Legal Tech & Legal Ops
Wer und was bewegt den Rechtsmarkt von morgen? Aktuelle Entwicklungen zu Legal Tech und Legal Operations – im übersichtlichen Newsticker!
Mai 2026
Wolters Kluwer verbindet Libra und Kleos für KI-gestützte Workflows
Wolters Kluwer hat die Integration des Legal AI Workspace von Libra in seine Kanzleimanagement-Lösung Kleos bekannt gegeben. Die Verbindung ermöglicht nahtlose juristische Workflows von der Recherche bis zur Mandatsbearbeitung ohne Systemwechsel. In Libra erzeugte Ergebnisse können direkt in Kleos-Mandatsstrukturen übernommen werden. Die Einführung erfolgt zunächst in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Italien. Kleos wird von über 30.000 Juristen genutzt.
Anthropic geht mit 'Claude for Legal' an den Start
Der KI-Anbieter Anthropic hat ‚Claude for Legal‘ veröffentlicht und steigt damit noch tiefer in den Legal-Tech-Markt ein. Die Anwendung startet mit über 20 MCP-Konnektoren zu branchenspezifischen Softwaresystemen wie iManage, Docusign, Ironclad und Relativity sowie 12 praxisbereichsspezifischen Plugins. Eine Schnittstelle zu Harvey ermöglicht den Aufruf von Harvey-Workflows direkt aus Claude. Zudem soll Claude eingehende Matter-Mails scannen, Anfragen erkennen sowie Notizen und Antworten entwerfen.
Linklaters baut Applied Intelligence-Team auf
Linklaters hat ein neues ‚Applied Intelligence‘-Team gegründet, das aus Anwältinnen und Anwälten sowie Data Scientists und KI-Spezialisten besteht. Sie sollen große Datensätze analysieren und dadurch maßgeschneiderte, KI-gestützte Technologie- und Rechtslösungen entwickeln. Die Initiative ist Teil der globalen KI-Strategie der Kanzlei und ergänzt das bestehende Team von mehr als 20 KI-Anwältinnen und -Anwälten weltweit. Gemeinsam sollen sie Mandanten helfen, in einem datengetriebenen Umfeld fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Legora übernimmt Graceview für Echtzeit-Regulierungsüberwachung
Legora hat die Übernahme von Graceview bekanntgegeben, einer Plattform für regulatorisches Horizon Scanning. Graceview überwacht in Echtzeit zehntausende offizielle Regulierungsquellen in über 100 Jurisdiktionen. Die Plattform nutzt eine proprietäre globale Regulierungstaxonomie, um strukturierte Warnmeldungen zu liefern. Legal-, Compliance- und Risk-Teams können damit regulatorische Änderungen direkt in ihrem Workflow verfolgen und darauf reagieren. Das gesamte Graceview-Team wechselt zu Legora.
Microsoft bringt Legal-KI-Agenten für Word an den Start
April 2026
Noxtua integriert US-Rechtsdaten von Midpage
Die europäische Rechts-KI Noxtua kooperiert mit der Rechtsrechercheplattform Midpage, um europäischen Juristinnen und Juristen sicheren Zugang zu US-Rechtsprechung, Gesetzen und Verordnungen zu bieten. Gleichzeitig werden Nutzer vor Zugriffen durch US-Behörden im Rahmen des US-Cloud Act geschützt, da alle von Midpage bereitgestellten Daten auf der unabhängigen europäischen KI-Infrastruktur von Noxtua verarbeitet werden. Midpage deckt alle verbindlichen Urteile auf US-Bundes- und Bundesstaatenebene ab. Die Integration wird Noxtua-Nutzern in den nächsten Wochen als optionales Modul bereitgestellt.
Legora übernimmt KI-Rechercheunternehmen Qura
Die Legal-Tech-Plattform Legora hat das Stockholmer Start-up Qura übernommen, einen Spezialisten für KI-gestützte Rechtsrecherche. Qura hat seit 2023 strukturierte Rechtsdatenbanken entwickelt, die über herkömmliche Suchmethoden hinausgehen. Legora will mit der Übernahme die juristische Recherche ihres Produkts weiter verbessern und neue Möglichkeiten eröffnen. Die juristische Recherche zählt nach wie vor zu den technisch und strukturell anspruchsvollsten Herausforderungen im Bereich der KI. Qura ist bereits in 27 Jurisdiktionen verfügbar. Das Qura-Team wird in Legoras Rechercheorganisation integriert.
Hogan Lovells und weitere Kanzleien gründen Global Legal Tech Alliance
Die internationale Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells ist der neu gegründeten Global Legal Tech Alliance beigetreten, einem Netzwerk von mehr als fünfzehn Kanzleien aus Amerika, Europa und Asien. Die Initiative will die Entwicklung und den Einsatz KI-gestützter Rechtsdienstleistungen vorantreiben. Über die Global Legal Tech Alliance Academy erhalten Mitglieder Zugang zu gemeinsamen Trainingsprogrammen, während das Forum den Austausch zu neuen Technologien fördert und das Strategic Forum Führungskräfte vernetzt. Zu den weiteren Mitgliedskanzleien gehören Tilleke & Gibbins (Thailand/Südostasien), Moll Wendén (Schweden), Havel & Partners (Tschechische Republik), Gercke Wollschläger (Deutschland), AGS Legal (Deutschland), Winter | Thürk (Deutschland), Walder Wyss (Schweiz), MLL Legal (Schweiz), Jiménez Peña Abogados (Dominikanische Republik), Levy & Salomão Advogados (Brasilien) und Cadwalader (USA), die sich zum Juli mit Hogan Lovells zusammenschließen werden.
KI für Patentstreitigkeiten: Solve Intelligence übernimmt Palito.ai
Die KI-Plattform Solve Intelligence hat das Münchner Start-up Palito.ai übernommen, das auf KI-gestützte Patentstreitverfahren und Prior-Art-Analysen spezialisiert ist. Die Akquisition erweitert das Produkt von Solve um Funktionen für Gültigkeitsanalysen, Rechtsprechungsrecherche und europäische Patentworkflows. Solve deckt damit den gesamten Patent-Lebenszyklus ab – von der Anmeldung bis zur Prozessanalyse. Teile des Palito-Teams wechseln zu Solve und verstärken das neu eröffnete Münchner Büro. Dazu zählt auch der Palito-Gründer und ehemalige Hogan Lovells-Patent-Litigator Dr. Lukas Wollenschlaeger.
Legora eröffnet Büro in München
Die Legal-KI-Plattform Legora eröffnet ein Büro in München und damit ihren ersten Standort in Deutschland. Nach einer Series-D-Finanzierungsrunde über 550 Millionen US-Dollar baut das Unternehmen seine Präsenz im deutschsprachigen Raum aus, um Kunden vor Ort besser betreuen zu können. In der DACH-Region nutzen bereits mehr als 80 Kanzleien und Rechtsabteilungen die Plattform, darunter Bird & Bird, Linklaters, White & Case, CMS Hasche Sigle, YPOG und Görg. Legora ist im vergangenen Jahr von 40 auf 400 Mitarbeitende gewachsen, die bisher an Standorten wie Stockholm, London, New York, Denver, Sydney und Bengaluru arbeiten.
März 2026
Thomson Reuters entwickelt eigenes Legal-LLM
Thomson Reuters plant für den Sommer die Einführung von ‚Thomson‘, einem eigenen, rechtlich trainierten Large Language Model. Einem Bericht des ‚Artificial Lawyer‘ zufolge soll das auf Open-Source-Modellen basierende LLM die umfangreichen Datenbestände von Thomson Reuters nutzen und ‚CoCounsel‘, KI-Plattform von Thomson Reuters, unterstützen. Laut CTO Joel Hron erzielt Thomson bei Tests in vier von zehn Bereichen bereits bessere Ergebnisse als allgemeine Modelle. Das System könne auch auf Servern vor Ort in Kanzleien oder Rechtsabteilungen betrieben werden und biete verbesserte Sicherheit und Datenschutz. Grundlage für die Entwicklung von Thomson ist das LLM von Safe Sign, einem Start-up aus Großbritannien, das Thomson Reuters 2024 übernommen hat.