Legal Tech & Legal Ops

Wer und was bewegt den Rechtsmarkt von morgen? Aktuelle Entwicklungen zu Legal Tech und Legal Operations – im übersichtlichen Newsticker!

Oktober 2026

Jupus launcht agentische KI für kleine und mittelgroße Kanzleien

Das Legal-Tech-Unternehmen Jupus hat seine agentische KI ‚Jara‘ gelauncht. Sie begleitet Mandate eigenständig im Hintergrund, leitet Bearbeitungsschritte ab und bereitet sie zur anwaltlichen Freigabe vor. Mit der Technologie richtet Jupus sich vor allem an kleine und mittelgroße Einheiten. Kanzleien können mithilfe von Jara laut Jupus bis zu 20 Stunden pro Woche einsparen. Die KI priorisiert Vorgänge, bereitet Antworten und Schriftsätze vor und ist direkt in das bestehende KI-Sekretariat von Jupus integriert. Parallel eröffnete das Unternehmen einen zweiten Standort in Berlin.

Legora sammelt 550 Millionen US-Dollar bei 8,8 Milliarden US-Dollar Bewertung ein

Das Legal-Tech-Unternehmen Legora hat in einer Serie-E-Finanzierungsrunde 550 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Bewertung steigt auf 8,8 Milliarden US-Dollar. Angeführt wurde die Runde von Atreides Management. Insgesamt hat das Unternehmen nun rund 1,4 Milliarden US-Dollar eingesammelt, Konkurrent Harveys sammelte bisher  rund 1,8 Milliarden US-Dollar ein. Legora bietet ein KI-agentenbasiertes Betriebssystem für juristische Arbeit und erreichte einen ARR von über 200 Millionen US-Dollar. Mehr als 140.000 juristische Fachkräfte in über 2.400 Kanzleien und Rechtsabteilungen nutzen die Plattform. Das Kapital fließt in die US-Expansion und die Weiterentwicklung der Plattform.

Smartlaw wird eingestellt

Wolters Kluwer stellt seinen Vertragsgenerator Smartlaw zum Ende des Jahres ein. Mit Smartlaw können Verbraucher und Unternehmen rechtssichere Verträge, Anschreiben und Dokumente erstellen. Dieses Angebot musste Wolters Kluwer 2021 vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen eine Klage der Hamburger Rechtsanwaltskammer verteidigen: Die Kammer war der Auffassung, dass das Programm der Rechtsanwaltschaft vorbehaltene Rechtsdienstleistungen erbringe. Mit seiner Entscheidung, den Vertragsgenerator weiter zu erlauben, stieß der BGH die Tür für Legal-Tech-Dienste weiter auf.

C.H.Beck übernimmt französischen Fachverlag Lextenso

Der Verlag C.H.Beck hat den französischen juristischen Fachverlag Lextenso übernommen. Lextenso gehört zu den renommiertesten Anbietern juristischer Fachinformationen in Frankreich und veröffentlicht unter anderem die Gazette du Palais, LGDJ, Defrénois und Bulletin Joly. Mit „La Base Lextenso + IA“ betreibt Lextenso zudem eine juristische Datenbank mit KI-Funktionen. Die Inhalte des französischen Verlags sollen nach Angaben von C.H.Beck auch in die Weiterentwicklung des Legal AI-Tools Noxtua und dessen Präsenz auf dem französischen Markt einfließen.

LawX kooperiert mit Haufe

LawX, ein ganzheitliches KI-Betriebssystem für juristische Arbeit, und das Medienunternehmen Haufe haben eine Partnerschaft geschlossen. Juristische Fachinhalte von Haufe stehen ab sofort direkt im KI-Assistenten von LawX zur Verfügung. Damit sind mehr als 150 Kommentare, Handbücher und eine umfassende Rechtsprechungsdatenbank in die Fallbearbeitung integriert. Rechercheanfragen werden anonymisiert und erst nach Freigabe übermittelt. Alle Ergebnisse sind zudem mit Quellen belegt und verlinkt.

Pandektes erhält 13,5 Millionen Euro für juristische Rechercheplattform

Das Legal-Tech-Unternehmen Pandektes hat eine Series-A-Finanzierung über 13,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wird von Alstin Capital angeführt, beteiligt sind außerdem PROfounders, Scale Capital und Bestandsinvestoren. Pandektes entwickelt KI-gestützte Technologie für juristische Recherche und konkurriert mit etablierten Anbietern wie Beck, Juris und LexisNexis. Dabei versteht sich das Unternehmen nicht als direkter Wettbewerber zu Legal-AI-Plattformen, die große Teile der Fall- und Dokumentenarbeit abdecken. Der Fokus liegt stattdessen auf der darunterliegenden Recherche- und Dateninfrastruktur. Das 2022 in Kopenhagen gegründete Unternehmen ist in Deutschland, der Schweiz und Dänemark aktiv. Mehr als 500 Kanzleien, Unternehmen und öffentliche Institutionen nutzen die Plattform bereits. Mit dem Kapital will Pandektes nach Europa und Nordamerika expandieren und seine Infrastruktur über eine API für externe Anbieter öffnen.

September 2026

OpenAI stellt KI-Assistenten Astra for Law vor

OpenAI hat ‚Astra for Law‘ vorgestellt, einen KI-Assistenten speziell für die Rechtsbranche. Damit positioniert sich das KI-Unternehmen gezielt im wachsenden Markt für Legal AI. Das System soll Anwältinnen und Anwälte bei Recherchen, Dokumentenanalyse und rechtlichen Aufgaben unterstützen. Astra for Law kombiniert GPT-6 Astra mit einem leistungsstarken juristischen Suchindex sowie Anleitungen zur juristischen Analyse und zum Verfassen juristischer Texte. Der Assistent ist darauf ausgelegt, die Effizienz in Kanzleien und Rechtsabteilungen zu steigern und Routineaufgaben zu automatisieren. Zudem kann Astra for Law mithilfe von 26 Plugins individuell angepasst werden, die ChatGPT mit Tools wie Relativity oder Clio verbinden. Gleichzeitig baut OpenAI die Aktivitäten in den Bereichen Datenschutz und Governance aus, um Kanzleien und Rechtsabteilungen mehr Kontrollmöglichkeiten für vertrauliche Mandantenangelegenheiten zu geben.

Legora baut juristische Recherche mit KI-Citator und Rechtsontologie neu auf

Das Legal-AI-Unternehmen Legora erweitert seine KI-Plattform um umfassende Recherchetools. Basis sind eine vollständiges Wissensmodell (Ontologie) des Rechts und ein KI-nativer Citator, der für jede Entscheidung anzeigt, ob sie noch als geltendes Recht herangezogen werden kann. Die Ontologie bildet Rangordnung und Beziehungen der Rechtsquellen zueinander ab. Die Technologie stammt von den übernommenen Unternehmen Qura und Wexler und nutzt strukturierte Daten aus Millionen juristischer Dokumente. Legora arbeitet mit Verlagen zusammen oder beschafft Daten direkt aus mehr als 100 Ländern. Die Ontologie befindet sich in der Beta-Phase und wird im vierten Quartal allgemein verfügbar sein. Legora wird laut eignen Angaben von über 100.000 Juristen in mehr als 1.800 Kanzleien genutzt.

Harvey sammelt 550 Millionen US-Dollar ein und übernimmt Guardrails AI

Die Legal-AI-Plattform Harvey hat eine Finanzierungsrunde über 550 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 15,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Diffusion und Lightspeed Venture Partners. Die Finanzierung folgt auf die Veröffentlichung von Harveys erstem nachtrainierten Open-Weight-Modell. Zeitgleich, aber von der Finanzierungsrunde unabhängig, verkündet Harvey die Übernahme von Guardrails AI, einer KI-Security-Plattform für KI-Agenten. In der DACH-Region nutzen bereits 129 Unternehmen Harvey, darunter Hengeler Müller, Gleiss Lutz, Deutsche Telekom, Bayer und PwC.