Legal Tech & Legal Ops
Wer und was bewegt den Rechtsmarkt von morgen? Aktuelle Entwicklungen zu Legal Tech und Legal Operations – im übersichtlichen Newsticker!
Juli 2026
Harvey und Microsoft-Rechtsabteilung erweitern Zusammenarbeit
Harvey hat seine Kooperation mit Microsoft ausgebaut: Die Rechtsabteilung Corporate, External, and Legal Affairs (CELA) des Technologiekonzerns nutzt künftig die juristische KI-Plattform von Harvey. Gleichzeitig weitet Harvey intern die Nutzung von Microsoft 365 und Microsoft 365 Copilot aus. Die Partnerschaft begann 2024 mit der Bereitstellung von Harveys Plattform auf Microsoft Azure. Im März erfolgte die Integration mit Microsoft 365 Copilot, über das Nutzer Harveys KI-Assistenten nutzen können. Microsoft selbst verfügt mit Copilot über eigene KI-Tools und hat zusätzlich einen eigenen Legal Agent entwickelt, setzt nun aber auch auf Harvey.
Clifford Chance startet KI-gestützte Wissensplattform mit Microsoft und Epiq
Clifford Chance hat gemeinsam mit Epiq Advisory for Law Firms und Microsoft eine KI-fähige Wissensmanagement-Plattform entwickelt. Die Lösung auf Basis von Microsoft 365, Power Platform und Azure AI Studio wurde innerhalb von sechs Monaten aufgebaut und umfasst mehr als 400.000 aufbereitete und KI-optimierte Dokumente. Eine Besonderheit ist die ‚Permissioned Search‘-Funktion, die Wissenssuche mit strikter Mandantenvertraulichkeit verbindet. Die modulare Architektur ermöglicht kontinuierliche Erweiterungen und ist vollständig in die Microsoft-Infrastruktur integriert. Clifford Chance und Microsoft verbindet eine langjährige Partnerschaft. So war sie auch eine der ersten Kanzleien weltweit, die CoPilot eingeführt haben.
KI-Automation für Insolvenzverwalter: Septeo und Bryter kooperieren
Septeo, früher STP.one, vermarktet künftig den KI-Assistenten Beamon AI von Bryter als Reseller. Die Partner entwickeln gemeinsam eine Anbindung, um Dokumente und Kontextdaten ohne manuelle Up- und Downloads zwischen den Systemen auszutauschen. Laut einer Pressemitteilung soll die KI-gestützte Dokumentenverarbeitung entlang der Verfahrensakte beispielsweise Status-Abfragen beschleunigen und Auswertungen in laufenden Verfahren vereinfachen. Das Geschäft von Verwaltern ist sehr zahlen- und datenlastig und angesichts von immer mehr Insolvenzen in den letzten Jahren suchen Kanzleien händeringend nach Entlastung. Der Druck zur Dokumentation ist hoch. Um Konflikten vorzubeugen, sind beispielsweise Entscheidungen in Verfahren und die Kommunikation mit Gläubigern sorgfältig festzuhalten. Die Software von STP nutzen viele Kanzleien, die auf Insolvenzrecht spezialisiert sind. Konkurrenten wie Claid haben die Verwalter ebenfalls im Visier und wollen ihnen mit Automatisierungslösungen Kapazität verschaffen, um mehr Insolvenzen und Restrukturierungen schneller zu stemmen.
Neuer Chief Solutions Officer bei CMS
Zu Anfang Juli hat CMS Hasche Sigle die Bereiche Smart Operations, Legal Tech und KI am deutschen Standort unter einer gemeinsamen Leitung gebündelt. Dr. Arne Burmester, der bereits die Smart-Operations-Einheit leitet, übernimmt nun als Chief Solutions Officer die Verantwortung für ein rund 60-köpfiges Team und wird Mitglied des AI-Boards der Kanzlei. Ziel ist die Verknüpfung von operativem Know-how mit KI- und Legal-Tech-Themen für KI-basierte Mandatsarbeit.
Norm AI sammelt 120 Millionen US-Dollar ein
Das Legal-Tech-Unternehmen Norm AI hat in einer Series-C-Runde 120 Millionen US-Dollar eingesammelt und erreicht damit eine Bewertung von 1,2 Milliarden US-Dollar. Angeführt wurde die Finanzierung von Khosla Ventures, weitere Investoren sind unter anderem Blackstone, Bain Capital Ventures, Craft Ventures, Coatue, Vanguard, Jeff Hammes (ehemaliger Chairman von Kirkland & Ellis) und Fenwick LLP. Indem sie KI-Ingenieure und Anwälte zusammenbringt, entwickelt Norm AI KI-Agenten für komplexe Mandate. Norm Law LLP, eine angeschlossene, auf KI basierende Anwaltskanzlei, die auf der Norm-Ai-Plattform arbeitet, nutzt diese KI-Agenten, um Mandanten als externe Rechtsberater zu betreuen. Anders als traditionelle Kanzleien rechnet Norm Law ergebnisorientiert statt stundenbasiert ab.
Schalast holt Head of Innovation & AI von Hengeler
Anfang Juli hat sich Pascal Strauß (39) Schalast & Partner als Head of Innovation & AI angeschlossen. In der neu geschaffenen Position soll er die KI-Aktivitäten und Innovationsstrategie der Kanzlei vorantreiben. Strauß hat bereits mehrere Jahre Erfahrung in der Implementierung von Tech- und KI-Lösungen in der anwaltlichen Praxis gesammelt: Nach Stationen bei PwC Legal und Osborne Clarke war er zuletzt als Associate für AI & Digital Transformation bei Hengeler Mueller tätig.
Juni 2026
Legal-Tech-Start-up Jupus erhält 13 Millionen Euro in Series-A-Runde
Das Kölner Legal Tech-Start-up Jupus hat 13 Millionen Euro eingesammelt. Lead-Investor ist Semapa Next, die NRW.Bank beteiligt sich als Co-Investorin. Das Unternehmen entwickelt ein KI-Sekretariat für Anwaltskanzleien, das Mandantengespräche führt, Fälle strukturiert und juristische Dokumente erstellt. Über 2.000 Anwältinnen und Anwälte nutzen die Lösung bereits. 2025 vervierfachte Jupus seinen wiederkehrenden Umsatz. Mit dem Kapital will das Unternehmen im deutschen Markt skalieren und europaweit expandieren.
Der Nächste bitte: Perplexity steigt in den Rechtsmarkt ein
Das KI-Unternehmen Perplexity dringt nun ernsthaft in den Rechtsmarkt vor und reiht sich damit mit OpenAI, Anthropic, Microsoft und Palantir als fünfter Big-Tech-Akteur ein. Im Fokus steht die agentische Plattform ‚Perplexity Computer‘ für Recherche, Entwurf und Fallverwaltung. Perplexity zielt auf mittelgroße Kanzleien und Rechtsabteilungen ab und betont die Sicherheit der Anwendung sowie Genauigkeit der Ergebnisse.
EOS Partners übernimmt Mehrheit an Due-Diligence-Plattform Drooms
Der Private-Equity-Investor EOS Partners hat die Mehrheit an der Due-Diligence-Plattform Drooms übernommen. 70 Prozent des Geschäfts entfallen auf Immobilientransaktionen, 30 Prozent auf M&A. Mitgründer Jan Hoffmeister verlässt nach 25 Jahren das Unternehmen, Alexandre Grellier führt Drooms als CEO weiter. EOS wurde von Gütt Olk Feldhaus, Addworx und Niederer Kraft Frey beraten, Vesthaus (Dr. Felix Scheder-Bieschin, Dr. Max Danzmann) beriet den ausscheidenden Investor J.F. Müller & Sohn. Drooms setzte auf Simmons & Simmons-Partner Dr. Peter Leube. Kreditgeberin Apera mandatierte McDermott Will & Schulte mit einem Team um Ludwig Zesch.
DeepIP übernimmt PatentMaker und eröffnet Büro in München
Die New Yorker AI-Plattform DeepIP hat das deutsche Patent-Tool PatentMaker vollständig übernommen. PatentMaker wurde von Patentanwalt Matthias Hofmann von Boehmert & Boehmert mitentwickelt und wird von rund der Hälfte der führenden deutschen IP-Kanzleien genutzt, darunter Bardehle Pagenberg, Maiwald und Vossius. DeepIP eröffnet ein Büro in den Räumen von Boehmert & Boehmert in München. Hofmann wird Mitgründer für Deutschland, Celia Jinlan Wei leitet das deutsche Geschäft.
Kirkland & Ellis und Palantir entwickeln KI-Plattform für Private-Equity-Fundraising
Kirkland & Ellis und das US-Softwareunternehmen Palantir Technologies haben die Einführung einer gemeinsamen KI-gestützten Unternehmensplattform für Private-Equity-Fundraising bekanntgegeben. Dafür gehen sie eine mehrjährige Partnerschaft ein. In dem Rahmen wollen sie komplexe rechtliche Workflows mithilfe von Palantirs Artificial Intelligence Platform (AIP) optimieren. Die Plattform integriert das institutionelle Wissen von Kirkland und unterstützt den gesamten Fundraising-Zyklus – von Fondsdokumentation über Side-Letter-Erstellung bis zu Compliance. 2025 betreute Kirkland Fundraisings in Höhe von fast 500 Milliarden Dollar. Wenige Tage zuvor hatte Kirkland bekanntgegeben, 500 Millionen Dollar in die Entwicklung einer eigenen KI-Plattform zu investieren.