Berlin: Tilp verhindert Spin-off
Die auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Kanzlei Tilp Rechtsanwälte hat in einer ungewöhnlichen Aktion den Ausstieg dreier Rechtsanwälte aus ihrem Berliner Büro gestoppt. Die Associates Niels Andersen (36), Dr. Dean Martinovic (35) und Markus Weyer (43) hatten während laufender Arbeitsverhältnisse mit der Kanzlei eine eigene Sozietät gegründet und auf dem Briefbogen von Tilp Rechtsanwälte hunderte von Mandanten angeschrieben und diese zum Kanzleiwechsel aufgefordert, so Kanzleigründer Andreas Tilp.
Hintergrund: Die Anlegerkanzlei hatte beschlossen, ihre Tätigkeit vorerst auf den Stammsitz in Kirchentellinsfurt bei Tübingen zu konzentrieren und das Hauptstadt-Büro zu schließen. Zwei der drei Berliner Anwälte hatten laut Tilp zuvor einem Umzug sogar vertraglich noch zugestimmt.
“Unsere Kanzlei lässt sich rechtswidriges Verhalten von Angestellten nicht gefallen”, sagte Tilp, der alleiniger Partner von Tilp Rechtsanwälte ist.
Er schaltete das Arbeitsgericht Berlin ein, das am 10. Dezember nach mündlicher Verhandlung sowohl Martinovic als auch Weyer jeweils per einstweiliger Verfügung untersagte, vor Ende des Arbeitsverhältnisses zur Kanzlei Tilp für die neue Sozietät tätig zu werden. Die mündliche Verhandlung gegen Andersen findet am 19. Dezember statt.
Vertreten wird die Kanzlei Tilp dabei von dem Stuttgarter Arbeitsrechtler Prof. Dr. Stefan Nägele.
Wann genau die Arbeitsverhältnisse der drei Anwälte jeweils enden, ist rechtlich gegenwärtig noch unklar. Martinovic war seit März 2005 bei Tilp, Andersen seit gut zwei Jahren und Weyer seit etwas über einem Jahr. (Meike Nohlen)