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01.12.2015

Bio ohne Masse: Bewährte Verwalterkonstellation bei insolventen EEV-Gesellschaften

Ende November hat die EEV BioEnergie GmbH & Co. KG einen Insolvenzantrag gestellt, um ihren Kraftwerksbetrieb zu sanieren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Meppen Dietmar Penzlin aus der Hamburger Kanzlei Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin. Damit wurde die Kraftwerksgesellschaft von ihrer Muttergesellschaft, der EEV AG, abgetrennt. Die Konzernmutter hatte die Gesellschaft 2012 für rund 16,5 Millionen Euro gekauft.

Stefan Denkhaus

Stefan Denkhaus

Bereits vor einem halben Jahr ordnete das Amtsgericht Papenburg allerdings die Zwangsversteigerung des Kraftwerks an, weil der Vorbesitzer, die Etanax Holding, offene Forderungen in Millionenhöhe geltend machte. 

Durch den Insolvenzantrag hatte die Muttergesellschaft EVV AG keinen Zugriff mehr auf das Biomasseheizkraftwerk in Papenburg und damit auf ihre wichtigste Einnahmequelle. EEV selbst ging nur zwei Tage später ebenfalls ins Insolvenzverfahren. Das Amtsgericht Meppen bestellte Stefan Denkhaus von BRL Boege Rohde Luebbehuesen zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

In der selbst nicht operativ tätigen Muttergesellschaft stecken Anlegergelder in Millionenhöhe. Insgesamt hatten 2.400 Anleger mehr als 25 Millionen Euro in EEV investiert. Rund 16,7 Millionen Euro stecken in Genussrechten, weitere 9,5 Millionen Euro in sogenannten partiarischen Darlehen.

Neben dem Biomassekraftwerk hatte EEV vor allem in ein Offshorewindparkprojekt investiert. Die EEV OWP Skua, die das Windparkprojekt Skua entwickelt, stellte keinen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Allerdings ist derzeit unklar, ob das Projekt überhaupt eine Genehmigung erhält. Dagegen spricht, dass es in einem Schießgebiet der Bundeswehr liegt. Aus dem Kauf der Anteile an der EEV BioEnergie und der EEV OWP Skua sowie aus aufgelaufenen Kosten und Zinsen bestehen derzeit noch Verbindlichkeiten in Höhe von rund 18 Millionen Euro.

Dietmar Penzlin

Dietmar Penzlin

Penzlin führt als vorläufiger Insolvenzverwalter den Betrieb der EEV BioEnergie mit ihren 28 Mitarbeitern fort und hat bereits ersten Sanierungsmaßnahmen eingeleitet. Ziel der Sanierungen ist ein Verkauf des Unternehmens im kommenden Jahr. In der EEV AG, deren Vermögenssituation derzeit analysiert wird, arbeiten nach Angaben des Insolvenzverwalters Denkhaus noch zwei Arbeitnehmer.

Auf Anlegerschutz spezialisierte Kanzleien bringen sich derzeit für potenzielle Klagen in Stellung. Bereits im Sommer hatte EEV ihre Anleger über eine drohende finanzielle Schieflage informiert. Damals schloss die Firma auch ihre Zentrale in Göttingen und zog nach Papenburg. Bereits im vergangenen Jahr leitete die Staatsanwaltschaft Braunschweig zudem ein Ermittlungsverfahren gegen EEV-Manager wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrug ein. Als Anleger-Vertreter im vorläufigen Gläubigerausschuss ist Daniel Vos von der Kölner Kanzlei Müller Seidel Vos tätig.

Die beiden Insolvenzverwalter haben bereits einen Bezug zu EEV: So ist Denkhaus seit 2012 Insolvenzverwalter der N.prior Energy, zu der früher die EEV KG gehörte und die das Kraftwerk 2011 verkaufte. Penzlin ist dort Mitglied des Gläubigerausschusses und Gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger. Zuvor war N.prior unter dem Namen Prokon Nord Energiesysteme bekannt. Es besteht eine gemeinsame Vergangenheit mit der Prokon Regenerative Energien, die Penzlin seit 2014 als Insolvenzverwalter begleitet. In dem Prokon-Verfahren kooperieren die beiden Insolvenzverwalter eng. (Ulrike Barth)