Einigung mit MEMC

Conergy baut auf Trio aus Gleiss, Hughes Hubbard und Arnold & Porter

Das angeschlagene Hamburger Solarunternehmen Conergy hat seinen monatelangen Rechtsstreit um einen zehn Jahre laufenden Liefervertrag mit dem US-Waferhersteller MEMC beigelegt. Die beiden Unternehmen einigten sich auf eine erneute Anpassung des ursprünglich 5,7 Milliarden Euro schweren Kontrakts über die Lieferung von Solarwafern.

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Die Vertragspartner passten die bisherige Vereinbarung hinsichtlich der Liefermenge und dem Preis erheblich an. MEMC akzeptierte eine künftig deutlich flexiblere und marktgerechtere Belieferung von Conergy. Dabei ergibt sich für die restliche Laufzeit von neun Jahren ein Mindestbetrag von nur noch 712 Millionen Euro. Dies ist nur noch ein Achtel der ursprünglichen Summe oder ein Viertel des bereits reduzierten aktuellen Vertragswerts. In Zukunft deckt Conergy nur noch die Hälfte seines Silizium-Bedarfs über MEMC und kann das Halbleitermaterial auch von anderen Lieferanten beziehen. Der Preis für die Wafer orientiert sich nun am Marktniveau, die Liefermengen am Bedarf des Conergy-Werks in Frankfurt/Oder. Nimmt Conergy allerdings die neu vereinbarten jährlichen Mengen nicht ab, verlängert sich der Vertrag entsprechend.

2007 hatten Conergy und MEMC einen 5,7 Milliarden Euro schweren Zehnjahresvertrag über die Lieferung von Solarwafern geschlossen. Solche Wafer sind Siliziumscheiben, die zu Solarzellen verarbeitet werden. Der Rohstoff war damals knapp und sehr teuer, seither ist der Preis deutlich gesunken. Bereits Mitte 2008 hatten die beiden Unternehmen den ursprünglichen Vertrag halbiert. Weitere Verhandlungen, in denen Conergy nochmals nachbessern wollte, scheiterten jedoch. Die Hamburger wollten vor allem ihrer Ansicht nach wettbewerbswidrige Klauseln entfernen. MEMC sperrte sich dagegen, daraufhin stellte Conergy sämtliche Zahlungen ein und reichte in New York Klage auf Vertragsauflösung ein.

Durch die jetzige Lösung macht Conergy einen wichtigen Schritt bei seiner finanziellen Restrukturierung. Ende 2007 hatten die Hamburger noch kurz vor der Pleite gestanden, nun soll die Refinanzierung bis zum Ende des ersten Quartals stehen. Banken hatten eine Einigung mit MEMC zur Grundvoraussetzung über Verhandlungen zur weiteren Refinanzierung des Unternehmens gemacht. (René Bender, Astrid Jatzkowski)

Berater Conergy
Inhouse (Hamburg): Dr. Sebastian Biedenkopf (General Counsel), Britta Döring
Gleiss Lutz (München): Dr. Burkard Göpfert (Litigation)
Hughes Hubbard & Reed (New York): Derek Adler (Litigation), Stephen Luger (Verträge)
Arnold & Porter (Brüssel): Marleen Van Kerckhove (Kartellrecht)

Berater MEMC
Inhouse (St. Peters/Missouri): Brad Cohen (General Counsel)
Bryan Cave: Dr. Michael Leue (Hamburg), William Hibsher, Dan Waxman (beide New York), Michael Cooper (Washington); Associates: Eckart Budelmann, Dr. Thomas Rothärmel, Philip Haleen (alle Hamburg), Christopher Strianese

Hintergrund: Die Beteiligten sind alle aus dem Markt bekannt. Auf Seiten Conergys pflegt Chefjurist Biedenkopf schon seit Längerem Kontakte zu Gleiss-Partner Göpfert, auch noch aus Zeiten vor Conergy. Biedenkopf leitet seit Mitte 2008 die Rechtsabteilung des Solarunternehmens, zuvor war er bei Maxingvest, der Holding von Tchibo und Beiersdorf (mehr…). Göpfert leistete nun insbesondere Litigation-Unterstützung, neben der hierauf spezialisierten US-Boutique Hughes Hubbard. Für die Discovery war zudem noch Ernst & Young mit im Boot bei Conergy.

In Fragen zur Refinanzierung vertraut Conergy, soweit bekannt, auf Freshfields Bruckhaus Deringer, an der Seite des darin involvierten Bankenkonsortiums steht Informationen aus dem Markt zufolge Hengeler Mueller. 

Bei Bryan Cave begleitete zunächst ein Hamburger Team für MEMC die Nachverhandlungen über den Vertrag. Als Conergy dann Klage erhob, übernahmen die US-Anwälte den Prozesspart, die weitergehenden Verhandlungen führten Anwälte von beiden Seiten des Atlantiks.

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