-Rechtsabteilung erweitern Zusammenarbeit

Harvey hat seine Kooperation mit Microsoft ausgebaut: Die Rechtsabteilung Corporate, External, and Legal Affairs (CELA) des Technologiekonzerns nutzt künftig die juristische KI-Plattform von Harvey. Gleichzeitig weitet Harvey intern die Nutzung von Microsoft 365 und Microsoft 365 Copilot aus. Die Partnerschaft begann 2024 mit der Bereitstellung von Harveys Plattform auf Microsoft Azure. Im März erfolgte die Integration mit Microsoft 365 Copilot, über das Nutzer Harveys KI-Assistenten nutzen können. Microsoft selbst verfügt mit Copilot über eigene KI-Tools und hat zusätzlich einen eigenen Legal Agent entwickelt, setzt nun aber auch auf Harvey.

Clifford Chance startet KI-gestützte Wissensplattform mit Microsoft und Epiq

Clifford Chance hat gemeinsam mit Epiq Advisory for Law Firms und Microsoft eine KI-fähige Wissensmanagement-Plattform entwickelt. Die Lösung auf Basis von Microsoft 365, Power Platform und Azure AI Studio wurde innerhalb von sechs Monaten aufgebaut und umfasst mehr als 400.000 aufbereitete und KI-optimierte Dokumente. Eine Besonderheit ist die ‚Permissioned Search‘-Funktion, die Wissenssuche mit strikter Mandantenvertraulichkeit verbindet. Die modulare Architektur ermöglicht kontinuierliche Erweiterungen und ist vollständig in die Microsoft-Infrastruktur integriert. Clifford Chance und Microsoft verbindet eine langjährige Partnerschaft. So war sie auch eine der ersten Kanzleien weltweit, die CoPilot eingeführt haben.

KI-Automation für Insolvenzverwalter: Septeo und Bryter kooperieren

Septeo, früher STP.one, vermarktet künftig den KI-Assistenten Beamon AI von Bryter als Reseller. Die Partner entwickeln gemeinsam eine Anbindung, um Dokumente und Kontextdaten ohne manuelle Up- und Downloads zwischen den Systemen auszutauschen. Laut einer Pressemitteilung soll die KI-gestützte Dokumentenverarbeitung entlang der Verfahrensakte beispielsweise Status-Abfragen beschleunigen und Auswertungen in laufenden Verfahren vereinfachen. Das Geschäft von Verwaltern ist sehr zahlen- und datenlastig und angesichts von immer mehr Insolvenzen in den letzten Jahren suchen Kanzleien händeringend nach Entlastung. Der Druck zur Dokumentation ist hoch. Um Konflikten vorzubeugen, sind beispielsweise Entscheidungen in Verfahren und die Kommunikation mit Gläubigern sorgfältig festzuhalten. Die Software von STP nutzen viele Kanzleien, die auf Insolvenzrecht spezialisiert sind. Konkurrenten wie Claid haben die Verwalter ebenfalls im Visier und wollen ihnen mit Automatisierungslösungen Kapazität verschaffen, um mehr Insolvenzen und Restrukturierungen schneller zu stemmen.

 

Neuer Chief Solutions Officer bei CMS

Zu Anfang Juli hat CMS Hasche Sigle die Bereiche Smart Operations, Legal Tech und KI am deutschen Standort unter einer gemeinsamen Leitung gebündelt. Dr. Arne Burmester, der bereits die Smart-Operations-Einheit leitet, übernimmt nun als Chief Solutions Officer die Verantwortung für ein rund 60-köpfiges Team und wird Mitglied des AI-Boards der Kanzlei. Ziel ist die Verknüpfung von operativem Know-how mit KI- und Legal-Tech-Themen für KI-basierte Mandatsarbeit.