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14.07.2017

Krisenstimmung: Küchenhersteller Alno geht mit Anchor, Dentons und BRL in die Insolvenz

Der Pfullendorfer Küchenhersteller Alno kann sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angehen. Das Amtsgericht Hechingen hat dafür Prof. Dr. Martin Hörmann aus dem Stuttgarter Anchor-Büro als Sachwalter bestellt. Während ein Dentons-Team mit den Partnern Andreas Ziegenhagen und Dirk Schoene als Chief Restructuring Officer (CRO) agiert, begleitet Stefan Denkhaus von BRL Boege Rohde Luebbehuesen das Unternehmen und den Vorstand im nun beginnenden Sanierungsverfahren.

Andreas Ziegenhagen

Andreas Ziegenhagen

Die Insolvenz des Küchenbauers, der rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt, kommt nicht überraschend. Seit 20 Jahren befindet sich das Unternehmen im Krisenmodus. Seither kam es nicht nur zu häufigen Wechseln in der Geschäftsführung, die mit der fristlosen Kündigung des damaligen Vorstandvorsitzenden Jörg Deisel 2011 ihren Höhepunkt fand. Immer wieder wurden auch Sanierungsprogramme eingeleitet, etwa „Alno 2013“, bei denen das Unternehmen von 2013 bis 2015 eine Anleihe und zwei Wandelschuldverschreibungen platzierte. Diese müssen ab März 2018 zurückgezahlt werden.

Im Frühjahr verstärkten die 2014 mit Hilfe der Kanzleien Kellerhals Carrard und Ashurst zugekauften Schweizer Tochterunternehmen die Probleme. Mit Einstieg des neuen Großinvestors Tahoe zum Jahresbeginn 2017, der dem Unternehmen zuvor ein 20 Millionen Euro-Darlehen gewährte und dessen Aktienanteil sich mittlerweile auf ungefähr 43 Prozent beläuft, ging die Sanierung in eine weitere Runde. Mitarbeiter wurden entlassen und Tahoe gewährte weitere Kredite – ohne Erfolg. Der Termin zur Veröffentlichung einer Jahresbilanz 2016 wurde zuletzt mehrmals verschoben. 

Von dem nun eingeleiteten Insolvenzverfahren sind auch die beiden Tochtergesellschaften Gustav Wellmann und Alno Logistik betroffen sind. Den Schritt in die Insolvenz dürfte Christian Brenner mit eingeleitet haben. Er hatte im Juni den Vorstandsvorsitz von Max Müller übernommen und gilt als Vertrauter des Großinvestors Tahoe.

Neben Banken sind vor allem die Anleihegläubiger im sechsköpfigen Gläubigerausschuss repräsentiert, den das Amtsgericht Hechingen mit seiner Entscheidung über den Sachwalter eingesetzt hat.

Sachwalter
Anchor (Stuttgart): Prof. Dr. Martin Hörmann (Insolvenzrecht)

Stefan Denkhaus

Stefan Denkhaus

Chief Restructuring Officer
Dentons: Andreas Ziegenhagen (Restrukturierung, Frankfurt); Dirk Schoene (Insolvenzrecht; Berlin)

Berater Alno
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus (Insolvenzrecht)

Hintergrund: Medienberichten zufolge geht die Ernennung des Sachwalters Hörmann durch das Amtsgericht Hechingen auf den Vorschlag des Unternehmens zurück, dürfte aber auch die Zustimmung des sechsköpfigen Gläubigerausschusses vorausgesetzt haben. Hörmann hatte gemeinsam mit seinen Partner-Kollegen Dr. Robert Hänel und Dr. Paul Abel erst kürzlich die Insolvenzverwaltung der Fleischerei-Gruppe Lutz übernommen.

Als Chief Restructuring Officers (CRO) fungieren Dentons Managing-Partner Ziegenhagen und Partner Schoene als Generalbevollmächtigte des Unternehmens. Insbesondere Ziegenhagen gehört zu den anerkanntesten Köpfen in der Restrukturierungs- und Sanierungsberatung. Nach einem Pitch des Alno-Vorstandes wurden sie dem Gläubigerausschuss präsentiert, der die Wahl unterstützte.  

Auch BRL-Partner Denkhaus bringt viel Erfahrung aus öffentlichkeitswirksamen Insolvenzverfahren mit. Zuletzt war er etwa für KTG Agrar als Sachwalter bestellt. Mit Ziegenhagen hat Denkhaus beispielsweise schon bei der Prokon-Insolvenz zusammengearbeitet. (Martin Ströder)