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13.07.2017

Mehr als Außenwerbung: Ströer kauft Avedo-Callcenter mit Gleiss Lutz

Die börsennotierte Ströer-Gruppe setzt ihren Expansionskurs fort: Sie erwarb den Marketingsspezialisten Avedo, der auf Chat- und Telefonvermarktung spezialisiert ist und erst Anfang 2016 neue Miteigentümer bekam. Ströer erwartet durch die Übernahme einen Mehrumsatz von 60 Millionen Euro im Jahr. Die Transaktion bedarf der Zustimmung des Bundeskartellamts.

Ralf Morshäuser

Ralf Morshäuser

Avedo betreibt sechs Callcenter in Deutschland. Die 1.850 Mitarbeiter des 2004 gegründeten Unternehmens sind für unterschiedliche Branchen im Einsatz, darunter Toursimus, Finanzen, Versicherungen und Gesundheit. Zuletzt kam Avedo damit auf einen Umsatz von 48 Millionen Euro. Anfang 2016 hatten sich von Seafort Advisors beratene Eigenkapitalfonds sowie das Leipziger Beteiligungshaus Onics an dem Callcenterbetreiber beteiligt. Die Mehrheitsanteile erwarben sie seinerzeit von dem Münchner Investmenthaus Auctus Capital. Das Management um den Gründer Torsten Krause blieb damals wie heute über Rückbeteiligungen an Bord.

Der Werbevermarkter Ströer, der bisher primär auf Außenwerbung setzt, holt sich mit Avedo den Telefonvertriebsweg hinzu. Von den bisherigen Gesellschaftern Seafort Advisors und Onics übernimmt Ströer 75 Prozent der Anteile an Avedo. Zuletzt hatte der Kölner MDax-Konzern unter anderem den E-Mail-Dienstleister Kajomi und die Versandapotheke Vitalsana erworben.

Berater Ströer
Gleiss Lutz (München): Dr. Ralf Morshäuser (Gesellschaftsrecht/M&A; Federführung), Dr. Petra Linsmeier (Kartellrecht), Dr. Thomas Winzer (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Jacob von Andrea (Öffentliches Recht; Düsseldorf), Dr. Johann Wagner (Steuerrecht; Hamburg), Roland Sterr (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Matthias Werner (Gewerblicher Rechtsschutz); Associates: Moritz Riesener, Dr. Markus Braun, Dr. Konrad Discher (Berlin; alle Gesellschaftsrecht/M&A), Christian Köhli (Kartellrecht), Dr. Jens Wrede (Steuerrecht; Hamburg), Dr. Tobias Abend (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Manuel Klar, Dr. Theresa Uhlenhut (beide Gewerblicher Rechtsschutz), Dr. Jan-Alexander Lange, Dr. Dr. Tajan Tober (Frankfurt; beide Finance), Friedemann Bender (Öffentliches Recht; Düsseldorf)
EY (Köln): Christian Biel – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Köln): Anne Ossenberg (Generalbevollmächtigte)

Lars Laeger

Lars Laeger

Berater Management
Arqis (Düsseldorf): Dr. Lars Laeger (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Tobias Brors (Arbeitsrecht); Associates: Thomas Chwalek (Corporate/M&A), Inka Müller-Seubert (Arbeitsrecht)
Zuhorn & Partner (Essen): Friedrich Brus (Federführung; Corporate), Dr. Dirk Zuhorn (Corporate),  Associate: May-Britt Hammel (Arbeitsrecht)

Berater Onics
Gruendelpartner (Leipzig): Dr. Mirko Gründel (Federführung), Dr. Steffen Fritzsche (beide Corporate/M&A); Associate: Anja Bayer (Corporate)

Berater Seafort
CMS Hasche Sigle (Stuttgart): Dr. Tobias Schneider ( Federführung; Private Equity/M&A), Dr. Marc Seibold (Bank- und Finanzrecht), Carsten Domke (Arbeitsrecht & Pensionen; Frankfurt), Dr. Christian Haellmigk (Wettbewerbs- und Europarecht); Associates: Christina Lung (Private Equity/M&A), Dr. Andreas Grunert (Bank- und Finanzrecht), Christopher Köth (Corporate/M&A)

Hintergrund: Soweit bekannt, berät Gleiss Lutz den MDax-Konzern Ströer hier bereits zum zweiten Mal bei einer Übernahme. Im vergangenen Sommer hatte Morshäuser mit seinem Team bereits eine Ströer-Sparte dabei unterstützt, die Mehrheit an der BHI-Gruppe zu erwerben, die hinter der Kosmetiklinie M. Asam steht.

Christian Biel hingegen dürfte die Anzahl der Deals, die er für die Ströer-Gruppe flankiert hat, kaum noch zählen. Der EY-Partner, der mit seinem Team für Due Diligence und Strukturirerung der Transaktion zuständig war, leitet den Sektor „Transaction Tax“ in der EY-Region West und den Bereich „Tax Private Equity“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mirko Gründel

Mirko Gründel

Das Stuttgarter CMS-Büro, das den Exit von Seafort begleitete, hatte den Hamburger Investor zusammen mit der Luxemburger Einheit CMS DeBacker schon Anfang 2016 beim Erwerb der Avedo-Gruppe beraten. Die verkaufende Auctus Capital und das Managament vertrauten seinerzeit auf das Team rund um den Münchner AFR Aigner Fischer-Partner Florian Aigner.

Co-Investor Onics, der erneut an Bord bleibt, hatte zum dritten Mal bei einem Gesellschafterwechsel die Leipziger Kanzlei Gruendelpartner an ihrer Seite. Der transaktionserfahrene Namenspartner Gründel ist mit dem Beteiligungshaus seit 2013 in Kontakt, das damals auf Empfehlung eines anderen Anwalts auf ihn zukam.

Dass das Düsseldorfer Arqis-Team hier im Gesellschafts- und Arbeitsrecht für das Avedo-Management zum Einsatz kam, ist auf einen Kontakt von Lead-Partner Laeger zurückzuführen. Dieser bestand schon, bevor er im vergangenen Jahr von Clifford Chance zu Arqis wechselte.

Die Essener Sozietät Zuhorn & Partner hatte im letzten Jahr die Gesellschafter des lokalen Call-Center-Anbieters Vocando beraten, als jene ihre Anteile an Avedo veräußerten. Vocando-Mitbegründer Christian Küpper ist seitdem Teil des engeren Avedo-Managements. (Sonja Behrens)

Der Artikel wurde am 14.Juli 2017 ergänzt