Fahrrad-Boom

GBL übernimmt mit Linklaters Premiumhersteller Canyon

Der deutsche Fahrradhersteller Canyon bekommt einen belgischen Eigentümer. Die Investmentholding Groupe Bruxelles Lambert erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen aus Koblenz. Im Bieterwettbewerb, in dem auch einige weitere Private-Equity-Fonds bis zum Schluss gute Karten hatten, stieg der Kaufpreis nach Medienberichten auf rund 800 Millionen Euro.

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Ralph Drebes
Ralph Drebes

GBL übernimmt die Anteile des amerikanischen Private-Equity-Investors TSG Consumer Partners, der die Beteiligung 2016 erworben hatte. Zweitgrößter Gesellschafter wird der Canyon-Gründer Roman Arnold, der einen kleinen Teil seiner Anteile abgibt, den Erlös aber zu einem wesentlichen Teil reinvestieren möchte. Der Deal soll im ersten Quartal 2021 abgeschlossen sein.

Gemeinsam mit GBL beteiligt sich der frühere Apple-Manager Tony Fadell mit einem kleinen Betrag an dem Investment in Canyon. Fandell war maßgeblich an der Entwicklung des iPods und des iPhones beteiligt. Mit seiner Firma Future Shape investiert er weltweit, kombiniert seine Investments aber mit Coachings für Ingenieure, Wissenschaftler und Gründer. So wird Fadell auch Canyon zukünftig beraten. Für sein Engagement erhält er einen Sitz im Firmenbeirat. Den Vorsitz des Beirats behält Arnold, der das Unternehmen in den 1990er Jahren als Komponentenvertrieb gegründet hatte.

Die Marke Canyon entstand 2002 und nachfolgend der Aufstieg zum Premiumhersteller. Canyon fertigt mit rund 900 Beschäftigten weltweit unter anderem Rennräder, Triathlon-Räder, Mountainbikes sowie E-Bikes. Der Umsatz stieg in den vergangenen sieben Jahren im Schnitt um 25 Prozent auf zuletzt mehr als 400 Millionen Euro. Allein in den vergangen drei Jahren habe sich der Erlös fast verdoppelt, heißt es.

Jan Bauer
Jan Bauer

Die Transaktion finanziert GBL nach JUVE-Informationen im überschaubaren Rahmen mit Fremdkapital der Banken BNP Paribas und LBBW.

In Deutschland ist GBL bislang nur mit Beteiligungen an Aktiengesellschaften wie GEA Group und Adidas aufgefallen. An Adidas hält GBL knapp über sechs Prozent. Eine Mehrheitsbeteiligung an einem privaten Unternehmen in Deutschland hat die Investmentholding bislang nicht im Portfolio. Die Gesellschaft wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet und ist seit 1956 börsennotiert.

Nach JUVE-Informationen waren auch KKR, Carlyle, das französische Beteiligungsunternehmen Eurazeo und mit Core Equity Holding ein weiterer belgischer Investor bis zum Schluss des Bieterverfahrens im Rennen.

Berater Groupe Bruxelles Lambert
Linklaters (Frankfurt): Dr. Ralph Drebes, Andreas Müller (beide Federführung; beide Private Equity), Marc Trinkaus (Bankrecht), Dr. Michael Leicht (IT), Matthew Devey (Arbeitsrecht), Christoph Barth (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Jann Jetter (Steuerrecht; München), Dr. Julia Grothaus (Konfliktlösung); Associates: Nikita Selivanov, Dr. Albrecht Schaefer, Annika Bilics, Johannes Porsch (alle Private Equity/M&A), Juan Rodriguez, Julia Spieß (beide Kartellrecht), Przemyslaw Lipin, Dr. Matthias Hohmann (beide Bankrecht), Qutaibah Sabeeh, Falk Mahdi (beide Immobilienrecht), Atif Bhatti, Lisa Bauer (beide IP/Konfliktlösung), Yukiko Hitzelberger-Kijima, Tim Werhann (beide Arbeitsrecht), Dr. Anke Dieckhoff (IT), Bianca Disch (Steuerrecht; München), Dr. Daniel Wicklein (Konfliktlösung)
Baker & McKenzie (Frankfurt): Christoph Becker, Thomas Gierath (München; beide Steuern) – aus dem Markt bekannt 
Inhouse Recht (Brüssel): Priscilla Maters (Chief Legal Officer), Pierre-Guillaume le Hodey (Legal Counsel) – aus dem Markt bekannt 

Peter Nussbaum
Peter Nussbaum

Berater TSG Consumer Partners/Roman Arnold
Skadden Arps Slate Meagher & Flom (Frankfurt): Dr. Jan Bauer, Dr. Rüdiger Schmidt-Bendun (beide Federführung), Dr. Holger Hofmeister (alle Corporate/M&A), Dr. Johannes Kremer (Bankrecht), Dr. Johannes Frey (Steuerrecht), Dr. Jörg Hanke (Bankrecht), Thorsten Götz (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Ulrich Ziegler (Arbeitsrecht); Associates: Julian Klose, Lukas Nein (beide Corporate/M&A), Dr. Ulrike Schuster (Bankrecht), Dr. Frank-M. Schwarz (Steuerrecht)
KNPZ (Hamburg): Dr. Kai-Uwe Plath; Associate: Enno ter Hazeborg (beide IP)
PricewaterhouseCoopers (München): Christian Tempich, Matthias Lindner (beide Steuern) – aus dem Markt bekannt

Christian Schwandter
Christian Schwandter

Berater Roman Arnold
Milbank (München): Dr. Peter Nussbaum, Dr. Michael Pujol (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Thomas Kleinheisterkamp (Steuerrecht); Associates: Dr. Patrick Droese, Markus von Lutterotti, Johannes Rogge-Balleer (alle Corporate/M&A)
Flick Gocke Schaumburg (Bonn): Dr. Oliver Hötzel (Federführung), Dr. Christian Hick; Associate: Dr. Karl Broemel (alle Steuern)

Berater Banken (BNP Paribas/LBBW)
Shearman & Stearling (Frankfurt): Winfried Carli (Federführung); Associates: Martina Buller, Daniel Wagner (alle Finanzierung)  

Berater KKR
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Christian Schwandtner, Dr. Martin Ulbrich, Elisabeth Kreuzer (alle Private Equity/M&A) – aus dem Markt bekannt 

Berater Carlyle
Latham & Watkins (Frankfurt): Burc Hesse (Federführung), Sebastian Pauls (beide Private Equity/M&A) – aus dem Markt bekannt 

Thorsten Reinhard
Thorsten Reinhard

Berater Core Equity Holdings 
Kirkland & Ellis (München): Dr. Benjamin Leyendecker, Dr. Mark Aschenbrenner; Associates: Dr. Samuel Frommelt, Christina Albath, Dr. Marcus Commandeur (alle Private Equity/M&A) – aus dem Markt bekannt 
EY Law (Hamburg): Dr. Jan Philipp Feigen (Federführung); Associates: Dr. Maximilian Menges, Dr. Daniel Mattig (alle Private Equity) – aus dem Markt bekannt 
EY (Frankfurt): Michael Vogel, Markus Hick (beide Transaction Tax) – aus dem Markt bekannt 

Berater Eurazeo
Fried Frank Harris Shriver & Jacobson (Frankfurt): Jérôme S. Friedrich (Federführung), Dr. Peter Breschendorf, Thorsten Stücklin (alle Corporate/M&A), Dr. Andreas Kopp (Finanzierung); Associates: Dr. Jan Petersen (IT); Anjela Keiluweit (Immobilienrecht), Samuel Dykstra, Mehar Najeeb (beide Corporate/M&A; beide New York)

Notar
Noerr (Frankfurt): Dr. Thorsten Reinhard

Benjamin Leyendecker
Benjamin Leyendecker

Hintergrund: Die belgische Investmentholding GBL mandatiert in Benelux regelmäßig Linklaters. Im Vorjahr begleitete die britische Kanzlei die Holding beim Kauf einer Beteiligung an Webhelp, einem französischen Outsourcing-Spezialisten. Für das Frankfurter Linklaters-Team um Drebes war die Beratung der Mandantin eine Premiere. Drebes verhandelte neben dem Kauf der Mehrheitsbeteiligung auch die Einigung mit dem Gründer und dem Technologie-Berater Fadell mit Blick auf das zukünftige Shareholder-Agreement. Ein Team von Baker & McKenzie lieferte die Steuer-Due-Diligence zu dem Kauf. 

Der Gründer Arnold ließ sich zum Shareholder Agreement von Milbank und Flick Gocke beraten. Flick Gocke-Steuerpartner Hötzel gilt als Stammberater von Arnold und gehörte auch hier zu seinen Vertrauten. Auf rechtlicher Seite war dies lange Zeit der ehemalige Kirkland-Partner Dr. Jörg Kirchner. Er hatte Arnold neben Hötzel 2016 zum Einstieg von TSG beraten. Um nun seinen Einfluss als Minderheitsgesellschafter zu sichern, griff Arnold auf das Münchner Milbank-Team um Nussbaum und Pujol zurück.

Winfried Carli
Winfried Carli

Für den Verkauf der Anteile von TSG und von Arnold war Skadden-Partner Bauer mandatiert. Bauer war bereits 2016 von TSG mandatiert, als diese bei Canyon einstiegen. Das Mandat konnte er noch als Partner bei Gleiss Lutz ausbauen. Anfang 2019 wechselte er mit seinem Team, zu dem auch Schmidt-Bendun gehörte, zu Skadden. Wie etwa auch Kirkland bietet Skadden ihren Mandanten an, die Due Diligence von anderen Kanzleien übernehmen zu lassen. Beim Verkauf der Canyon-Anteile überließ Skadden die Steuer-Due-Diligence einem PwC-Team. Zum IP-rechtlichen Teil trug KNPZ bei.

Aus dem öffentlich bekannten Bieterfeld ist vor allem die Beziehung zwischen KKR und Hengeler bekannt und viel belegt. Aber auch, dass Core Equity Holdings auf Kirkland setzt, überrascht nicht. Ex-Hengeler-Associate Leyendecker beriet die Gesellschaft bereits bei der versuchten Übernahme des Herstellers von Dixi-Klos und ToiToi-Toiletten. Auch seinerzeit wurde das Team von einem EY Law-Team unterstützt. Der gerade zum Partner bei EY Law ernannte Feigen hat den Due-Diligence-Prozess federführend begleitet.

Burc Hesse
Burc Hesse

Zwischen Carlyle und Latham besteht in den USA eine enge Verbindung. In Deutschland kam Latham lange nur sporadisch für Carlyle zum Einsatz. Zuletzt gelang es Latham immer besser, den Kontakt zu Carlyle auszubauen, so etwa beim versuchten Erwerb von Neuraxpharm. Damals war der Hamburger, auf den Gesundheitssektor spezialisierte Partner Dr. Henning Schneider im Mandat. Nun mandatierte Carlyle dem Vernehmen nach den Frankfurter Partner Hesse. (Martin Ströder; mit Material von dpa)

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