Legal Tech & Legal Ops

Wer und was bewegt den Rechtsmarkt von morgen? Aktuelle Entwicklungen zu Legal Tech und Legal Operations – im übersichtlichen Newsticker!

Juni 2026

Kirkland & Ellis und Palantir entwickeln KI-Plattform für Private-Equity-Fundraising

Kirkland & Ellis und das US-Softwareunternehmen Palantir Technologies haben die Einführung einer gemeinsamen KI-gestützten Unternehmensplattform für Private-Equity-Fundraising bekanntgegeben. Dafür gehen sie eine mehrjährige Partnerschaft ein. In dem Rahmen wollen sie komplexe rechtliche Workflows mithilfe von Palantirs Artificial Intelligence Platform (AIP) optimieren. Die Plattform integriert das institutionelle Wissen von Kirkland und unterstützt den gesamten Fundraising-Zyklus – von Fondsdokumentation über Side-Letter-Erstellung bis zu Compliance. 2025 betreute Kirkland Fundraisings in Höhe von fast 500 Milliarden Dollar. Wenige Tage zuvor hatte Kirkland bekanntgegeben, 500 Millionen Dollar in die Entwicklung einer eigenen KI-Plattform zu investieren.

Mai 2026

Kirkland will 500 Millionen Dollar in eigene KI-Plattform investieren

Die US-Kanzlei Kirkland & Ellis entwickelt eine eigene KI-Plattform, die in den kommenden Monaten eingeführt werden soll. Die Kanzlei plant, in den nächsten drei bis vier Jahren rund 500 Millionen Dollar in den Aufbau ihrer KI-Infrastruktur zu investieren. Die Plattform soll die Mandantenbetreuung über verschiedene Rechtsgebiete hinweg unterstützen. Erste Funktionen würden bereits in einzelnen Büros getestet, weitere sollen im Sommer folgen. Die Ankündigung von Kirkland passt in die aktuelle Debatte in der Legal-Tech- und Rechtsberatungsszene mit der Kernfrage: Werden Kanzleien auf externe Software von Anbietern wie Harvey oder Legora setzen oder durch die Entwicklung eigener KI-Plattformen konkurrieren?

Harvey nimmt Rechtsabteilungen ins Visier

Die Legal-KI-Plattform Harvey hat Contract Intelligence vorgestellt, eine speziell für Unternehmensjuristen entwickelte Lösung, die im dritten Quartal allgemein verfügbar sein soll. Das Tool, das gemeinsam mit Rechtsabteilungen entwickelt wurde, soll die Vertragsaufnahme und -prüfung beschleunigen, stärkere Verhandlungspositionen durch automatische Aktualisierung von Playbooks schaffen und schließlich für Transparenz über Vertragstrends und anstehende Verpflichtungen sorgen. Sie spiegelt damit klassische Vertragsmanagementtools ohne KI.
Mit diesem Angebot folgt Harvey dem Beispiel mehrerer Konkurrenten, darunter Libra, die Rechtsabteilungen auch stärker in den Fokus nehmen wollen. Strategisch sind Rechtsabteilungen für Harvey auch deshalb interessant, weil Mandanten zunehmend von ihren Kanzleien erwarten, dass diese dieselbe KI nutzen. Hier in Deutschland setzt die Deutsche Telekom schon seit Längerem auf Harvey und hat inzwischen auch Nachahmer im Dax gefunden.

Osborne Clarke gründet KI-Start-up Justima

Zum ersten Mal in ihrer Kanzleigeschichte hat Osborne Clarke ein Unternehmen gegründet: Justima automatisiert mit KI-Agenten das kontinuierliche Monitoring europäischer Regulierung für Rechts- und Compliance-Abteilungen. Dafür analysiert die Plattform täglich mehr als 200 Rechts- und Regulierungsquellen und liefert jedem Unternehmen gezielt nur die geschäftsrelevanten Änderungen. Die Lösung richtet sich insbesondere an Konzerne und mittelständische Unternehmen mit regulatorischen Anforderungen in mehreren europäischen Märkten. Mittelfristig adressiert Justima zudem internationale Unternehmen außerhalb Deutschlands, die europäische Regulierung monitoren müssen, ohne in jedem Markt eigene Teams aufzubauen. Verantwortlich für das Projekt sind Alexander Lilienbeck und Christian Braun gemeinsam mit Osborne Clarke-Partner Gereon Abendroth.

Wolters Kluwer verbindet Libra und Kleos für KI-gestützte Workflows

Wolters Kluwer hat die Integration des Legal AI Workspace von Libra in seine Kanzleimanagement-Lösung Kleos bekannt gegeben. Die Verbindung ermöglicht nahtlose juristische Workflows von der Recherche bis zur Mandatsbearbeitung ohne Systemwechsel. In Libra erzeugte Ergebnisse können direkt in Kleos-Mandatsstrukturen übernommen werden. Die Einführung erfolgt zunächst in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Italien. Kleos wird von über 30.000 Juristen genutzt.

Linklaters baut Applied Intelligence-Team auf

Linklaters hat ein neues ‚Applied Intelligence‘-Team gegründet, das aus Anwältinnen und Anwälten sowie Data Scientists und KI-Spezialisten besteht. Sie sollen große Datensätze analysieren und dadurch maßgeschneiderte, KI-gestützte Technologie- und Rechtslösungen entwickeln. Die Initiative ist Teil der globalen KI-Strategie der Kanzlei und ergänzt das bestehende Team von mehr als 20 KI-Anwältinnen und -Anwälten weltweit. Gemeinsam sollen sie Mandanten helfen, in einem datengetriebenen Umfeld fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Legora übernimmt Graceview für Echtzeit-Regulierungsüberwachung

Legora hat die Übernahme von Graceview bekanntgegeben, einer Plattform für regulatorisches Horizon Scanning. Graceview überwacht in Echtzeit zehntausende offizielle Regulierungsquellen in über 100 Jurisdiktionen. Die Plattform nutzt eine proprietäre globale Regulierungstaxonomie, um strukturierte Warnmeldungen zu liefern. Legal-, Compliance- und Risk-Teams können damit regulatorische Änderungen direkt in ihrem Workflow verfolgen und darauf reagieren. Das gesamte Graceview-Team wechselt zu Legora.

April 2026

Noxtua integriert US-Rechtsdaten von Midpage

Die europäische Rechts-KI Noxtua kooperiert mit der Rechtsrechercheplattform Midpage, um europäischen Juristinnen und Juristen sicheren Zugang zu US-Rechtsprechung, Gesetzen und Verordnungen zu bieten. Gleichzeitig werden Nutzer vor Zugriffen durch US-Behörden im Rahmen des US-Cloud Act geschützt, da alle von Midpage bereitgestellten Daten auf der unabhängigen europäischen KI-Infrastruktur von Noxtua verarbeitet werden. Midpage deckt alle verbindlichen Urteile auf US-Bundes- und Bundesstaatenebene ab. Die Integration wird Noxtua-Nutzern in den nächsten Wochen als optionales Modul bereitgestellt.