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19.11.2014

Cum-Ex bei Sarasin: Flick Gocke- und Strate-Mandant Maschmeyer in Erklärungsnot

Erst kürzlich war der AWD-Gründer und Milliardär Carsten Maschmeyer mit einer Klage wegen fehlgeschlagener Cum-Ex-Investments gegen die Bank Sarasin in die Offensive gegangen. Er wirft der Bank nicht eingehaltene Renditeversprechen vor und sieht Sorgfalts- und Treuepflichten verletzt. Jetzt gerät er aufgrund neuer Erkenntnisse selbst in Erklärungsnot.

Gerhard Strate

Gerhard Strate

In dem Streit geht es um 40 Millionen Euro, die Maschmeyer mit prominenten Mitinvestoren in zwei Sheridan-Fonds investiert hatte. Im Dezember 2010 wurde das Geschäft abgeschlossen. Maschmeyers Sohn erteilte die Order damals nach diversen Treffen mit den Bankern per SMS. Spätestens im vierten Quartal 2011 sollte das Geld mit einer stattlichen Rendite von zwölf Prozent zurückfließen – so jedenfalls hatte es der Sarasin-Banker Kai Henke angekündigt.

Doch das Geld floss nicht, vielmehr entwickelte sich das Geschäft zur Hängepartie zwischen Maschmeyer und dem Bankier Eric Sarasin, der die Kundenbeziehung zu dem Großinvestor auch persönlich pflegte. Spätestens im März 2012 wurde Maschmeyer dann sehr ungeduldig, wie der ‘Stern’ enthüllte. Sarasin teilte Maschmeyer daraufhin mit: “Werde dafür sorgen, dass die Summen bis Anfang April zurückkommen! Es gibt immer noch zwölf Prozent Rendite!” Maschmeyer dachte offenbar noch nicht an einen kapitalen Verlust und erwiderte: “Übrigens, Henke redet von 25 Prozent.”

Es gab aber weder 25 Prozent Rendite, noch 12 Prozent. Im Gegenteil: Selbst ein Großteil der Einlage ist bis heute weg. Im Oktober überwies Sarasin gut 21 Millionen Euro. Bis heute soll Maschmeyer noch auf 14 Millionen Euro des eingezahlten Kapitals warten. Grund: Der Fiskus zahlt die erhoffte Kapitalertragsteuer nicht aus.

Was wusste Maschmeyer?

Anfang 2013 beauftragte Maschmeyer dann zusammen mit seinem Medienanwalt Prof. Dr. Matthias Prinz von Prinz Neidhardt Engelschall – der selbst investiert hatte – die beiden Anwälte Dr. Jens Gotthardt und Dr. Arne von Freeden von Flick Gocke Schaumburg. Sie sollten die Sheridan-Fonds prüfen. In einem Schreiben vom 2. April 2013 bedankten sich die beiden Anwälte bei Sarasin für ein Gespräch, das sie mit Bankern und Fondsmanagern im Februar geführt hatten, um die steuerliche Situation rund um die umstrittenen Produkte zu besprechen. “Unsere Mandanten Herr Dr. Maschmeyer und Prof. Dr. Prinz sind aufgrund der negativen Berichterstattung zu Cum-Ex-Trades und insbesondere zum Fall HVB-Roth sehr besorgt, die von ihnen gezeichneten Fonds könnten sich ähnlicher Praktiken bedienen”, heißt es in dem Schreiben, das JUVE vorliegt.

In dem Schreiben verlangen die Anwälte von der Bank Sarasin zudem eine Bestätigung, dass es keine Absprachen zwischen den an der Transaktion beteiligten Parteien gegeben habe und den kaufenden Sub-Fonds die Veräußerer der erworbenen Aktien nicht bekannt gewesen seien. Für die Sub-Fonds agierte als Anwälte Dr. Bernulph von Crailsheim, der heute für Simmons & Simmons tätig ist, sowie die Steuerberaterin Julia Singer. Beide hatten seinerzeit bei der Kanzlei Dewey & LeBoeuf gearbeitet. Genau auf Absprachen unter den Beteiligten und darauf, dass den Käufern die Verkäufer womöglich doch bekannt waren, zielen indes die Vorwürfe des Fiskus.

Die Flick Gocke-Ergebnisse machten Maschmeyer Mut und stellten ihn zugleich als jemanden dar, der gar nicht wusste, dass die Rendite auf einer mehrfachen Erstattung von Kapitalertragsteuer basierte. Doch diese Version scheint aus verschiedenen Gründen fragwürdig: Zum einen erklärte Sarasin-Banker Henke, dass er Maschmeyers Sohn en détail über die Konstruktion aufgeklärt hat, zum anderen problematisiert Maschmeyer selbst bereits am 14. Juni 2012 das Steuerthema gegenüber Eric Sarasin: “Ich erwarte eine Bestätigung, dass ich die Anteile aus den erwarteten Steuererstattungen erhalte, sobald die eingehen.”

In Zürich gilt´s

Nach jahrelanger Hängepartie hatte Maschmeyer vor wenigen Wochen in Zürich Klage gegen die Bank J. Safra Sarasin eingereicht. Dafür hat er einen der Schweizer Top-Anwälte schlechthin verpflichtet: Prof. Dr. Peter Nobel von der Kanzlei Nobel & Hug. Nobel ist unter anderen bekannt für die langjährige Beratung des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Als deutsche Anwälte sind zudem Dr. Eckart Seith von Seith Miller Steinlein und Dr. Gerhard Strate von Strate und Ventzke für strafrechtliche Belange involviert. Allerdings ist Seith gehindert, in die Schweiz zu reisen, weil die Staatsanwaltschaft Zürich gegen ihn zuletzt ermittelte. Auf der Gegenseite steht für Sarasin Lenz & Staehelin mit den Juristen Alex Wittmann und Ruedi Ackermann, die Hengeler Mueller-Partner Dr. Markus Meier und Dr. Martin Klein begleiten die Bank in den deutschrechtlichen Aspekten. (Volker Votsmeier)