Legal Tech & Legal Ops

Wer und was bewegt den Rechtsmarkt von morgen? Aktuelle Entwicklungen zu Legal Tech und Legal Operations – im übersichtlichen Newsticker!

Juni 2026

Der Nächste bitte: Perplexity steigt in den Rechtsmarkt ein

Das KI-Unternehmen Perplexity dringt nun ernsthaft in den Rechtsmarkt vor und reiht sich damit mit OpenAI, Anthropic, Microsoft und Palantir als fünfter Big-Tech-Akteur ein. Im Fokus steht die agentische Plattform ‚Perplexity Computer‘ für Recherche, Entwurf und Fallverwaltung. Perplexity zielt auf mittelgroße Kanzleien und Rechtsabteilungen ab und betont die Sicherheit der Anwendung sowie Genauigkeit der Ergebnisse.

EOS Partners übernimmt Mehrheit an Due-Diligence-Plattform Drooms

Der Private-Equity-Investor EOS Partners hat die Mehrheit an der Due-Diligence-Plattform Drooms übernommen. 70 Prozent des Geschäfts entfallen auf Immobilientransaktionen, 30 Prozent auf M&A. Mitgründer Jan Hoffmeister verlässt nach 25 Jahren das Unternehmen, Alexandre Grellier führt Drooms als CEO weiter. EOS wurde von Gütt Olk Feldhaus, Addworx und Niederer Kraft Frey beraten, Vesthaus (Dr. Felix Scheder-Bieschin, Dr. Max Danzmann) beriet den ausscheidenden Investor J.F. Müller & Sohn. Drooms setzte auf Simmons & Simmons-Partner Dr. Peter Leube. Kreditgeberin Apera mandatierte McDermott Will & Schulte mit einem Team um Ludwig Zesch.

DeepIP übernimmt PatentMaker und eröffnet Büro in München

Die New Yorker AI-Plattform DeepIP hat das deutsche Patent-Tool PatentMaker vollständig übernommen. PatentMaker wurde von Patentanwalt Matthias Hofmann von Boehmert & Boehmert mitentwickelt und wird von rund der Hälfte der führenden deutschen IP-Kanzleien genutzt, darunter Bardehle Pagenberg, Maiwald und Vossius. DeepIP eröffnet ein Büro in den Räumen von Boehmert & Boehmert in München. Hofmann wird Mitgründer für Deutschland, Celia Jinlan Wei leitet das deutsche Geschäft.

Kirkland & Ellis und Palantir entwickeln KI-Plattform für Private-Equity-Fundraising

Kirkland & Ellis und das US-Softwareunternehmen Palantir Technologies haben die Einführung einer gemeinsamen KI-gestützten Unternehmensplattform für Private-Equity-Fundraising bekanntgegeben. Dafür gehen sie eine mehrjährige Partnerschaft ein. In dem Rahmen wollen sie komplexe rechtliche Workflows mithilfe von Palantirs Artificial Intelligence Platform (AIP) optimieren. Die Plattform integriert das institutionelle Wissen von Kirkland und unterstützt den gesamten Fundraising-Zyklus – von Fondsdokumentation über Side-Letter-Erstellung bis zu Compliance. 2025 betreute Kirkland Fundraisings in Höhe von fast 500 Milliarden Dollar. Wenige Tage zuvor hatte Kirkland bekanntgegeben, 500 Millionen Dollar in die Entwicklung einer eigenen KI-Plattform zu investieren.

Mai 2026

Kirkland will 500 Millionen Dollar in eigene KI-Plattform investieren

Die US-Kanzlei Kirkland & Ellis entwickelt eine eigene KI-Plattform, die in den kommenden Monaten eingeführt werden soll. Die Kanzlei plant, in den nächsten drei bis vier Jahren rund 500 Millionen Dollar in den Aufbau ihrer KI-Infrastruktur zu investieren. Die Plattform soll die Mandantenbetreuung über verschiedene Rechtsgebiete hinweg unterstützen. Erste Funktionen würden bereits in einzelnen Büros getestet, weitere sollen im Sommer folgen. Die Ankündigung von Kirkland passt in die aktuelle Debatte in der Legal-Tech- und Rechtsberatungsszene mit der Kernfrage: Werden Kanzleien auf externe Software von Anbietern wie Harvey oder Legora setzen oder durch die Entwicklung eigener KI-Plattformen konkurrieren?

Harvey nimmt Rechtsabteilungen ins Visier

Die Legal-KI-Plattform Harvey hat Contract Intelligence vorgestellt, eine speziell für Unternehmensjuristen entwickelte Lösung, die im dritten Quartal allgemein verfügbar sein soll. Das Tool, das gemeinsam mit Rechtsabteilungen entwickelt wurde, soll die Vertragsaufnahme und -prüfung beschleunigen, stärkere Verhandlungspositionen durch automatische Aktualisierung von Playbooks schaffen und schließlich für Transparenz über Vertragstrends und anstehende Verpflichtungen sorgen. Sie spiegelt damit klassische Vertragsmanagementtools ohne KI.
Mit diesem Angebot folgt Harvey dem Beispiel mehrerer Konkurrenten, darunter Libra, die Rechtsabteilungen auch stärker in den Fokus nehmen wollen. Strategisch sind Rechtsabteilungen für Harvey auch deshalb interessant, weil Mandanten zunehmend von ihren Kanzleien erwarten, dass diese dieselbe KI nutzen. Hier in Deutschland setzt die Deutsche Telekom schon seit Längerem auf Harvey und hat inzwischen auch Nachahmer im Dax gefunden.

Osborne Clarke gründet KI-Start-up Justima

Zum ersten Mal in ihrer Kanzleigeschichte hat Osborne Clarke ein Unternehmen gegründet: Justima automatisiert mit KI-Agenten das kontinuierliche Monitoring europäischer Regulierung für Rechts- und Compliance-Abteilungen. Dafür analysiert die Plattform täglich mehr als 200 Rechts- und Regulierungsquellen und liefert jedem Unternehmen gezielt nur die geschäftsrelevanten Änderungen. Die Lösung richtet sich insbesondere an Konzerne und mittelständische Unternehmen mit regulatorischen Anforderungen in mehreren europäischen Märkten. Mittelfristig adressiert Justima zudem internationale Unternehmen außerhalb Deutschlands, die europäische Regulierung monitoren müssen, ohne in jedem Markt eigene Teams aufzubauen. Verantwortlich für das Projekt sind Alexander Lilienbeck und Christian Braun gemeinsam mit Osborne Clarke-Partner Gereon Abendroth.

Wolters Kluwer verbindet Libra und Kleos für KI-gestützte Workflows

Wolters Kluwer hat die Integration des Legal AI Workspace von Libra in seine Kanzleimanagement-Lösung Kleos bekannt gegeben. Die Verbindung ermöglicht nahtlose juristische Workflows von der Recherche bis zur Mandatsbearbeitung ohne Systemwechsel. In Libra erzeugte Ergebnisse können direkt in Kleos-Mandatsstrukturen übernommen werden. Die Einführung erfolgt zunächst in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Italien. Kleos wird von über 30.000 Juristen genutzt.